Kategorie: Reisen

  • #Mopedtour2026 – was bleibt

    #Mopedtour2026 – was bleibt

    Gerade habe ich Trosky neben das Prideschwein gepappt. und Schwerin ohne Schloss dazu. Die Ausbeute der Reise hat einen Platz am heimischen Kühlschrank. Ein untrügliches Zeichen, dass ich nach drei Wochen Urlaub wieder Zuhause bin.

    Hinter mir liegt ein Hund vorm Ventilator. Vor mir steht eine Schüssel Kirschen. Ich nippe noch einmal am Zitronenwasser (wozu man sich im Urlaub so inspirieren lässt…) und überlege: was bleibt denn übrig von der Tour nach Norden, Osten, Süden und dann wieder Westen?

    Wie fuhr’s denn nun?

    2490 Kilometer Plus habe ich gemacht in den letzten drei Wochen, aufgeteilt auf 15 Touren, die kürzeste nur der Rückweg aus Dümmer zum Pausentag in Schwerin, die mit Abstand längste dann die Rückfahrt aus Jerichow nach Hause. Das waren 460,5km, für die ich mit Eis- und Trinkpausen, und weil die ersten geplanten 25min zur Autobahn auf einmal 1:45 Stunden waren. Bahnübergang gesperrt, Autobahn gesperrt, Mensch auf Simson fährt wilde Wege… es war ein bisschen lang, aber dennoch gut machbar.

    Auffällig gut fand ich den Zustand der Straßen bzw. der gesamten damit verbundenen Infrastruktur da, wo Polen Verkehr und Tschechen Touristen erwarten. Asphalt, über viele Kilometer aus einem einzigen Guss, Markierungen wie gerade aufgetragen. In Polen am Ortseingang blinkende Verkehrsinseln, in Tschechien modernste Geschwindigkeitsmessanlagen, auf die, und auf deren Ende (?!) freundlicherweise hingewiesen wird. In meiner Erinnerung (der Copilot sieht das anders) waren die rumpeligsten Strecken die durch die Uckermark. Da waren die Orte zum Teil noch gekopfsteinpflastert oder das Kopfsteinpflaster war mit Asphalt überdeckt, was bei 40° im Sommer und -20° im Winter nach ein paar Jahren natürlich macht, dass immerzu Einer kommen und Risse und Löcher mit Bitumen stopfen muss, und gerade Bitumen, das lieben wir Motorradfahrer ja bekanntlich…

    Zum Fahren über Bitumenstreifen braucht man ein Gefährt. Über dessen Austausch hatte ich vor dem Urlaub bis zur letzten Sekunde intensiv nachgedacht, aber nun war ich doch nochmal unterwegs mit der 650ccm Versys, die natürlich ein okayer Reisekumpel ist, aber die für die nächste Tour dann vielleicht doch ausgetauscht werden dürfte. Knappe 16500km haben wir bislang zusammen unternommen. Bis zu dem kleinen Umfall- Upsi in Tschechien hat sie nie auf der Seite gelegen und bis zur falschen Installation meines Tankrucksacks in Polen hatte sie auch keine größeren sichtbaren Lackschäden. Das hat sich jetzt geändert. Auf dem Weg von Schwerin nach Cedynia haben die Halteclips sich erfolgreich durch den Lack am Tank geschrubbelt. Das ist natürlich doof, aber da zum Glück mein Herzchen nicht an meinen Fahrzeugen hängt und auch nie hing, ist es am Ende auch nur ärgerlich, weil die Macke so ins Auge sticht und solche Stellen sicher den Wert der Möhre auch ein wenig drücken. Nu isses so. Was soll ich tun, außer es abzuhaken.

    Und wie reiste es sich sonst?

    Abgehakt habe ich in den drei Wochen acht Unterkünfte zwischen Ferienhaus in Seenähe, Jugendherberge und Holzhütte mit Wandtattoo. Ein kompletter Ausfall war nicht dabei, auch wenn nicht alles gold ist, was auf Booking.com Fotos glänzt. In Zagan hatte man, anstatt zu putzen, eher ein bisschen so getan. Ich bin da ja zum Glück schwer zu schocken, aber die Küchenoberflächen und der nicht funktionierende Fernseher hatte sich meiner starken Vermutung nach einen Lappen geteilt. Zumindest war überall derselbe Schmutz längsgewischt. Aber Küche und TV blieben eh unbenutzt. Die Wohnung in Berichov in Tschechien stach für mich besonders hervor, aber auch die Ferienwohnung und das Haus in Mecklenburg würde ich ohne zu zögern noch mal buchen. Falls jemand eher auf Wandtatoos in Holzhütten auf Schotter steht, haben wir auch da sicher einen Link….

    Nachdem Thom durch seine Mecklenburger Wurzeln naheliegenderweise im Gegensatz zu mir Ruhrgebietsgewächs schon mal in Tschechien und Polen gewesen war und mir vor der Reise angekündigt hatte, in Sachen Unterkunft könnte es dort „ein wenig abenteuerlich“ werden, hatte ich mich auf einfache Verhältnisse eingestellt. Richtig abenteuerlich war dann allerdings in Cedynia und Brandenburg gleichermaßen der Einrichtungsstil der 90er.

    Spannend fand ich auch, dass ich weder eine tschechische Krone noch einen polnischen Zloty in der Hand hatte. Gesehen habe ich auch nur einmal kurz einen Geldschein, als eine ältere Dame an der Kasse im Dino Markt bar zahlte. Ansonsten hatten wir weder am Imbiss noch im kleinsten privaten Café Probleme, mit der Karte zu zahlen.

    Wie lief’s mit dem Gepäck?

