Autor: aenni.online

  • Heimspiel!

    Heimspiel!

    „Block C. Nicht Kategorie C.“ Der Kollege und ich lachen. „Ich habe Dauerkarten für Block C gekauft. Ich wusste aber ehrlich gesagt auch nicht, welcher Block der Beste ist. Es gibt ja für und gegen Alles Argumente…“ Wir finden das ja nachher raus, ob das klug war.

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  • #Mopedtour2026 – was bleibt

    #Mopedtour2026 – was bleibt

    Gerade habe ich Trosky neben das Prideschwein gepappt. und Schwerin ohne Schloss dazu. Die Ausbeute der Reise hat einen Platz am heimischen Kühlschrank. Ein untrügliches Zeichen, dass ich nach drei Wochen Urlaub wieder Zuhause bin.

    Hinter mir liegt ein Hund vorm Ventilator. Vor mir steht eine Schüssel Kirschen. Ich nippe noch einmal am Zitronenwasser (wozu man sich im Urlaub so inspirieren lässt…) und überlege: was bleibt denn übrig von der Tour nach Norden, Osten, Süden und dann wieder Westen?

    Wie fuhr’s denn nun?

    2490 Kilometer Plus habe ich gemacht in den letzten drei Wochen, aufgeteilt auf 15 Touren, die kürzeste nur der Rückweg aus Dümmer zum Pausentag in Schwerin, die mit Abstand längste dann die Rückfahrt aus Jerichow nach Hause. Das waren 460,5km, für die ich mit Eis- und Trinkpausen, und weil die ersten geplanten 25min zur Autobahn auf einmal 1:45 Stunden waren. Bahnübergang gesperrt, Autobahn gesperrt, Mensch auf Simson fährt wilde Wege… es war ein bisschen lang, aber dennoch gut machbar.

    Auffällig gut fand ich den Zustand der Straßen bzw. der gesamten damit verbundenen Infrastruktur da, wo Polen Verkehr und Tschechen Touristen erwarten. Asphalt, über viele Kilometer aus einem einzigen Guss, Markierungen wie gerade aufgetragen. In Polen am Ortseingang blinkende Verkehrsinseln, in Tschechien modernste Geschwindigkeitsmessanlagen, auf die, und auf deren Ende (?!) freundlicherweise hingewiesen wird. In meiner Erinnerung (der Copilot sieht das anders) waren die rumpeligsten Strecken die durch die Uckermark. Da waren die Orte zum Teil noch gekopfsteinpflastert oder das Kopfsteinpflaster war mit Asphalt überdeckt, was bei 40° im Sommer und -20° im Winter nach ein paar Jahren natürlich macht, dass immerzu Einer kommen und Risse und Löcher mit Bitumen stopfen muss, und gerade Bitumen, das lieben wir Motorradfahrer ja bekanntlich…

    Zum Fahren über Bitumenstreifen braucht man ein Gefährt. Über dessen Austausch hatte ich vor dem Urlaub bis zur letzten Sekunde intensiv nachgedacht, aber nun war ich doch nochmal unterwegs mit der 650ccm Versys, die natürlich ein okayer Reisekumpel ist, aber die für die nächste Tour dann vielleicht doch ausgetauscht werden dürfte. Knappe 16500km haben wir bislang zusammen unternommen. Bis zu dem kleinen Umfall- Upsi in Tschechien hat sie nie auf der Seite gelegen und bis zur falschen Installation meines Tankrucksacks in Polen hatte sie auch keine größeren sichtbaren Lackschäden. Das hat sich jetzt geändert. Auf dem Weg von Schwerin nach Cedynia haben die Halteclips sich erfolgreich durch den Lack am Tank geschrubbelt. Das ist natürlich doof, aber da zum Glück mein Herzchen nicht an meinen Fahrzeugen hängt und auch nie hing, ist es am Ende auch nur ärgerlich, weil die Macke so ins Auge sticht und solche Stellen sicher den Wert der Möhre auch ein wenig drücken. Nu isses so. Was soll ich tun, außer es abzuhaken.

    Und wie reiste es sich sonst?

    Abgehakt habe ich in den drei Wochen acht Unterkünfte zwischen Ferienhaus in Seenähe, Jugendherberge und Holzhütte mit Wandtattoo. Ein kompletter Ausfall war nicht dabei, auch wenn nicht alles gold ist, was auf Booking.com Fotos glänzt. In Zagan hatte man, anstatt zu putzen, eher ein bisschen so getan. Ich bin da ja zum Glück schwer zu schocken, aber die Küchenoberflächen und der nicht funktionierende Fernseher hatte sich meiner starken Vermutung nach einen Lappen geteilt. Zumindest war überall derselbe Schmutz längsgewischt. Aber Küche und TV blieben eh unbenutzt. Die Wohnung in Berichov in Tschechien stach für mich besonders hervor, aber auch die Ferienwohnung und das Haus in Mecklenburg würde ich ohne zu zögern noch mal buchen. Falls jemand eher auf Wandtatoos in Holzhütten auf Schotter steht, haben wir auch da sicher einen Link….

    Nachdem Thom durch seine Mecklenburger Wurzeln naheliegenderweise im Gegensatz zu mir Ruhrgebietsgewächs schon mal in Tschechien und Polen gewesen war und mir vor der Reise angekündigt hatte, in Sachen Unterkunft könnte es dort „ein wenig abenteuerlich“ werden, hatte ich mich auf einfache Verhältnisse eingestellt. Richtig abenteuerlich war dann allerdings in Cedynia und Brandenburg gleichermaßen der Einrichtungsstil der 90er.

    Spannend fand ich auch, dass ich weder eine tschechische Krone noch einen polnischen Zloty in der Hand hatte. Gesehen habe ich auch nur einmal kurz einen Geldschein, als eine ältere Dame an der Kasse im Dino Markt bar zahlte. Ansonsten hatten wir weder am Imbiss noch im kleinsten privaten Café Probleme, mit der Karte zu zahlen.

    Wie lief’s mit dem Gepäck?

