#Mopedtour2026 – was bleibt

Gerade habe ich Trosky neben das Prideschwein gepappt. und Schwerin ohne Schloss dazu. Die Ausbeute der Reise hat einen Platz am heimischen Kühlschrank. Ein untrügliches Zeichen, dass ich nach drei Wochen Urlaub wieder Zuhause bin.

Hinter mir liegt ein Hund vorm Ventilator. Vor mir steht eine Schüssel Kirschen. Ich nippe noch einmal am Zitronenwasser (wozu man sich im Urlaub so inspirieren lässt…) und überlege: was bleibt denn übrig von der Tour nach Norden, Osten, Süden und dann wieder Westen?

Wie fuhr’s denn nun?

2490 Kilometer Plus habe ich gemacht in den letzten drei Wochen, aufgeteilt auf 15 Touren, die kürzeste nur der Rückweg aus Dümmer zum Pausentag in Schwerin, die mit Abstand längste dann die Rückfahrt aus Jerichow nach Hause. Das waren 460,5km, für die ich mit Eis- und Trinkpausen, und weil die ersten geplanten 25min zur Autobahn auf einmal 1:45 Stunden waren. Bahnübergang gesperrt, Autobahn gesperrt, Mensch auf Simson fährt wilde Wege… es war ein bisschen lang, aber dennoch gut machbar.

Auffällig gut fand ich den Zustand der Straßen bzw. der gesamten damit verbundenen Infrastruktur da, wo Polen Verkehr und Tschechen Touristen erwarten. Asphalt, über viele Kilometer aus einem einzigen Guss, Markierungen wie gerade aufgetragen. In Polen am Ortseingang blinkende Verkehrsinseln, in Tschechien modernste Geschwindigkeitsmessanlagen, auf die, und auf deren Ende (?!) freundlicherweise hingewiesen wird. In meiner Erinnerung (der Copilot sieht das anders) waren die rumpeligsten Strecken die durch die Uckermark. Da waren die Orte zum Teil noch gekopfsteinpflastert oder das Kopfsteinpflaster war mit Asphalt überdeckt, was bei 40° im Sommer und -20° im Winter nach ein paar Jahren natürlich macht, dass immerzu Einer kommen und Risse und Löcher mit Bitumen stopfen muss, und gerade Bitumen, das lieben wir Motorradfahrer ja bekanntlich…

Zum Fahren über Bitumenstreifen braucht man ein Gefährt. Über dessen Austausch hatte ich vor dem Urlaub bis zur letzten Sekunde intensiv nachgedacht, aber nun war ich doch nochmal unterwegs mit der 650ccm Versys, die natürlich ein okayer Reisekumpel ist, aber die für die nächste Tour dann vielleicht doch ausgetauscht werden dürfte. Knappe 16500km haben wir bislang zusammen unternommen. Bis zu dem kleinen Umfall- Upsi in Tschechien hat sie nie auf der Seite gelegen und bis zur falschen Installation meines Tankrucksacks in Polen hatte sie auch keine größeren sichtbaren Lackschäden. Das hat sich jetzt geändert. Auf dem Weg von Schwerin nach Cedynia haben die Halteclips sich erfolgreich durch den Lack am Tank geschrubbelt. Das ist natürlich doof, aber da zum Glück mein Herzchen nicht an meinen Fahrzeugen hängt und auch nie hing, ist es am Ende auch nur ärgerlich, weil die Macke so ins Auge sticht und solche Stellen sicher den Wert der Möhre auch ein wenig drücken. Nu isses so. Was soll ich tun, außer es abzuhaken.

Und wie reiste es sich sonst?

Abgehakt habe ich in den drei Wochen acht Unterkünfte zwischen Ferienhaus in Seenähe, Jugendherberge und Holzhütte mit Wandtattoo. Ein kompletter Ausfall war nicht dabei, auch wenn nicht alles gold ist, was auf Booking.com Fotos glänzt. In Zagan hatte man, anstatt zu putzen, eher ein bisschen so getan. Ich bin da ja zum Glück schwer zu schocken, aber die Küchenoberflächen und der nicht funktionierende Fernseher hatte sich meiner starken Vermutung nach einen Lappen geteilt. Zumindest war überall derselbe Schmutz längsgewischt. Aber Küche und TV blieben eh unbenutzt. Die Wohnung in Berichov in Tschechien stach für mich besonders hervor, aber auch die Ferienwohnung und das Haus in Mecklenburg würde ich ohne zu zögern noch mal buchen. Falls jemand eher auf Wandtatoos in Holzhütten auf Schotter steht, haben wir auch da sicher einen Link….

Nachdem Thom durch seine Mecklenburger Wurzeln naheliegenderweise im Gegensatz zu mir Ruhrgebietsgewächs schon mal in Tschechien und Polen gewesen war und mir vor der Reise angekündigt hatte, in Sachen Unterkunft könnte es dort „ein wenig abenteuerlich“ werden, hatte ich mich auf einfache Verhältnisse eingestellt. Richtig abenteuerlich war dann allerdings in Cedynia und Brandenburg gleichermaßen der Einrichtungsstil der 90er.