    Dass ich an zwei Stellen während der drei Wochen die Chance hatte, Ballast in Form von Gepäck abzuwerfen, war eine echt praktische Sache. Dass ich trotzdem noch einzelne Dinge im Koffer hatte, die ich nicht brauchte, lag einmal zum Glück daran, dass Regenjacke und -handschuhe in ihrer Tasche blieben und ich auch das Erste-Hilfe-Set nur für einen Griff zur Kopfschmerztablette zur Hand nahm. Thoms in Tschechien eingesammelter Splitter blieb aus Gründen der Faulheit unbehandelt, zumal auch der Patient nicht ausreichend quengelte. Ich denke er hatte Sorge, dass ich ihm mit Israeli Bandage und Instant-Eispack gegenübertrete. Dabei hätte ich auch Wunddesinfektion und Pinzette gehabt. Rumprokeln hätte er dann aber selbst müssen, hätte er nicht nachher jesusartig Löcher in den Händen haben wollen… aber wir kennen uns ja inzwischen und er wusste sicher: Schwester Aenni ist eher die Frau fürs Grobe. Aber dazu kam es ja wie erwähnt nicht.

    Die Haushaltsutensilientüte blieb bis auf Zwiebeln und Knobi für die Bolognese in Dümmer unberührt, was aber daran lag, dass Tina uns in den ersten zwei Wochen mit allem Nötigen versorgt hatte und wir bei 460° in der Wohnung in Tschechien keine großen Ambitionen hatten, uns an den Herd zu stellen. Diesen Teil des Gepäcks würde ich ein wenig kompakter verpackt allerdings genau so wieder mitnehmen. Hier gilt für mich wie beim Erste-Hilfe-Zeug: besser haben als brauchen.

    Gebraucht habe ich noch ein wenig Platz für das Panini- Stickeralbum. Die Leidenschaft kam erst in Schwerin über mich, aber für ein bisschen Klimbim muss ja auch immer Platz sein.

    Im Übrigen galt einmal mehr: Kleidung waschen schlägt mehr Kleidung dabei haben. Mit einem Funktionsshirt und einem guten Langarm- Mid-Layer komme ich beim Fahren problemlos durch. Ein zweiter Satz Unterziehshirt und Mid-Layer kann sicher nicht schaden, weil man ja nie weiß ob wirklich die Sonne ballert und alles schnell genug trocknet. Bei den T-Shirts für „nach dem Fahren“ habe ich mich für vier superleichte Salewa- Funktionsshirts entschieden und als es noch nicht so warm war darüber für eine dieser waffelstoffartigen Sweatjacken. Einzige nicht Shorts war dann eine dieser spießigen Wanderhosen, deren Beine man unten abtrennen kann, weil: das sind dann zwei Hosen. Praktisch. Wenn auch zurecht verpönt. Dazu zwei Paar Sneakersocken und zwei extra Sätze Unterwäsche. Extra, weil: eine hat man ja hoffentlich an… Und dann wurde bei Ankunft und Ausziehen des durchgeschwitzten Zeug eben eine Hand- oder je nach Bude eben eine Maschinenwäsche gemacht. Waschmittel hatte ich als Waschmittelblätter dabei, die sehen aus wie Esspapier, wiegen nix und lassen sich für Handwäschen super dosieren. Meine kleinstmögliche Kulturtasche hat sich eh bewährt. Ich denke also in Sachen Gepäck bin ich inzwischen, nicht zuletzt durchs Campen, ganz gut aufgestellt. Fast ein wenig schade, weil dieses online Recherchieren, Optimieren, mehrfach Nutzen und kleiner Packen auch einfach irre Spaß machen kann.

    gibt’s ’n Fazit?

    Alles in Allem für mich ein gelungener Urlaub, auch wenn das Wetter es uns erst mit Regen und dann mit Hitze vor echte Aufgaben gestellt hat. Ich bin sehr gespannt, wohin es mich bzw uns nächstes Jahr verschlägt. Ich persönlich wäre ja dafür, eiskalt (haha) auf den Coolcation Trend aufzuspringen und gezielt eine Ecke anzusteuern, in der man der Hitze entkommen könnte, wenn sie da gerade wäre. Das dürfte dann eine Reise gen Norden werden. Oder eine nah am oder auf dem Wasser. Lassen wir das mal auf uns zukommen…

    Ich esse jetzt noch ein paar Kirschen, nehme die Wäsche ab, packe die Koffer fertig aus und sichte ein paar Fotos. Und dann mache ich einen Haken an die #Mopedtour2026 – schön war’s mit euch.

  • #Mopedtour2026 – letzte Etappe

    #Mopedtour2026 – letzte Etappe

    Die Chefin dieser lebensbejahenden Veranstaltung namens aenni.online – und damit wissen Sie, dass hier gerade ein anderer schreibt – die Chefin jedenfalls hat gesagt, ich soll aber nicht so nett sein. Das ist bemerkenswert, denn das kommt selten vor, meistens ist es ihr lieber, wenn ich nett bin und „nett“ ist ja an sich nichts Schlechtes, selbst noch als kleine Schwester von Scheiße ist „nett“ irgendwie ok, aber es gibt Gründe. 

    Legen Sie also auf einiges von dem, was nun folgt, gern noch eine Schippe drauf, malen Sie sich Ort, Menschen, Ereignisse gern in dunkleren Farben aus, als dieser Gastbeitrag es tut, denn dem Schreibenden ist nicht nach Aufregung, wegen Urlaub und so und auch, weil manche Dinge fürs eigene Gewissen eben durch den Weichzeichner müssen. Zumindest, wenn zur Wahrheit dazu gehört, dass im konkreten Fall das Bedürfnis nach Frieden die Oberhand behalten hat, über den eigenen Widerspruchssgeist, auch wenn der einiges zu tun gehabt hätte. Keine Sorge, das erklärt sich später. Und vergessen Sie Chronologie – irgendwie werden Sie sich die Sache schon zusammenreimen.