    Dass ich an zwei Stellen während der drei Wochen die Chance hatte, Ballast in Form von Gepäck abzuwerfen, war eine echt praktische Sache. Dass ich trotzdem noch einzelne Dinge im Koffer hatte, die ich nicht brauchte, lag einmal zum Glück daran, dass Regenjacke und -handschuhe in ihrer Tasche blieben und ich auch das Erste-Hilfe-Set nur für einen Griff zur Kopfschmerztablette zur Hand nahm. Thoms in Tschechien eingesammelter Splitter blieb aus Gründen der Faulheit unbehandelt, zumal auch der Patient nicht ausreichend quengelte. Ich denke er hatte Sorge, dass ich ihm mit Israeli Bandage und Instant-Eispack gegenübertrete. Dabei hätte ich auch Wunddesinfektion und Pinzette gehabt. Rumprokeln hätte er dann aber selbst müssen, hätte er nicht nachher jesusartig Löcher in den Händen haben wollen… aber wir kennen uns ja inzwischen und er wusste sicher: Schwester Aenni ist eher die Frau fürs Grobe. Aber dazu kam es ja wie erwähnt nicht.

    Die Haushaltsutensilientüte blieb bis auf Zwiebeln und Knobi für die Bolognese in Dümmer unberührt, was aber daran lag, dass Tina uns in den ersten zwei Wochen mit allem Nötigen versorgt hatte und wir bei 460° in der Wohnung in Tschechien keine großen Ambitionen hatten, uns an den Herd zu stellen. Diesen Teil des Gepäcks würde ich ein wenig kompakter verpackt allerdings genau so wieder mitnehmen. Hier gilt für mich wie beim Erste-Hilfe-Zeug: besser haben als brauchen.

    Gebraucht habe ich noch ein wenig Platz für das Panini- Stickeralbum. Die Leidenschaft kam erst in Schwerin über mich, aber für ein bisschen Klimbim muss ja auch immer Platz sein.

    Im Übrigen galt einmal mehr: Kleidung waschen schlägt mehr Kleidung dabei haben. Mit einem Funktionsshirt und einem guten Langarm- Mid-Layer komme ich beim Fahren problemlos durch. Ein zweiter Satz Unterziehshirt und Mid-Layer kann sicher nicht schaden, weil man ja nie weiß ob wirklich die Sonne ballert und alles schnell genug trocknet. Bei den T-Shirts für „nach dem Fahren“ habe ich mich für vier superleichte Salewa- Funktionsshirts entschieden und als es noch nicht so warm war darüber für eine dieser waffelstoffartigen Sweatjacken. Einzige nicht Shorts war dann eine dieser spießigen Wanderhosen, deren Beine man unten abtrennen kann, weil: das sind dann zwei Hosen. Praktisch. Wenn auch zurecht verpönt. Dazu zwei Paar Sneakersocken und zwei extra Sätze Unterwäsche. Extra, weil: eine hat man ja hoffentlich an… Und dann wurde bei Ankunft und Ausziehen des durchgeschwitzten Zeug eben eine Hand- oder je nach Bude eben eine Maschinenwäsche gemacht. Waschmittel hatte ich als Waschmittelblätter dabei, die sehen aus wie Esspapier, wiegen nix und lassen sich für Handwäschen super dosieren. Meine kleinstmögliche Kulturtasche hat sich eh bewährt. Ich denke also in Sachen Gepäck bin ich inzwischen, nicht zuletzt durchs Campen, ganz gut aufgestellt. Fast ein wenig schade, weil dieses online Recherchieren, Optimieren, mehrfach Nutzen und kleiner Packen auch einfach irre Spaß machen kann.

    gibt’s ’n Fazit?

    Alles in Allem für mich ein gelungener Urlaub, auch wenn das Wetter es uns erst mit Regen und dann mit Hitze vor echte Aufgaben gestellt hat. Ich bin sehr gespannt, wohin es mich bzw uns nächstes Jahr verschlägt. Ich persönlich wäre ja dafür, eiskalt (haha) auf den Coolcation Trend aufzuspringen und gezielt eine Ecke anzusteuern, in der man der Hitze entkommen könnte, wenn sie da gerade wäre. Das dürfte dann eine Reise gen Norden werden. Oder eine nah am oder auf dem Wasser. Lassen wir das mal auf uns zukommen…

    Ich esse jetzt noch ein paar Kirschen, nehme die Wäsche ab, packe die Koffer fertig aus und sichte ein paar Fotos. Und dann mache ich einen Haken an die #Mopedtour2026 – schön war’s mit euch.

  • #Mopedtour2026 – Rückweg

    #Mopedtour2026 – Rückweg

    „Das wird aber keinen Spaß machen heute…“ sagt der Mann, der gerade vor dem Hotel zwei Fahrräder auf einen Fahrradträger geladen hat, beim Blick auf unsere Mopeds. „…ich habe meine Tochter gerade mit dem Auto abgeholt. Wir wollten eigentlich 80 Kilometer Fahrradfahren, aber das geht gar nicht. Bei dem Wetter.“ – „Wir haben keine Wahl.“ entgegne ich schulterzuckend. Und zuppele vor mir den Tankrucksack zurecht. „Wo musst du denn hin?“ will der verhinderte Radfahrer wissen. „A2, Dortmund.“ sage ich, und werde sofort auf die Sperrung der A2, ausgerechnet in Höhe der nächsten Auffahrt, hingewiesen. „Du musst in Burg auffahren! Anders geht‘s nicht.“ Google und ich haben das also auf dem Schirm. Und auf dem drücke ich jetzt: Navigation starten. Denn mir brennt vom kurzen Smalltalk der Helm. Fahrtwind muss her.

    Auch Thom hat sich zurecht geruckelt. Dass er sich bei den weit über 30°, die uns gleich garen, gegen die dicke Mopedhose entschieden hat, beäuge ich skeptisch, bin aber auf die zu erwartende Durchlüftung auch ein bisschen neidisch. Dann fahren wir los. Ein letztes: „Ach, das war ne schöne Tour!“ und ein schon knarzendes: „Ja, das haben wir doch wieder gut hingekriegt!“ schaffen wir noch, dann trennt die größer werdende Distanz die Helmverbindung. Ab jetzt müssen wir irgendwie allein durch die Hitze und ich hoffe, dass Thom auch ohne mich reichlich Pausen ein- und das nasse Handtuch auf die glühende Hirse legt. Aber: der Kerl ist ja schon groß. Er wird wissen, was zu tun ist… Bloß, wenn Freunde, die man mag, aufm Moped sitzen, und man weiß davon, dann fährt mit denen auch immer ein kleines bisschen Sorge mit. Erst recht in Jeans. Bei Gluthitze. Wird schon gutgehen…

    Ich habe mir vorgenommen, die Tour in 100km Schritte einzuteilen und den allergrößten Teil der Strecke auf der A2 zu verbringen. Da ist die Versorgung gesichert. Es ist Sonntag und es ist die schnellste und einfachste Art, zurück tief in den Westen zu gelangen. Ich starte mit 4:25h vor mir liegender Fahrzeit.

