Heimspiel!

„Block C. Nicht Kategorie C.“ Der Kollege und ich lachen. „Ich habe Dauerkarten für Block C gekauft. Ich wusste aber ehrlich gesagt auch nicht, welcher Block der Beste ist. Es gibt ja für und gegen Alles Argumente…“ Wir finden das ja nachher raus, ob das klug war.

Nachher ist dann jetzt. Der Brummi parkt am Rand der Strobelallee auf dem letzten freien Platz, der vielleicht auch deshalb frei war, weil ein verwittertes Schild weirde Parkverbotszeiten ausweist. Aber das Schild an der Zufahrt hat auch fälschlicherweise ein Durchfahrtverbot ausgewiesen. Und alle durften durchfahren. Hoffen wir einfach, dass auch hier jemand bloß vergessen hat, die Schilder wieder einzusammeln. „Sonst machen wir halbe-halbe…“ schlägt mein Vater vor, und ich frage vorsichtig, ob mögliche Abschleppkosten da wohl mit gemeint sind. Schulterzucken.

Die wenigen Meter zum Stadion lassen auf den perfekten Fußballausflug hoffen. Die Abendsonne scheint in die Rote Erde, die Temperaturen sind mild. Am Einlass bewegt sich eine Schlange gemächlich durch die 100 Jahre alten Tore. Menschen in schwarz und gelb zeigen den Ordnern stolz ihre jungfräulichen Dauerkarten. Man grüß einander und in dem Murmeln hört man überall vor allem die große Vorfreude auf die neue Saison.

Unsere Vorfreude führt uns am Wurststand vorbei. Im Gegensatz zur Grillbude ist hier keine Schlange. Dafür gibts statt Bratwurst hier ne Bockwurst und das bestellte Frikadellenbrötchen erweist sich als kleines Schnitzel. Naja, es ist ja für uns alle der erste Spieltag. Im Block C ergattern wir ganz gute Plätze. Den Tribünendachpoller haben wir zwar vor uns, allerdings sollte der nur ein paar Meter an der Mittellinie abdecken, und da wird das Spiel ja hoffentlich selten stattfinden. Zum Anstoß der Gegner, höchstens. Möge der Ball also einigermaßen oft hinter dem Poller verschwinden. Aber bitte immer nur kurz.

Pünktlich um 18:53 Uhr stehen die Mannschaften hinter der eilig auf den Platz gepuzzelten „Regionalliga“ Bande. Nur die Spielerin, die die beiden Einlaufkinder mit den kürzesten Beinen erwischt hat, kommt ein bisschen zu spät. Aber wer steckt auch ca Vierjährige in mannhoshohe Sponsorenshirts und erwartet, dass sich darin ihre kurzen Beinchen nicht heillos vertüddeln? Zum Anpfiff um Punkt 19 Uhr sind nur noch die Beine auf dem Feld, die da auch hingehören. Der Ball verschwindet das erste Mal dieses Jahr kurz hinter dem Poller, erscheint aber just wieder, weil die Dortmunderinnen tun, was inzwischen viele Teams als Taktik betrachten: sie dreschen den Ball beim zweiten Kontakt lang und weit in den 16 ihrer Bielefelder Gegnerinnen. Da können wir ihn auch besser sehen.

Auch über die verdiente 1:0 Führung irgendwann kurz vor der Pause hinaus bleibt es für mich ein bisschen zu spannend. Eigentlich müsste der BVB schon mit drei Toren führen, aber das Ding will irgendwie nicht rein. Zwischendurch muss Jaci Meißner die Mats-Hummels-Gedächtnisgrätsche auspacken, um Bielefeld nicht zu einer eher unverdienten 100%igen kommen zu lassen. Nicht nur Block C atmet auf. Irgendwann erlöst uns dann Alex Popp mit einem ihrer gleichermaßen erwartbaren und doch nicht zu verteidigenden Kopfballtore nach kurzer Ecke und kurz vor Schluss fällt sogar noch das 3:0.

Die Sonne ist inzwischen schon lange hinter uns und dem Westfalenstadion untergegangen. Im Flutlicht schlendern wir, vorbei an feiernden Dortmunder Spielerinnen, in Richtung Ausgang. Dieser Fußballabend hatte, was ein Fußballabend brauchte. Würstchen, Sonne, Flutlicht, ein paar gute Gelegenheiten, sich über eine nicht immer ganz glücklich aussehende Schiedsrichterin angemessen aufzuregen, drei schön Tore und der Brummi stand auch noch an seinem Platz und niemand muss Knöllchen-Halbe-Halbe machen.

Ich schlage vor. Das machen wir jetzt öfter.

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