    So, genug Erwartungshaltung geweckt, worum gehts? Um eine Motorradfahrt als Überthema, das sollte klar sein, heute aber unter besonderer Berücksichtigung der Hitze und eines (Gruselstimme mit viel Hall): GEHEIMNISVOLLEN HOTELS.

    Bei der Buchung schon ist klar: unsere Zimmer werden an das Ende der 90er Jahre erinnern, das Drumherum an die 2010er, aber in beiden Jahrzehnten hat jemand ins obere Regal gegriffen… sprich: das, was damals für ein Landhotel im Brandenburgischen oberer Standard war, findet sich hier, es gibt Appartements über zwei Etagen, Waschbecken, die wie edle Schalen auf den Waschtischen thronen, Balkons mit Teppich und Glasscheiben im Geländer, damit der Blick frei bleibt ins Grüne, dazu üppige, auf Bequemlichkeit und Komfort hin eingerichtete Wintergärten und draußen, da wo das Blätterdach großkroniger Bäume nicht hin reicht, Sonnensegel, die automatisch ein- und ausfahren. 

    Aus Gründen müssen wir trotz App telefonieren, um zu buchen – der Mann am Telefon drängt auf Barzahlung und freut sich über meinen deutschen Vornamen. Was wir in der App vorher gesehen haben und was uns dazu brachte wirklich gern dort übernachten zu wollen, war die Lage des Ladens an einem Kanal, mit einer Möglichkeit zu baden, was uns reizvoll schien, wussten wir doch, dass wir ankommen würden am Ende einer Reise mit 40 Grad im Schatten und einem besonderen Mangel an Schatten in den brandenburgischen Dörfern, deren Einwohner Bäume zu hassen scheinen, dass wir gefahren sein würden, dunkel gekleidet und mit Aggregaten zwischen den Beinen, die nicht umsonst „Verbrennungsmotoren“ genannt werden.

    Schon am Morgen nach dem Abend im Grünen See stellt sich völlig überraschend heraus, dass der graue Schotter und das großflächig verlegte Pflaster, dass die ungedämmten Blockhütten und die nie gepflanzten Bäume, kurz, dass unsere Unterkunft nicht so wahnsinnig gut zu morgendliche Temperaturen von um die 28 Grad passt. Wer gern Wurst als warmen Brei isst und nichts lieber hat, als einen buchstäblich gekochten Hintern auf dem Motorradsitz, der mag an sowas Spaß haben, wir aber experimentieren nach dem Aufstehen hektisch mit nassen Handtüchern und suchen für die Mopeds Schattenplätze auf den zentimeterschmalen Kleinstrasenflächen, die – das wird man sich denken können – wiederum nicht so gut geeignet sind für Seiten- geschweige denn Hauptständer. (hihihihi… er hat Ständer gesagt!)

    Dafür geht es dann auf den ersten Kilometern aber ganz gut, ein nasses Handtuch wirkt auch in den Pausen Wunder, vor allem in einem Dorf namens Horst, das mitten im Ort, neben den alten Feuerwehrschuppen, Baum, Schatten, Bank und ein sehr freundlich beschriebenes Gästebuch zu bieten hat und eine Schwengelpumpe auch und das dadurch insgesamt sehr sympathisch wirkt und selbst nach anderthalb Stunden Fahrt ist das Gemüse noch in Form. Überhaupt: Rohkost! Das viel unterschätzte Powerfood der Motorradreise! Ich hätte nie gelaubt, das so zu sagen, aber. Ist so. Ja. Kohlrabi! Paprika! Tomaten! Perfekt für eine Tour durch den Klimawandel. 

    Wie bitte? 

    Ach so. 

    Die Chefin sagt, ich soll das Eis nicht vergessen. Das sei auch ganz wunderbar geeignet für die bereits skizzierten Gegebenheiten, erst Recht, wenn es in einem Ort namens „Altes Lager“ in Spaghettiform auf den Tisch kommt, in einem Eiscafé, das seit 1988 existiert und in dem mit Freundlichkeit serviert und mit Humor abkassiert wird. 

    Na klar erwähne ich das noch. Ehrensache. Kaffee können die auch.

    Bemerkenswert noch: eine üppige Ansammlung kleiner und kleinster Transportfahrzeuge allen Alters, die zu überholen wir nach dem Eis die Freude hatten. Offenbar waren wir Zeugen eines Treffens von Liebhabern dieser Gefährte, und diese Liebhaber, so sehen wir, meinen es so ernst, dass sich einige von ihnen unbehütet mit Warnwesten in die pralle Sonne stellen, um die Ausfahrt entsprechend zu lenken. Bitte mitsingen: 36 Grad und es wird noch heißer… 

    So heiß, dass es irgendwann besser ist, das Visier zu schließen. Kein Wind ist besser, als ein Fahrtwind, der brennt auf der Haut und in den Augen. Ampeln? Unerträglich. Wirklich unerträglich. Alles kocht.