    Als ich Burg erreiche und die A2 schon in greifbarer Nähe scheint, bremst mich eine geschlossene Bahnschranke. Also öffne ich den Helm, stelle den Motor aus und trinke einen Schluck. Und warte. Auf dem Gleis steht ein Güterzug. Kein gutes Zeichen, finde ich. Und auch andere Menschen finden das. Vor und hinter mir wenden die ersten Pkw. Auch ich werde langsam ungeduldig. Denn ich sitze auf einem heißen Motor unter einem schwarzen Helm in einer dicken Jacke in der prallen Sonne. Uff. Als ich feststelle, dass google maps in erreichbarer Nähe keine Brücke oder Unterführung kennt, hält neben mir ein sehr, sehr betagter Mann auf einer sehr, sehr betagten Simson. Meine Rettung? „Kennst du dich hier aus?“ frage ich betont freundlich: „Denn ich kenne mich überhaupt nicht aus und möchte zur Autobahn!“ – „Ja.“ sagt der Mann und lässt seine Simson wieder an. „Kannst du mir da rüber helfen? Auf die andere Seite?“ – „Ja.“ sagt er nochmal, wendet um mich herum, ruft: „Ich fahr schon mal vor.“ und knattert los. Ich schließe hektisch den Helm, mache das Handy fest, wende unbeholfen und hole ihn ein, als er gerade mit guten 65 einen Kindergarten passiert hat. Sportlich, denke ich, und folge ihm aus dem Ort heraus, auf die Landstraße. Und da fahren wir… und fahren… uuuund fahren. Er ganz rechts am Rand, immer knapp 70 auf der Uhr, Halbschalenhelm, weiße Socken, Birkis, ich versetzt dahinter. Und wir fahren… erreichen einen Ort, biegen einmal ab… und fahren und… naja, fahren. Inzwischen bin ich ein wenig unsicher, ob er verstanden hat, dass ich hoffe, er zeigt mir den Weg. Das Navi jedenfalls weiß nix vom blockierten Übergang und will mich pausenlos zum Wenden überreden. Nach einigen Minuten kommen erste Zweifel auf. Ich habe inzwischen Thom am Telefon, der kurz vor der ersten Pause ist und schon ein Drittel seines Heimweges bestritten haben dürfte. Ich bin inzwischen nicht mehr so sicher, ob ich gerade entführt werde oder der Mensch vor mir gar nicht mehr weiß, dass ich keine Stalkerin bin, sondern er mir den Weg weisen wollte. An der nächsten roten Ampel muss ich das klären. Die nächste rote Ampel ist auf dem Dorf allerdings schwer zu finden. Der Zufall will, dass eine kommt. Eine für Fußgänger. Die zeigt für uns zwar rot, aber die Abwesenheit von Fußgängern oder die Abgebrühtheit des Simsonfahrers oder beides macht, dass er keine Anstalten macht, auch nur kurz anzubremsen. Oha. Irgendwann allerdings, ein Dorf weiter, kommt er in einer Fahrzeugschlange zum Stehen. „Hilfst du mir wirklich über den Bahnübergang?“ frage ich, noch immer mit Thom im Helm. „Ja!“ sagt der Mann, aber das reicht mir nicht. Ich muss anders fragen: „Du wolltest mir ja helfen, den Weg zu finden…“ – „Wo willst du denn hin?“ unterbricht mich der Mann. Ja. Klasse. „Auf die A2! Nach Hannover!“ sage ich zu laut und zu deutlich. „Die ist gesperrt!“ sagt der Mann. Ja, na sowas. „Da musst du nach Burg fahren!“ – „Wir waren doch in Burg!“ erwidere ich leicht genervt. Da war doch der Bahnübergang blockiert. „Ja…“ sagt der Mann. „..in Burg.“ Dann: Schweigen.

    Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll: „Ich muss auf die A2 – kannst du mir dabei jetzt helfen oder nicht?“ sage ich, jetzt wirklich zu laut und ein bisschen forsch, aber ich brauche die erste Pause. Und vor allem muss ich aus der Sonne. „Ja. Nach Burg musst du fahren… Da hättest du aber auch am Bahnübergang warten können!“ Ich entscheide mich für Lachen: „Was?? Aber ich dachte zu zeigst mir, wie ich das umfahren kann?!“ – „Du musst da hinten rechts. Da geht‘s nach Burg!“ Er zeigt quer über die Felder. Ich habe die Hoffnung verloren, setze noch einmal nach: „Ok, nach rechts abbiegen, was ist denn da ausgeschildert?“ Burg wird es nicht sein, denke ich, denn das war nicht da hinten rechts, da kommen noch mindesten drei Dörfer dazwischen. „Was da steht? Hm. Keine Ahnung. Musst du gucken, was da steht, wenn du abbiegst.“ Schulterzucken.

    Ich bedanke mich, weil ich inzwischen nicht mehr weiß ob ich hier an den Dorfverrückten, den Dorfdementen oder den Dorftrottel geraten bin. Dann fahre ich los. Das Navi möchte mich beharrlich zu dem Bahnübergang zurück schicken. Um nicht dem nächsten Simsonfahrer zu begegnen entscheide ich mich, Gloria anzurufen und ihr meinen Standort freizugeben. In geduldigster Pfadfinderigkeit lotst sie mich über Schleichwege nach Burg und dann auch noch zur Tanke. @Glo: du bist die Beste! <3

    Als ich getankt und den ersten Liter Wasser in mich hineingegossen habe ist seit meinem Aufbruch deutlich über eine Stunde vergangen. Thom hat den Heimweg halb geschafft. Ich bin noch nicht mal auf der Autobahn. Fantastisch.

    Ich nehme meinen Mut zusammen, fahre vollgetankt und noch immer kopfschüttelnd am mehrere Kilometer langen Rückstau auf dem Weg auf die A2 vorbei. Die ist dann, bis auf einen kleinen Stau, durch den ich zum Glück vorsichtig filtern kann, um nicht von unten und oben bei inzwischen 37° Luft und erheblich höherer Mopedtemperatur geröstet zu werden, ganz nett zu mir.

    Dann muss ich nur noch geradeaus. Das sollte ich schaffen, auch ohne dass mir ein Simsonfahrer hilft.