Spannend fand ich auch, dass ich weder eine tschechische Krone noch einen polnischen Zloty in der Hand hatte. Gesehen habe ich auch nur einmal kurz einen Geldschein, als eine ältere Dame an der Kasse im Dino Markt bar zahlte. Ansonsten hatten wir weder am Imbiss noch im kleinsten privaten Café Probleme, mit der Karte zu zahlen.

Wie lief’s mit dem Gepäck?

Dass ich an zwei Stellen während der drei Wochen die Chance hatte, Ballast in Form von Gepäck abzuwerfen, war eine echt praktische Sache. Dass ich trotzdem noch einzelne Dinge im Koffer hatte, die ich nicht brauchte, lag einmal zum Glück daran, dass Regenjacke und -handschuhe in ihrer Tasche blieben und ich auch das Erste-Hilfe-Set nur für einen Griff zur Kopfschmerztablette zur Hand nahm. Thoms in Tschechien eingesammelter Splitter blieb aus Gründen der Faulheit unbehandelt, zumal auch der Patient nicht ausreichend quengelte. Ich denke er hatte Sorge, dass ich ihm mit Israeli Bandage und Instant-Eispack gegenübertrete. Dabei hätte ich auch Wunddesinfektion und Pinzette gehabt. Rumprokeln hätte er dann aber selbst müssen, hätte er nicht nachher jesusartig Löcher in den Händen haben wollen… aber wir kennen uns ja inzwischen und er wusste sicher: Schwester Aenni ist eher die Frau fürs Grobe. Aber dazu kam es ja wie erwähnt nicht.

Die Haushaltsutensilientüte blieb bis auf Zwiebeln und Knobi für die Bolognese in Dümmer unberührt, was aber daran lag, dass Tina uns in den ersten zwei Wochen mit allem Nötigen versorgt hatte und wir bei 460° in der Wohnung in Tschechien keine großen Ambitionen hatten, uns an den Herd zu stellen. Diesen Teil des Gepäcks würde ich ein wenig kompakter verpackt allerdings genau so wieder mitnehmen. Hier gilt für mich wie beim Erste-Hilfe-Zeug: besser haben als brauchen.

Gebraucht habe ich noch ein wenig Platz für das Panini- Stickeralbum. Die Leidenschaft kam erst in Schwerin über mich, aber für ein bisschen Klimbim muss ja auch immer Platz sein.

Im Übrigen galt einmal mehr: Kleidung waschen schlägt mehr Kleidung dabei haben. Mit einem Funktionsshirt und einem guten Langarm- Mid-Layer komme ich beim Fahren problemlos durch. Ein zweiter Satz Unterziehshirt und Mid-Layer kann sicher nicht schaden, weil man ja nie weiß ob wirklich die Sonne ballert und alles schnell genug trocknet. Bei den T-Shirts für „nach dem Fahren“ habe ich mich für vier superleichte Salewa- Funktionsshirts entschieden und als es noch nicht so warm war darüber für eine dieser waffelstoffartigen Sweatjacken. Einzige nicht Shorts war dann eine dieser spießigen Wanderhosen, deren Beine man unten abtrennen kann, weil: das sind dann zwei Hosen. Praktisch. Wenn auch zurecht verpönt. Dazu zwei Paar Sneakersocken und zwei extra Sätze Unterwäsche. Extra, weil: eine hat man ja hoffentlich an… Und dann wurde bei Ankunft und Ausziehen des durchgeschwitzten Zeug eben eine Hand- oder je nach Bude eben eine Maschinenwäsche gemacht. Waschmittel hatte ich als Waschmittelblätter dabei, die sehen aus wie Esspapier, wiegen nix und lassen sich für Handwäschen super dosieren. Meine kleinstmögliche Kulturtasche hat sich eh bewährt. Ich denke also in Sachen Gepäck bin ich inzwischen, nicht zuletzt durchs Campen, ganz gut aufgestellt. Fast ein wenig schade, weil dieses online Recherchieren, Optimieren, mehrfach Nutzen und kleiner Packen auch einfach irre Spaß machen kann.

gibt’s ’n Fazit?

Alles in Allem für mich ein gelungener Urlaub, auch wenn das Wetter es uns erst mit Regen und dann mit Hitze vor echte Aufgaben gestellt hat. Ich bin sehr gespannt, wohin es mich bzw uns nächstes Jahr verschlägt. Ich persönlich wäre ja dafür, eiskalt (haha) auf den Coolcation Trend aufzuspringen und gezielt eine Ecke anzusteuern, in der man der Hitze entkommen könnte, wenn sie da gerade wäre. Das dürfte dann eine Reise gen Norden werden. Oder eine nah am oder auf dem Wasser. Lassen wir das mal auf uns zukommen…

Ich esse jetzt noch ein paar Kirschen, nehme die Wäsche ab, packe die Koffer fertig aus und sichte ein paar Fotos. Und dann mache ich einen Haken an die #Mopedtour2026 – schön war’s mit euch.

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