    Und dann sind wir da und sehen den Kanal und ein Hotel, das voller Schilder ist: 

    • Zur karierten Zirbelfichte (Name geändert) 
    • Nur für unsere Hotelgäste
    • Nur zum Ein- und Ausladen
    • Herzlich Willkommen!
    • Betreten verboten (sinngemäß)
    • Vereinsgelände, Verein Tri-Tra-Trullala „Malen mit Kartoffelsalat“ (Name geändert) 
    • Mir missfällt vieles in diesem Land (im Original ein Zitat eines berühmten Mannes, Schrifttype: Fraktur – Wortlaut geändert)
    • diese Liegeschaukel ist toll, aber nichts für Kinder (sinngemäß)
    • Ich finde öffentlich-rechtliche Medien nicht gut (Wortlaut geändert)
    • Licht an und Fenster auf bringt Ihnen Viecher ins Zimmer (sinngemäß) 
    • Drehen Sie doch bitte die Heizung runter, wenn Sie gehen, wegen Klima (sinngemäß)
    • Ins Klo gehört nur, was ins Klo gehört, weil wir eine Schmutzwasserpumpe haben, die sonst verstopft (sinngemäß)
    • Der Kühlschrank ist für Dinge, die Sie kühlen möchten. (sinngemäß)
    • Basenwasser

    Wir checken ein und zahlen bar und fangen keinen Streit an, wegen Urlaub und so, auch nicht, als der Hotelier, Typ Preußischer Offizier, aber in müde,  am Rezeptionscomputer Youtubevideos aus der Verschwörungsbubble laut macht und immer lauter, wenn einer vorbei geht. Als selbstermächtigende Geste hängt ein Aluhut am Kleiderständer. 

    Wir beziehen unsere Zimmer, gehen baden im Kanal, liegen auf Liegen, sitzen auf Sitzen, grüßen andere Gäste, erfreuen uns an einem Hund, schmunzeln über Männer, die sich laut ihre Prostata-Vorsorgeuntersuchungen beschreiben, wundern uns über die Mehl-Kompetenz am Nachbartisch, die zum Vorschein kommt, nachdem Essen geliefert wurde, Teigwaren inklusive, und wir dann so: darauf hätten wir auch kommen können, doch da war schon einer einkaufen gewesen und deshalb gibts im Restaurant-Ambiente am Kanal unter alten Bäumen, neben Schaukeln, die nicht für Kinder sind, unter Sonnensegeln, die sich automatisch ein- und ausrollen, unter Beobachtung lustiger Mitgäste und eines Hunds, an einem Ort, um den sich Hochzeitspaare aus ganz Berlin für ihre Feier reißen würden, Stulle mit Brot und Fertigsalat und Kefir und Russisch Ei aus dem Supermarkt, gegessen mit Campingbesteck. Und keiner findet das komisch.

    War es genau genommen auch nicht. Denn auf den zweiten Blick war alles hier dann doch längst nicht mehr so schick, wie es klassische Brautpaare bräuchten, viele Möbel abnutzt, die Teppiche auf den Balkonen durchscheinend längst und abgetreten, die Korbmöbel mit Tape geflickt, der gute Holzsteg zum Badeponton improvisiert mit Metallgitter belegt, die Zimmer, die Flure und Schließsysteme 90er, wie gesagt, die Beete, der Rasen, die Sträucher zwar nicht sich selbst überlassen, aber doch merklich ungepflegter, als es wohl früher – mutmaßlich vor Corona – hier üblich war. 

    Das Frühstücksbüfett (um kurz vorzugreifen auf den kommenden Morgen) war für uns völlig ok, aber für die Hotel-Liga, in der hier offenbar einst gespielt wurde: übersichtlich.

    Am späten Abend, nach einem Regenschauer über uns, nach Blitz und Donner in der Ferne, dringen durch offene Zimmerfenster Gesprächfetzen in den Hotelhof, Jugendherbergsstimmung, aber mit erwachsener Klientel. Schließlich gibts Bier im Kuhlschrank neben der Rezeption, jeder schreibt auf, was er hatte und zahlt hinterher selbstständig. 

    Und beim Lauschen in die Stimmen im Hof immer der Versuch, aus dem Inhalt eine Antwort auf die Frage zu finden: Sind die, die da plaudern, so wie wir in etwas hinein geraten, oder teilen die anderen Gäste die weltanschaulichen Merkwürdigkeiten, die hier so aufdringlich zur Schau gestellt werden? Esoterik und Verschwörungsglaube… alle an Bord? Und wenn wir hier unser Geld lassen… dann unterstützen wir ja den Laden. Doof. Aber: Hätten wir weiter fahren sollen, bei 40 Grad, nach vier Stunden Anfahrt, weiter in eine noch ungefundene Herberge ohne Kanal und die Aussicht auf ein Bad? Es ergeht der Beschluss: Situation nicht optimal, aber: Entscheidung zu bleiben angesichts der Umstände vertretbar.

    Das Internet übrigens weiß: Der Verein, der laut Schild das Gelände nutzt, bietet allerlei an, von dem ich sagen würde: muss man dran glauben. Und selbst wenn man dran glaubt… das ist nichts für arme Leute. Neben Angeboten gemäß des Vereinsnamens Tri-Tra-Trullala „Malen mit Kartoffelsalat“ (Name geändert) gibt es für knapp 1.000 Euro drei Tage „Innere Einkehr mit Maulwürfen“ – mit „Maulwurfsbegegnungen auf Augenhöhe“. Eigener Maulwurf kann gegen Unterbringungsgebühr mitgebracht werden. (Aus Gründen der Anonymisierung verzichte ich auf Originalzitate und biete Ihnen stattdessen hier meine von der Realität abweichende Version dessen, was da so feilgeboten wird, aber das haben Sie auch so bemerkt, oder?)

    Und in Wahrheit ist auch das schon ein Vorgriff auf den kommenden Tag. Da erst googeln wir den Verein, während wir in schwäbischer Mundart befrühstückt werden. Schließlich werden wir mit Uff und Puuuuh und Ächz und Stöhn die Koffer und Taschen packen und in unterschiedliche Richtungen in den letzten Reisetag fahren. 