    Zwei Liter Wasser, zwei Liter Cola, drei Eis, fünf Stunden und zwei Podcasts später fahre ich Zuhause von der A1 ab.

    Meine Güte. Was n Tach. Fotos gibt es kaum. Das war heute wirklich nicht zu verlangen…

  • #Mopedtour2026 – Relax & Spa

    #Mopedtour2026 – Relax & Spa

    „Relax & Spa“ steht auf dem schiefen Holzschild, das jemand irgendwann an die Fertigbauholzhütte genagelt hat. Die steht gleich dreifach auf einem Einfamilienhausgrundstück im Wohngebiet. Auf einer gepflasterten Fläche. Und weil Pflastern teuer ist, ist da, wo keiner laufen soll, Basaltbruch verteilt. Nur eine gezielte Sprengung wäre geeigneter gewesen, ein Grundstück von allen Lebewesen zu befreien. Aber Sprengen ist teuer. Basaltbruch kostet weniger als ’n Zehner pro Quadratmeter. Und zack: alle Probleme gelöst. Nix Mähen, nix Gießen, nix angucken. Einfach alles hassen. Und: keine nervigen Tiere. Also: Bis auf die Wespen, die sich freuen, weil sie gern in Holzhütten auf Schotterflächen neue Nester bauen. Auch an der Hütte, vor der wir sitzen.

    Die Temperaturen sind im Juni bis an die 40° Marke gestiegen. Der Bahn schmelzen die Weichen. Deshalb weichen die Kunden. Straßen lösen sich auf. Menschen suchen Auswege aus der Hitze. In Deutschland. Im Juni. Die Nachrichten sind voll von Diskussionen über Hitzeschutzpläne, versiegelte Innenstädte ihre und nach Abkühlung lechzende Bewohner. Und wir sitzen auf dem Hot Stone von Elsterwerda und passen auf, nicht mit den vom Moped erhitzten Käsemauken den Boden zu berühren, um nicht unfreiwillig zu Raclette zu werden. Hier Zischgeräusch einfügen.

    Im Innern der Hütte pustet ein Ventilator mit Wassertank unermüdlich Luft um die Deko. Die Wölfe auf dem Wandtattoo heulen zufrieden ihre Binsenweisheit von Einsamkeit. Die Kunststofftischdecke weht wenig. Das „Live Love Laugh“ Dekoschild im Bad bleibt vom Ventilator ungekühlt.

    Wir packen ein Handtuch und die Badesachen ein und schlagen uns 500m durch den Wald, der zum Glück gerade mal nicht brennt, zum Grünen See durch. Irgendwer hat irgendwas gebaggert (Basaltschotter, vielleicht) und einen glasklaren See übrig gelassen. Wir haben den Weg nicht gefunden, und sind mit Wanderflipflops bzw Barfußschuhen (eins davon ist ein Paradoxon, bitte selbst aussuchen) Hänge runter geklettert, die denen am Gipfel mit Zipfel in nichts nachstanden. Um in diesen See zu steigen, hätte ich Vieles getan. Auch auf dem Po irgendwo runter rutschen, barfuß, weil selbst Wanderflipflops ab einem gewissen Gefälle der Flipflopbänderriss droht. Und weil barfuß egal ist, weil man ja sauber wird, im Grünen See. und der Dreck, der wird sich schon absetzen.

    Uns Absetzen ist dann gar nicht so einfach, denn die Fläche am Einstieg ist klein. Die jungen Leute (haha, das impliziert, dass wir die alten Leute waren… aber… wir waren halt die alten Leute, also… warum eigentlich das Haha?) in Hörweite sind zum Glück welche von den Guten. Es wird geturtelt und im See Handstand gemacht, während wir ein bisschen nach hier und ein bisschen nach da paddeln und auf dem Wasser liegen, wie schlafende Otter, bis uns irgendwann die Haut in den Fingern schrumpelt und oben, im Wald, noch mehr Leute zu hören sind, die nicht klingen wie welchen von den Guten. „Ich schwör“. Also Rückweg, Berg hoch, aber mit dem Weg, der hier vorhin schon war, bloß nicht zu sehen, und dann hoffen, dass die Flipflops nicht festpappen am Pflaster, und dass der Ventilator die Wölfe gut runtergekühlt hat.

    Ich nehme den Gedanken mit, dass auch rund um meine Terrasse was passieren muss, in den nächsten Jahren, weil… es ist zwar kein Basaltbruch, aber eben Zierkies. Und „Zier“ ist gestrunzt. Und es ist zwar keine solche Fläche, aber eben auch tot. Und da muss ich was ändern. Solange könnte ich ja schon mal ein Schild aufhängen, das alles ein bisschen aufhübscht. „Relax & Spa“ – das wär doch was?!

  • #Mopedtour2026 – Gipfel mit Zipfel

    #Mopedtour2026 – Gipfel mit Zipfel

    Nach unserer Reise ins Mittelalter gestern machen wir uns heute auf den Weg zu einer Sehenswürdigkeit, deren Entstehung einer einzelnen Mitreisenden zwar genauso lange her vorkommt, ein anderer Mitreisender aber ist so alt, dass er quasi beim Bau hätte helfen können. Neeeiiiin, die Rede ist weder von Jura noch von Kreidezeit. Und Dinos kommen auch nicht vor. Ich spreche von den guten (sehr alten) 60er Jahren, in denen in Jested, so sagt es das Internet, die Wanderhütte auf dem Berg Jested abbrannte und man in kürzester Zeit beschloss, den Neubau in einem Architekturwettbewerb entwerfen zu lassen. Gewonnen hat damals Karel Hubacek (wie auch sonst könnte ein tschechischer Stararchitekt bitte heißen) mit seiner Idee, auf den Bau des Turms zu verzichten und einfach direkt dem Berg einen fernsehturmspitzenartigen Hut aufzusetzen. Nun steht auf Jesteds Gipfel also ein rundes Gebäude, weitestgehend aus Glas, Beton und einem 100m hohen Stahlturm, in dem sich ein Hotel, ein Restaurant und ein Bistro befinden, und von dem aus Fernseh- und sicher auch diverse andere Signale in die Region geschickt werden.