  • #Mopedtour2026 – Relax & Spa

    #Mopedtour2026 – Relax & Spa

    „Relax & Spa“ steht auf dem schiefen Holzschild, das jemand irgendwann an die Fertigbauholzhütte genagelt hat. Die steht gleich dreifach auf einem Einfamilienhausgrundstück im Wohngebiet. Auf einer gepflasterten Fläche. Und weil Pflastern teuer ist, ist da, wo keiner laufen soll, Basaltbruch verteilt. Nur eine gezielte Sprengung wäre geeigneter gewesen, ein Grundstück von allen Lebewesen zu befreien. Aber Sprengen ist teuer. Basaltbruch kostet weniger als ’n Zehner pro Quadratmeter. Und zack: alle Probleme gelöst. Nix Mähen, nix Gießen, nix angucken. Einfach alles hassen. Und: keine nervigen Tiere. Also: Bis auf die Wespen, die sich freuen, weil sie gern in Holzhütten auf Schotterflächen neue Nester bauen. Auch an der Hütte, vor der wir sitzen.

    Die Temperaturen sind im Juni bis an die 40° Marke gestiegen. Der Bahn schmelzen die Weichen. Deshalb weichen die Kunden. Straßen lösen sich auf. Menschen suchen Auswege aus der Hitze. In Deutschland. Im Juni. Die Nachrichten sind voll von Diskussionen über Hitzeschutzpläne, versiegelte Innenstädte ihre und nach Abkühlung lechzende Bewohner. Und wir sitzen auf dem Hot Stone von Elsterwerda und passen auf, nicht mit den vom Moped erhitzten Käsemauken den Boden zu berühren, um nicht unfreiwillig zu Raclette zu werden. Hier Zischgeräusch einfügen.

    Im Innern der Hütte pustet ein Ventilator mit Wassertank unermüdlich Luft um die Deko. Die Wölfe auf dem Wandtattoo heulen zufrieden ihre Binsenweisheit von Einsamkeit. Die Kunststofftischdecke weht wenig. Das „Live Love Laugh“ Dekoschild im Bad bleibt vom Ventilator ungekühlt.

    Wir packen ein Handtuch und die Badesachen ein und schlagen uns 500m durch den Wald, der zum Glück gerade mal nicht brennt, zum Grünen See durch. Irgendwer hat irgendwas gebaggert (Basaltschotter, vielleicht) und einen glasklaren See übrig gelassen. Wir haben den Weg nicht gefunden, und sind mit Wanderflipflops bzw Barfußschuhen (eins davon ist ein Paradoxon, bitte selbst aussuchen) Hänge runter geklettert, die denen am Gipfel mit Zipfel in nichts nachstanden. Um in diesen See zu steigen, hätte ich Vieles getan. Auch auf dem Po irgendwo runter rutschen, barfuß, weil selbst Wanderflipflops ab einem gewissen Gefälle der Flipflopbänderriss droht. Und weil barfuß egal ist, weil man ja sauber wird, im Grünen See. und der Dreck, der wird sich schon absetzen.

    Uns Absetzen ist dann gar nicht so einfach, denn die Fläche am Einstieg ist klein. Die jungen Leute (haha, das impliziert, dass wir die alten Leute waren… aber… wir waren halt die alten Leute, also… warum eigentlich das Haha?) in Hörweite sind zum Glück welche von den Guten. Es wird geturtelt und im See Handstand gemacht, während wir ein bisschen nach hier und ein bisschen nach da paddeln und auf dem Wasser liegen, wie schlafende Otter, bis uns irgendwann die Haut in den Fingern schrumpelt und oben, im Wald, noch mehr Leute zu hören sind, die nicht klingen wie welchen von den Guten. „Ich schwör“. Also Rückweg, Berg hoch, aber mit dem Weg, der hier vorhin schon war, bloß nicht zu sehen, und dann hoffen, dass die Flipflops nicht festpappen am Pflaster, und dass der Ventilator die Wölfe gut runtergekühlt hat.

    Ich nehme den Gedanken mit, dass auch rund um meine Terrasse was passieren muss, in den nächsten Jahren, weil… es ist zwar kein Basaltbruch, aber eben Zierkies. Und „Zier“ ist gestrunzt. Und es ist zwar keine solche Fläche, aber eben auch tot. Und da muss ich was ändern. Solange könnte ich ja schon mal ein Schild aufhängen, das alles ein bisschen aufhübscht. „Relax & Spa“ – das wär doch was?!

  • #Mopedtour2026 – ins tschechische Skigebiet

    #Mopedtour2026 – ins tschechische Skigebiet

    Eigentlich müsste ich das von gestern heute noch tippen, denn morgen ist das schon vorgestern – dachte ich gestern. Tippe aber doch erst heute. Fasse deshalb einfach gestern und vorgestern zusammen. Gilt beides als Anreise ins tschechische Skigebiet und ist deshalb regelkonform. Habe ich beschlossen.

    Wer aus Deutschland nach Polen fährt und kurz hinter Schwedt rechts abbiegt, ist bis Cedynia nur durch die immer gleichen Wälder gefahren. Die sind weit. Die Straßen dagegen sind schmal, und je nachdem, ob am Rand ein Schild steht, auf dem Polen verkündet, diese Straße bereits saniert zu haben, sind sie über viele, viele Kilometer wie ein edler Asphaltteppich ohne jede Naht oder mehr weniger löchrig, aber ok. Als wir aus Cedynia am Morgen wieder in diese Wälder abbiegen, kennen wir das Polen- Prozedere schon von gestern. Es geht weitestgehend geradeaus, manchmal wenig schlängelig, auf 1 1/2 Fahrzeugbreiten durch Fichtenforste, dann wieder ein Dorf, ein Supermarkt mit lustigem Tiernamen, wahlweise Marienkäfer oder Dino, dann machen eine Pause im Wald, in unserem Fall an einer Abzweigung mit Pavillon, in dem Thom nach einer Sekunde Banksitzen von einer Wespe in den Finger gestochen wird und fluchend wieder aufsteht. Zack, folgt wie zur Ablenkung der Auftritt des nächsten Dorfverrückten. Der ist mit dem E-Bike aus einem der Häuser an einem der kleinen Seen hier her geradelt, um auf das Bäckerauto zu warten, von der er gar nicht weiß, ob es überhaupt kommt. Aber er hofft einfach und will warten. Er hat also Zeit, uns eine Managementzusammefassung seiner Lebensgeschichte präsentiert, die ungefähr so geht, dass ein polnischer Maler mit Job in Berlin ein halbes Haus hier in der Knüste am See gekauft hat, weil in Berlin der Verkehr und die Menschen… und in Dortmund hat er auch mal gearbeitet. Und jetzt: Polnischs Dorf. Und hier und da ein See. Und Warten aufs Bäckerauto.

    Hätten wir geahnt, dass uns am nächsten Dinomarkt ein fremdsprachlich weniger kompetenter aber gleich mehrmals so mitteilsamer dorfverrückter Rollerfahrer blüht, hätte ich mir gern noch mehr Details aus dem Berliner Anstreicherleben berichten lassen. Am Dino wurden von einem nicht weniger redseligen Rentner (so vermute ich) unsere Mopeds gelobt. BMW gut. Motorrad gut. Motor gut. Ansonsten Monologe. Mutmaßlich freundlich, aber eben: Polnisch. Wir grinsen höflich und ich lenke Thoms Aufmerksamkeit auf die frisch an seinem Motorrad festgeklemmte Kamera, was unseren neuen Freund aber nicht davon abhält, uns permanent weiter von der Seite auf polnischzu betexten. Nix wie weg hier. Do widzenia, Rollerentner, wir müssen weiter.

    Die folgenden Kilometer ärgert uns das Kamera- Setup und trennt Immerzu unsere Bluetooth-Helm-Verbindung. Vielleicht hätte ich zu dem Dinodorfverrückten doch ein wenig netter sein sollen, dann hätte ich jetzt kein Kamerakarmaproblem.

    In Zagan suchen wir Hausnummer 13/9, das sich in Hausnummer 9 befinden soll, laut Karte aber in Hausnummer 13 sein muss. Thom hat den richtigen Riecher im Neubaublock und findet auf Anhieb die Ferienwohnung. Dritter Stock, Wandtattoo mit Stalag-Motiv und einem Fernseher, der uns kein WM schauen lässt, weil wir ARD und ZDF nicht finden und die Mediathek via Geoblogging Motorradtouristen vom Livestream ausschließt. Irgendwas dudelt auf Youtube, wir dudeln zum Dönermann und entscheiden uns, genau wie der Kollege der polnischen Polizei, für eine Kebab Box. Grundsätzlich würde ich gern mal einen Kollegen ansprechen. Aber sicher keinen, der gerade was zu Essen holt. Dass er das hier tut, macht uns Mut. Und die Box, serviert in der Box mit der Aufschrift „Döner-Box – Guten Appetit“ enttäuscht auch nicht.

    Der Abend endet früh. Am Fernsehen scheitern wir bis zum Schluss.

    Morgens schlörren wir die Sachen wieder durchs karge Neubautreppenhaus, sperren hinter uns ab und sitzen auf, um die 145km in Richtung Berichov zu fahren. Nicht nur das Wetter, auch die Kurvenhaftigkeit der Gegend macht, dass wir ein Skigebiet für eine gute Idee halten. Vor dem Grenzübertritt habe ich die Kamera parat. Statt eines tschechischen Grenzers spielt hier allerdings nur ein kleiner Junge am Rand der kleinen Dorfstraße. Dass wir in Tschechien sind, verraten und das obligatorische Geschwindigkeitsschild, die anders aussehenden Verkehrszeichen und das Handy mit den Roaming Infos. Is ja schon was Feines, diese Reisefreiheit.

    Hinter ein paar netten Kurven, die meist durch Dörfchen führen, erreichen wir dann Berichov. Das ist, sagt jedenfalls ChatGPT, im Isergebirge. Wer das nicht kennt, stellt sich sowas wie den Harz vor, nur mit lebendigem Wald und ohne Brockenbahn. Dafür mit ein paar Stauseen, tschechischen Preisen, schmalen, toll ausgebauten Straßen und… mehr Tschechen. Aber auch insgesamt ist es hier deutlich besiedelter und betriebsamer als zwischen Bad Harzburg und Wernigerode. Vielleicht hätte man die Orte dazwischen damals einfach nicht Elend und Sorge nennen sollen, sondern wir hier: Hût oder eben Berichov.