    Mindestens ebenso geschickt ist übrigens die Idee, Motorradfahrer bis direkt zum Hut nach oben zu fahren zu lassen. So müssen die nicht, wie alle, die nicht Hotel wohnen, die letzten Höhenmeter vom Parkplatz die Straße zum Turm durch die sengende Hitze latschen. Denn dann wären wir sicherlich nicht hier. Wir wurschteln uns also auf den letzten paar hundert Metern an einzelnen Wanderern und mit 300km/h den Berg runter ballernden Mountainbikern vorbei, den Blick immer rechts am Hand entlang hangelnd, um nicht links in den Abgrund zu blicken, und schon gar nicht aus Versehen näher da ran zu fahren. Die Kamera hatte ich aufgrund kleinerer Reisedoku-Abnutzungserscheinungen leider nicht ans Moped geknuppert, so dass ihr mir jetzt einfach glauben müsst, dass zu meiner Linken das Gelände quasi senkrecht abfiel, überall Kletterer mit Sauerstoffflaschen und letzter Kraft feste Wege erreichten, Sherpas Mulis führend vorweg… und wir dann schließlich von einem Parkplatzeinweiser mit Warnweste einen Platz unter den Krempe des Fernsehturmhutes zugewiesen bekamen.

    Wir parken im Schatten unter dem alten brüchigen Beton, der sich über unseren Köpfen wölbt, gleich nach dem Absteigen gibts über unzählige Sattelitenschüsseln hinweg einen Blick ins Land, der einem wirklich die Kinnlade zu Boden drückt, so schön, das Land, so weit und das bleibt so und wird immer neu beim Rundgang, denn unten und oben gehts immer im Kreis um das Architekten-Ufo. Unglaublicherweise ist das Restaurant bis auf wenige Leute leer, wir bekommen Burger mit zerrupftem Gulaschfleisch und Pommes, die aussehen wie echte Kartoffelstücke und das in einem Ambiente, das noch immer den Charme der 70er atmet, besonders die Wand- und Deckenleuchten. Ein bisschen wie der Palast der Republik, sagt der Mitreisende und ich denke, ach so, ja klar, der Palast der Republik. So wird der wohl ausgesehen haben, wenn der Mitreisende das sagt. Und wie immer bekomme ich eine passenden kleine Erklärung, und der Kellner bekommt Trinkgeld und wir staunen, staunen, staunen.

    Berg runter ging dann irgendwie einfacher. Schöne Kurven gabs als Bonus auf der Hauptstraße, danach allerdings: Erschöpfung, schnell nach Hause, noch einmal Tanken und Abendbrot im Restaurant unter der Ferienwohnung, dann der Versuch trotz Geoblocking Deutschlands Niederlage zu gucken. Hat weitgehend geklappt. Und weil die kluge Frau vorbaut, stehen auf den letzten Zentimetern des Tages Koffer und Taschen gepackt, denn morgen gehts weiter, aus den Bergen in die echte Hitze… wir hatten ja keine Ahnung, wie privilegiert wir da in den Bergen waren.

  • #Mopedtour2026 – Burg Trosky

    #Mopedtour2026 – Burg Trosky

    “Da müssen wir eigentlich… also würde ich gerne… hin.“ sagt der Mitreisende auf eine Weise, wie er selten etwas sagt. Und das dürfte wohl heißen, dass wir heute eine Burg bei Troskovice besuchen, die nicht durch wilde Schlachten oder besondere Niedlichkeit Besucher anlockt, sondern weil ein paar tschechische PC-Spiel-Programmierer sie vor einigen Jahren zum Schauplatz ihres Openworld- Mittelalterabenteuers gemacht und im Spiel aufwändig rekonstruiert haben.

    Level 1 – Die Charaktere wählen für das heutige Abenteuer das Motorrad aus. Thom gewinnt Aura, weil… nee, Leute, ich bin zu alt für den Kappes. Es sind 35°C in der Ferienwohnung (Das sind 849 Tschechische Kronen) und ich habe Zugriff auf ChatGPT. Der erzähl ich jetzt mal von unserem Ausflug, und frage, wie ein Kingdom Come Gamer den Tag zusammenfassen würde:

    Quest gestartet: “Besuche Burg Trosky” 🏰

    Thom und ich spawnen nach Troskovice. Thom übernimmt den Support-Build (“Gib her, ich pack den ganzen Loot in meinen Tankrucksack.”) damit ich ohne Gepäck fahren kann. Instant +400 Aura.

    Am Parkplatz wartet schon der erste Sidequest-Hub – inklusive Kingdom Come: Deliverance-Merch. Um uns herum laufen gefühlt nur NPCs mit 1000 Stunden Spielzeit in Adiletten bei 30 °C Richtung Burg. Respekt oder Wahnsinn? Schwer zu sagen.

    Thom schaut auf seine Motorradstiefel und die schwarze Hose, mit der er die Map trotz aktivierter Hitze-Quest beteten hat.: “Den Berg level ich heute garantiert nicht.”

    Ich versuche mein Glück: „Ich finde, wir sollten nur bis zur nächsten Kurve. Einmal um die Ecke peeken und die nächste Map aufdecken” . Challenge accepted. Von der Kurve aus kann man den ersten In-Game-Shop sehen. Fast Travel aktiviert. Gelootet wird erst, wenn die Burg DLCs abgeschlossen sind. Leider wird es kein 100% Run. Beim Merchant am Eingang kaufe ich ein Souvenir und wir finden, wir haben den POI erfolgreich gecleart. Am Rand der Map finden wir dann noch versteckten Loot und können einen Geocache loggen. Completion-Rate steigt weiter.

    Anschließend nutzen wir den Vendor komplett aus, füllen die Hungerleiste auf 100 und ich füge +1 Magnet dem Inventar hinzu. Als plötzlich das Random Event „20 singende Kinder betreten die Map“ ausgelöst wird, entscheiden wir uns für den Stealth Exit.

    Quest abgeschlossen. 100 XP. Ein paar Schweißtropfen verloren, aber immerhin keine Ausdauerleiste komplett geleert. 🎮🏍️

    Nach dem Food Buff (das Gulasch entpuppt sich als äußerst lecker, wird aber an einer Art Spülschwamm- Beilage serviert. Ist es Brot? Ist es keins? Die Erfindung der Spirellinudel wird diesem Land jedenfalls irgendwann, wenn sie denn hier bekannt wird, einen immensen kulinarischen Aufschwung bescheren) speichern wir heute nur noch den Spielstand und erholen uns von Ausflug, Gulasch und Wetter.