    Wir entscheiden uns für einen späten Mittagssnack an einem frisch renovierten Marktplatz in Neustadt an der Tafelfichte. Tschechen sagen Nové Mesto pod Smrkem – aber die lassen dann die Tafel in der Fichte weg, und die will ich euch natürlich nicht unterschlagen. Nicht unterschlagen will ich auch die leckere Suppe, die uns am Fuße der Tafelfichte serviert wird, die übrigens ein Berg und kein Baum ist, also die Tafelfichte, nicht die Suppe… die ist lecker. Jedenfalls schaffe ich es dann nach dem Aufsteigen mit Kartoffelsuppe im Bauch, auf absolut geradem Grund beim Zurückklappen des Seitenständers, mein Moped nach 15500km und vier Jahren das allererste Mal auf die Seite zu legen. Ich behaupte, „Hilfe! Thom!“ rufend (ja, ich hatte die etwas übersteigerte Hoffnung, der Mitreisende hätte drei Meter lange Arme auszufahren, die das Moped noch hätten gerade halten können…) in Zeitlupe eine Art langsame Bauchlandung zu meiner Rechten gemacht zu haben. Der Augenzeuge behauptet, ich sei in einem mehr oder wenigen hohen Bogen über mein Motorad hinweg abgerollt. Beim Aufstellen immerhin die Erkenntnis: bis auf eine Schramme am Koffer, eine am Ego und einen blauen Flecken am Oberschenkel nix passiert. Wenn jemand die Szene nachstellen und mit mir auf Fehlersuche gehen möchte, stelle ich das Ganze nicht weniger behände gerne nach, verlange aber, aus Gründen der Exaktheit, eine Portion tschechische Kartoffelsuppe und einen Statisten, der bis mindestens an die polnische Grenze nach Knoblauch riecht.

    Mit zum Glück nur kleinem Schrecken fahren wir die letzten Kilometer und ich bin froh, bis zum Einchecken in Berichov nicht noch mal Losfahren und den Seitenständen einklappen zu müssen. Einfach, weil ich bis jetzt noch nicht verstanden habe, wie das Malheur zustandekam. Bevor wir einchecken, trinken in der der Ferienwohnungsvermietung angeschlossenen Pizzeria einen Kaffee und sind froh, die Etappe heute vergleichsweise kurz gewählt zu haben. Denn auch im tschechischen Skigebiet stehen uns ein paar sommerliche Tage bevor. Und da muss man ja Reserven haben.

  • #Mopedtour2026 – See. Endlich.

    #Mopedtour2026 – See. Endlich.

    Ach, Mecklenburg. Jetzt hast du uns zwei Wochen lang mit allen Mitteln von oben mit Wasser beworfen und damit erfolgreich verhindert, Dass wir Lust haben, uns selbst in irgendeins deiner Gewässer zu begeben. Und am letzten Tag vor Tinas und Peters Abreise schwenkst du dann von Regen auf Hitze?! Bisschen spät, um ehrlich zu sein. Aber: immerhin. Immerhin konnte Peter noch ein See stechen, von Liegeplatz 36 aus, wie er es seit der Anreise vorhatte. Und immerhin konnte ich mich auf die Wassermatte legen und Mecklenburger Rentnerinnen ein bisschen neidisch machen, die immer mal wieder an mir vorbei schwommen. Aber warum du uns da hast zwei lange Wochen hast drauf warten lassen, das wüsste ich ja schon gern.

    Inzwischen haben wir das Haus geräumt, Peter ist früh losgefahren, den Gewittern entgegen, und Tina und ich haben das Wetter ausgesessen. Und als wir die letzten Sachen raus trugen, um 10:05h, stand das Reinigungsteam schon in den Startlöchern, hatte aber jedes Verständnis, dass wir DIESES Wetter noch im Trockenen abwarten wollten. Danke!

    Tina ist jetzt sicher schon hinter Hamburg, Peter trocknet hoffentlich gerade und ich sitze in der Seewarte und vertreibe mir die Zeit bis zum Einchecken in mein Zimmer für die nächsten zwei Nächte mit euch hier. Und mit der Zeitung und dem Blick auf den See. Und der Hoffnung, dass wir in den nächsten Tagen alle gut durch die Hitze und die Gewitter kommen.

  • #Mopedtour2026 – noch immer Dümmer

    #Mopedtour2026 – noch immer Dümmer

    In einem Dorf wie Dümmer passiert im Urlaub relativ genau das, was man von einem Dorfurlaub in Dümmer erwarten darf. Wenig. Es gibt einen Bäcker, eine Freiwillige Feuerwehr, eine Kita und ein Haus, in das über Jahre Handwerker auf der Walz Arbeitsstunden im Wert von etwa 300.000 Euro gesteckt haben, und das ihnen im Gegenzug als Unterkunft dienen soll. Und es gibt einen See mit Stegen und Badestellen hier und da, der uns aber in den ersten Tagen nur grau und griesgrämig angeguckt und so bedrohlich geschwappt hat, dass wird aus gutem Grund darauf verzichtet haben, das zum Ferienhaus gehörende Ruderboot von Liegeplatz 36 loszumachen um auf einer Insel im See einen bereits gerätselten Geocache zu heben. Außerdem weigert sich Peter so beharrlich, mit sein Kapitänspatent zu zeigen, dass ich langsam befürchte, er hat vielleicht keins.

    Rund um Dümmer waren wir einkaufen, ein wenig Mopedfahren und haben am Ufer des Schweriner Sees das Schloss Willigrad besucht, dass sich allerdings im Moment mit einem Bauzaun und Überwachungskameras wirksam gegen Besucher zur Wehr setzt. Die Kaisertreppe bis zum See haben wir nach halber Hügelhöhe verlassen, einen Blick über den inzwischen in der Sonne funkelnden Schweriner See gewagt und sind dann Peter wieder in Richtung Motorradparkplatz gefolgt. Der konnte zwar noch nicht wissen, dass er am nächsten Stopp eine Currywurst würde essen können, schien aber, der Geschwindigkeit auf dem Weg zum Moped zurück nach zu urteilen, eine innere Ahnung zu verspüren.