  • #Mopedtour2026 – ins tschechische Skigebiet

    #Mopedtour2026 – ins tschechische Skigebiet

    Eigentlich müsste ich das von gestern heute noch tippen, denn morgen ist das schon vorgestern – dachte ich gestern. Tippe aber doch erst heute. Fasse deshalb einfach gestern und vorgestern zusammen. Gilt beides als Anreise ins tschechische Skigebiet und ist deshalb regelkonform. Habe ich beschlossen.

    Wer aus Deutschland nach Polen fährt und kurz hinter Schwedt rechts abbiegt, ist bis Cedynia nur durch die immer gleichen Wälder gefahren. Die sind weit. Die Straßen dagegen sind schmal, und je nachdem, ob am Rand ein Schild steht, auf dem Polen verkündet, diese Straße bereits saniert zu haben, sind sie über viele, viele Kilometer wie ein edler Asphaltteppich ohne jede Naht oder mehr weniger löchrig, aber ok. Als wir aus Cedynia am Morgen wieder in diese Wälder abbiegen, kennen wir das Polen- Prozedere schon von gestern. Es geht weitestgehend geradeaus, manchmal wenig schlängelig, auf 1 1/2 Fahrzeugbreiten durch Fichtenforste, dann wieder ein Dorf, ein Supermarkt mit lustigem Tiernamen, wahlweise Marienkäfer oder Dino, dann machen eine Pause im Wald, in unserem Fall an einer Abzweigung mit Pavillon, in dem Thom nach einer Sekunde Banksitzen von einer Wespe in den Finger gestochen wird und fluchend wieder aufsteht. Zack, folgt wie zur Ablenkung der Auftritt des nächsten Dorfverrückten. Der ist mit dem E-Bike aus einem der Häuser an einem der kleinen Seen hier her geradelt, um auf das Bäckerauto zu warten, von der er gar nicht weiß, ob es überhaupt kommt. Aber er hofft einfach und will warten. Er hat also Zeit, uns eine Managementzusammefassung seiner Lebensgeschichte präsentiert, die ungefähr so geht, dass ein polnischer Maler mit Job in Berlin ein halbes Haus hier in der Knüste am See gekauft hat, weil in Berlin der Verkehr und die Menschen… und in Dortmund hat er auch mal gearbeitet. Und jetzt: Polnischs Dorf. Und hier und da ein See. Und Warten aufs Bäckerauto.

    Hätten wir geahnt, dass uns am nächsten Dinomarkt ein fremdsprachlich weniger kompetenter aber gleich mehrmals so mitteilsamer dorfverrückter Rollerfahrer blüht, hätte ich mir gern noch mehr Details aus dem Berliner Anstreicherleben berichten lassen. Am Dino wurden von einem nicht weniger redseligen Rentner (so vermute ich) unsere Mopeds gelobt. BMW gut. Motorrad gut. Motor gut. Ansonsten Monologe. Mutmaßlich freundlich, aber eben: Polnisch. Wir grinsen höflich und ich lenke Thoms Aufmerksamkeit auf die frisch an seinem Motorrad festgeklemmte Kamera, was unseren neuen Freund aber nicht davon abhält, uns permanent weiter von der Seite auf polnischzu betexten. Nix wie weg hier. Do widzenia, Rollerentner, wir müssen weiter.

    Die folgenden Kilometer ärgert uns das Kamera- Setup und trennt Immerzu unsere Bluetooth-Helm-Verbindung. Vielleicht hätte ich zu dem Dinodorfverrückten doch ein wenig netter sein sollen, dann hätte ich jetzt kein Kamerakarmaproblem.

    In Zagan suchen wir Hausnummer 13/9, das sich in Hausnummer 9 befinden soll, laut Karte aber in Hausnummer 13 sein muss. Thom hat den richtigen Riecher im Neubaublock und findet auf Anhieb die Ferienwohnung. Dritter Stock, Wandtattoo mit Stalag-Motiv und einem Fernseher, der uns kein WM schauen lässt, weil wir ARD und ZDF nicht finden und die Mediathek via Geoblogging Motorradtouristen vom Livestream ausschließt. Irgendwas dudelt auf Youtube, wir dudeln zum Dönermann und entscheiden uns, genau wie der Kollege der polnischen Polizei, für eine Kebab Box. Grundsätzlich würde ich gern mal einen Kollegen ansprechen. Aber sicher keinen, der gerade was zu Essen holt. Dass er das hier tut, macht uns Mut. Und die Box, serviert in der Box mit der Aufschrift „Döner-Box – Guten Appetit“ enttäuscht auch nicht.

    Der Abend endet früh. Am Fernsehen scheitern wir bis zum Schluss.

    Morgens schlörren wir die Sachen wieder durchs karge Neubautreppenhaus, sperren hinter uns ab und sitzen auf, um die 145km in Richtung Berichov zu fahren. Nicht nur das Wetter, auch die Kurvenhaftigkeit der Gegend macht, dass wir ein Skigebiet für eine gute Idee halten. Vor dem Grenzübertritt habe ich die Kamera parat. Statt eines tschechischen Grenzers spielt hier allerdings nur ein kleiner Junge am Rand der kleinen Dorfstraße. Dass wir in Tschechien sind, verraten und das obligatorische Geschwindigkeitsschild, die anders aussehenden Verkehrszeichen und das Handy mit den Roaming Infos. Is ja schon was Feines, diese Reisefreiheit.

    Hinter ein paar netten Kurven, die meist durch Dörfchen führen, erreichen wir dann Berichov. Das ist, sagt jedenfalls ChatGPT, im Isergebirge. Wer das nicht kennt, stellt sich sowas wie den Harz vor, nur mit lebendigem Wald und ohne Brockenbahn. Dafür mit ein paar Stauseen, tschechischen Preisen, schmalen, toll ausgebauten Straßen und… mehr Tschechen. Aber auch insgesamt ist es hier deutlich besiedelter und betriebsamer als zwischen Bad Harzburg und Wernigerode. Vielleicht hätte man die Orte dazwischen damals einfach nicht Elend und Sorge nennen sollen, sondern wir hier: Hût oder eben Berichov.

    Wir entscheiden uns für einen späten Mittagssnack an einem frisch renovierten Marktplatz in Neustadt an der Tafelfichte. Tschechen sagen Nové Mesto pod Smrkem – aber die lassen dann die Tafel in der Fichte weg, und die will ich euch natürlich nicht unterschlagen. Nicht unterschlagen will ich auch die leckere Suppe, die uns am Fuße der Tafelfichte serviert wird, die übrigens ein Berg und kein Baum ist, also die Tafelfichte, nicht die Suppe… die ist lecker. Jedenfalls schaffe ich es dann nach dem Aufsteigen mit Kartoffelsuppe im Bauch, auf absolut geradem Grund beim Zurückklappen des Seitenständers, mein Moped nach 15500km und vier Jahren das allererste Mal auf die Seite zu legen. Ich behaupte, „Hilfe! Thom!“ rufend (ja, ich hatte die etwas übersteigerte Hoffnung, der Mitreisende hätte drei Meter lange Arme auszufahren, die das Moped noch hätten gerade halten können…) in Zeitlupe eine Art langsame Bauchlandung zu meiner Rechten gemacht zu haben. Der Augenzeuge behauptet, ich sei in einem mehr oder wenigen hohen Bogen über mein Motorad hinweg abgerollt. Beim Aufstellen immerhin die Erkenntnis: bis auf eine Schramme am Koffer, eine am Ego und einen blauen Flecken am Oberschenkel nix passiert. Wenn jemand die Szene nachstellen und mit mir auf Fehlersuche gehen möchte, stelle ich das Ganze nicht weniger behände gerne nach, verlange aber, aus Gründen der Exaktheit, eine Portion tschechische Kartoffelsuppe und einen Statisten, der bis mindestens an die polnische Grenze nach Knoblauch riecht.

    Mit zum Glück nur kleinem Schrecken fahren wir die letzten Kilometer und ich bin froh, bis zum Einchecken in Berichov nicht noch mal Losfahren und den Seitenständen einklappen zu müssen. Einfach, weil ich bis jetzt noch nicht verstanden habe, wie das Malheur zustandekam. Bevor wir einchecken, trinken in der der Ferienwohnungsvermietung angeschlossenen Pizzeria einen Kaffee und sind froh, die Etappe heute vergleichsweise kurz gewählt zu haben. Denn auch im tschechischen Skigebiet stehen uns ein paar sommerliche Tage bevor. Und da muss man ja Reserven haben.

  • #Mopedtour2026 – dem Regen nach Polen folgen

    #Mopedtour2026 – dem Regen nach Polen folgen

    Wenn wir zu früh starten, stellen wir fest, dann werden wir nass. Wenn wir allerdings den Tag eher gemütlich beginnen, dann sind wir immer ein kleines Stück hinter dem Regen. Bzw dem, was da alles noch mitfliegt, an Sturm und Gewitter. Und Ästen und Zweigen. Die jedenfalls liegen vor uns, auf nassen Straßen, in der Osthälfte Mecklenburg Vorpommerns. Wir allerdings machen hier und da Pause, damit das Gewitter uns weiterhin gern Stöckchen in den Weg legt, uns dabei aber bitte von oben verschont. Das heißt, dass wir Pausen machen müssen, die wir eh machen wollen, dass wir in Plau noch mit dem Goldwingbesitzer plaudern, der uns von dem extra verlegten Kabel für die mitgeführte Kaffeemaschine erzählt, und für dessen noch zu erwartenden Kumpel wir zwei Parkplätze räumen, damit der dann einen hat.

    So gurken wir, immer gen Osten, durch Orte, die auf -ow enden in die Uckermark, machen Pause an einem See in Lychen, an dem gerade drei Bläser Jens‘ runden Geburtstag zum Anlass nehmen, ihm „Eins zu blasen“ (Puh!). Zwei der drei Bläser hatten die Stücke sogar geübt. Der Mann am Baritonhorn, der vor der überraschenden Einlage den Gästen im Scherz Audioaufnahmen verbot, wusste, was er tat. Bloß halt nicht, was er tutete. Thom und ich wahrten im Rahmen der Möglichkeiten bis zum unvermeidbaren „Hoch soll er leben“ die Contenance, spendeten angemessen Applaus und wünschen Jens unbekannterweise, dass zum nächsten Runden alle Überraschenden geprobt haben mögen. Die ganze Bagage schippert mit einem Floß davon.Dass die Showeinlage an Land stattfand, wird die Fische freuen.

    Die Belustigung rastender Mopedreisenden übernimmt anschließend ein Pärchen auf E-Bikes, zuerst mit, dann ohne Dackel. Denn der macht sein eigenes Dackelding auch gern fern des Dackeltransportanhängers, schließlich ruft seine Gefolgschaft immerzu seinen Namen und winkt mit Keksen. Und wenn man zu weit wegdackelt spurtet sogar das Herrchen hunderte Meter dem Hund hinterher, um ihn zu Anhänger und Keks zurückzutragen. Dackel müsste man sein.

    Im Gegensatz zu Jens‘ Gästen habe ich Glück und muss kein Buffet mit Tutenden teilen. Der Copilot hat offenbar eine Horde Hasen ausgeraubt und eine derart große Menge Möhrchensalat geschreddert, dass ein Stopp an der Tankstelle nicht genügt, die Tupperdosen leer zu mümmeln. Nach ca. 1/3 der Menge klappen wir die Campingbestecke ein und begeben uns auf die letzten Meter in Richtung Cedynia in Polen. Am Grenzübergang an der Oder nicken uns die drei polnischen Grenzschützer freundlich zu. Der mit der lustigen Kelle, die aussieht wie die von der Kirmes mit den Zuckerperlen, die wir damals alle haben wollten, grüßt sogar. Ich fühle mich, als würde ich ein fremdes Land betreten, was daran liegt, dass ich das gerade mache, und dass man hier außer den Zahlen auf den Straßenschildern sich aber auch rein gar nichts sprachlich erschließen kann. Thom weiß, dass „Koniec!“ unter dem Kurvenschild bedeutet, dass hier keine Kurve mehr kommt. Dass solchen Schilder auch da stehen, wo angeblich keine Hirsche mehr kommen, lässt mich hoffen, dass man auch den Hirschen gesagt hat, was „Koniec!“ bedeutet.

    Statt Hirschen und den einmal per Schild versprochenen Wölfen begegnen uns noch etliche Störche, die alle so niedlich in ihren Hör… Nes… äh… Häuschen auf den Laternen wohnen, dass ich irgendwann vermute, dass hier eine Storchenfamilie immer von Dorf zu Dorf geschickt wird, um für die Durchreisenden storchiges Idyll vorzugaukeln.

    Storchig und Idyll sind dann am Ende des Tages nicht die Worte, die uns zum Hotel Piast in Cedynia einfielen. Aber wir erreichen ausreichend geschafft das Hotel, um im Treppenhaus das Interkom von Thoms Helm zu verlieren und, ohne es zu vermissen, Stunden später wiederzufinden. Danke an die deutsch-polnischen Hotelgäste, die es freundlicherweise retteten.

    Uns rettet die Pizzabude nur einen Katzenwurf entfernt, die uns ein Abendessen und ein Zusammentreffen mit dem ersten Dorfverrückten dieser Tour beschert, der – mutmaßlich voll des guten Pivo – einen energischen polnischen Smalltalk am Pizzabudentisch mit mir anfängt, meine fast 25 jährige Berufserfahrung im international verständlichen Dorfverrückte Weiterschicken aber anerkennen muss, jedenfalls zieht er wie erwünscht zügig wortkarg weiter. Auch wir halten uns nicht lange auf, denn die freundliche Pizzabäckerin packt die Sachen und läutet den Feierabend ein.

    Auch wir sind für heute geschafft. Morgen ändern wir die Himmelsrichtung und fahren genau so weit in Richtung Süden, dass nach noch einer Zwischenstation in Polen am Ende ein Aufenthalt im tschechischen Skigebiet dabei rauskommen kann, ohne zu viele Kilometer pro °C machen zu müssen. Google sagt, das ist in Zagan. Wird schon stimmen.

  • #Mopedtour2026 – Mueß

    #Mopedtour2026 – Mueß

    “Das ist doch kein Hafen hier!“ meckert der Typ Mitte 20, als er an der Badestelle neben mir von seinem 3.000 Euro Fahrrad steigt. Seine Freundin versteht das Problem nicht. Und auch ich hatte bisher gar nicht drüber nachgedacht dass hier Segler nicht erwünscht sein könnten. Mir doch hier jemand zu Fuß, mit dem Klapprad oder mit dem Segelboot ankommt. Der Radfahrer schimpft noch ein bisschen, wird dann aber von der Freundin zwinkernd ins Wasser geschickt, sich mal abkühlen.

    Ich habe mich heute nur bis zum Hosensaum abgekühlt. Der ist wegen des Wetters natürlich oberhalb der Knie. Um sich immer mal von der Hitze abzulenken reicht die Wattiefe allerdings. Im Gegensatz zum deutlich kleineren Dümmersee ist der Schweriner See auch ein paar entscheidende Grad kühler.

    Nach der äußeren Kühlung sammle ich auf dem Rückweg noch ein letztes Mecklenburger Softeis ein und sorge für innere Kühlung. Schoko-Vanille. Bewährter Hitzeschutz. Da macht ma nix falsch.

    Auch nix falsch macht man im Moment beim Besuch eines Supermarktes. Ich habe kurz überlegt, mich in einem der ausgestellten Campingstühle mit einer Packung Kaktuseis einfach niederzulassen. Was hätten sie tun sollen? Mich wegtragen? Eher nicht. Am Ende schleppe ich eine wilde Mischung aus Brötchen, Humus, Banane, Pringles und Mikado Stäben ins Hotelzimmer, dass sich zum Glück auf der Schattenseite der Unterkunft befindet, sodass sich auch zwei Stunden nach dem Einkauf die Schokolade nicht vom Mikado getrennt hat. Lecker. Hatte ich sicher 20 Jahre nicht. Gab’s früher schon mal. Zu besonderen TV-Anlässen, aus dem auf den Tisch gestellten alten Senfglas. Als man noch aus Senfgläsern trank, die meine Eltern uns durch (wie ich im Nachhinein finde) beachtlichen Senfkonsum beschafft hatten. Eins hatte wir sogar mit Aufdruck. Biene Maja? Schlümpfe? Keine Ahnung. Der Aufdruck gab irgendwann der Spülmaschine nach. Wer sich erinnert, meldet sich gerne.

    Ich schwöff ab. Hitze, Mikado, Banane und ich verbringen den Tag bis zum Fußball auf dem okay temperierten Hotelzimmer. Ohne Senfglas. Mit Nickerchen, stattdessen. Ich räume noch ein wenig Dinge am Moped hin und her, mache ein Nickerchen und dusche zweimal kalt. Zufällig öffne ich noch mal die Booking-App und stelle fest, dass ich laut Buchung heute hätte in Polen ins Hotel einchecken sollen. Ich kann schon ohne Urlaub diese Sache mit dem Wochentage nicht. War ja klar, dass das irgendwann mal schiefgehen muss. Ich überlege kurz, seufze und rufe in Polen dran. Da allerdings geht niemand dran. Auf meine Nachricht erhalte ich eine freundliche Antwort, die ich nicht ganz entziffern kann, die aber bedeuten dürfte, dass wir morgen nicht im Wald schlafen müssen. Kühl wäre es da immerhin.

  • #Mopedtour2026 – See. Endlich.

    #Mopedtour2026 – See. Endlich.

    Ach, Mecklenburg. Jetzt hast du uns zwei Wochen lang mit allen Mitteln von oben mit Wasser beworfen und damit erfolgreich verhindert, Dass wir Lust haben, uns selbst in irgendeins deiner Gewässer zu begeben. Und am letzten Tag vor Tinas und Peters Abreise schwenkst du dann von Regen auf Hitze?! Bisschen spät, um ehrlich zu sein. Aber: immerhin. Immerhin konnte Peter noch ein See stechen, von Liegeplatz 36 aus, wie er es seit der Anreise vorhatte. Und immerhin konnte ich mich auf die Wassermatte legen und Mecklenburger Rentnerinnen ein bisschen neidisch machen, die immer mal wieder an mir vorbei schwommen. Aber warum du uns da hast zwei lange Wochen hast drauf warten lassen, das wüsste ich ja schon gern.

    Inzwischen haben wir das Haus geräumt, Peter ist früh losgefahren, den Gewittern entgegen, und Tina und ich haben das Wetter ausgesessen. Und als wir die letzten Sachen raus trugen, um 10:05h, stand das Reinigungsteam schon in den Startlöchern, hatte aber jedes Verständnis, dass wir DIESES Wetter noch im Trockenen abwarten wollten. Danke!

    Tina ist jetzt sicher schon hinter Hamburg, Peter trocknet hoffentlich gerade und ich sitze in der Seewarte und vertreibe mir die Zeit bis zum Einchecken in mein Zimmer für die nächsten zwei Nächte mit euch hier. Und mit der Zeitung und dem Blick auf den See. Und der Hoffnung, dass wir in den nächsten Tagen alle gut durch die Hitze und die Gewitter kommen.