    Zwischen Biergarten am Paulsdamm und Biergarten beim Griechen in Mueß lagen ein paar Kurven, die mich nach Mestlin und Tina und Peter nach Boltenhagen führten. Eis und Griechen in Mueß kann ich also von der Urlaubsliste abhaken. Die Mitreisenden waren allerdings vom Ausflug gen Norden so geschafft, dass sie auf den Abstecher zum Griechen lieber verzichteten. Umso besser, dass der Grieche in der Schweriner Einflugschneise liegt, wenn man aus Richtung Mestlin kommt. So konnte ich Tisch (aber nicht Gyros) noch spontan mit einem Schweriner teilen.

    Auf der Liste stehen jetzt noch ein Geocache (vielleicht der auf der einsamen Dümmerseeinsel?!), ein Besuch im Zoo, das Freilichtmuseum, ein Bad im See (das war bisher ohne Neopren wirklich nicht drin) und die nie zu unterschätzende Aktivität, irgendwo runter zu gucken. Der Zoo sollte morgen abzuhaken sein. Alles weitere wird sich auch noch ergeben. Noch hab ich ja ein wenig Zeit.

  • #Mopedtour2026 – Dümmer

    #Mopedtour2026 – Dümmer

    Als wir am Morgen Schwerin verlassen, um nach Dümmer aufs Dorf weiterzuziehen, passiert das Unglaubliche: Ich bin nicht die Letzte, die mit Packen und Aufsatteln fertig ist. Das hätte einerseits daran liegen können, dass ich einfach unfassbar geschickt und effizient packe – Vielleicht ist der Grund aber auch, dass Tina und Peter ihr Auto bis Unterkante Ladeklappe vollpacken müssen, bevor mit Ach und Krach die Türen saugend und schmatzend schließen. Als Tina selbstbewusst darauf hinweist, aber: „wirklich kein‘ Killefitt“ an Bord zu haben verweise ich zwinkernd auf die drei Flaschenkühler, die vier Gewürzmischungen und die elektrische Fliegenklatsche. Argumente, die Tina nicht gelten lässt. Alles nützlich, sagt sie, und knobelt die Tasche mit den Einkäufen für die nächsten vier Wochen hinter die Sitzbank. Das arme kleine Auto…

    Wir gurken, immer skeptisch das Regenradar im Blick, an unserem nächsten und allzu nahen Reisestopp in Dümmer vorbei bis nach Zarrentin am Schalsee, wo wir zwei bis drei heftige Schauer in einem ganz schönen Café aussitzen. Die anderen zwei bis drei Schauer haben wir bereits auf dem Weg nach Zarrentin ausgesessen, aber das lässt sich in dem, was Mecklenburg uns hier dieses Jahr als Sommer verkauft, leider nicht vermeiden.

    Was mir rund um die Schauer durch den Kopf gegangen ist, wie die Frage aufkam, ob Mecklenburgische Landstraßenobstalleen einen Namen haben und wie viele Stadtalarme wir in Zarrentin ausge… ach nee, gehört haben, seht ihr im heutigen Reisevideo. Denkt dran, ich übe noch…

  • #Mopedtour2026 – OKF in MV

    #Mopedtour2026 – OKF in MV

    Die Mitreisenden hängen durch. Vielleicht waren es die Pilze. Ich tippe eher auf die braunen Haribo-Klötze, halte mich mit Essensthemen aber zurück. Kommt sicher nicht so gut an, hier als einzige nicht durchhängende Person schlauzuschwätzen. Stattdessen vertreibe ich mir den Tag mit einer Mopedrunde. Mission: Geocaches abklappern, die vom Owner nicht so oft abgeklappert werden, und einmal durchfeudeln. Und dem Owner sagen, er kann‘s als Wartung verbuchen. Man braucht ja ein Mopedziel. Bzw. drei, in meinem Fall.

    Um ein bisschen mit der noch recht neuen Kamera zu üben nehme ich euch ausnahmsweise mal als Video mit. Wer die Zeit hat oder sich nehmen möchte, ist herzlich eingeladen, sich den Bumms in Bewegtbild anzuschauen.

    Für alle anderen hier die Managementzusammenfassung: Gegurke, Stopp am Großsteingrab, evtl. Entsorgen im Gebüsch (kein Videobeweis), Schlüssel nicht verloren aber dennoch wiedergefunden, kurz im Gestrüpp verfangen, irgendwas mit Warnow, dann Musik, die nicht passt, dann irgendwas mit Bauarbeitern, noch n Cache, Wetter wird wild, Rückkehr mit ungefähr 1-2mal Verfahren im Wohngebiet. Fertig.

    Wer jetzt noch will: Viel Spaß beim Gucken.

  • #Mopedtour2026 – Wismar

    #Mopedtour2026 – Wismar

    Pommes!“ – antwortet Tina blitzschnell auf Peters Frage, ob es denn wenigstens eine Belohnung gibt, wenn man einen Labcache fertig hat. Er fragt natürlich nicht nach einem Labcache, er fragt, was man bekommt, wenn man „das hier“ fertig hat. Vermutlich meint er mit „das“ aber sowas wie „das sinnlose Gelatsche“ – er sagt es bloß freundlich. Danke dafür an dieser Stelle. Wir arbeiten uns am Wasserdings auf dem Marktplatz vorbei zu einer Kirche, die mir weniger in Erinnerung bleiben wird als die Brücke davor, deren Pfeiler jeweils von einem Bronzeschwein besetzt werden. Wissende Vorbeigehende kraulen, je nach Schweinchenposition, kurz Bauch oder Ohr, ehe sie ihren Weg fortsetzen. Auf der Suche nach der Sage, derentwegen hier Schweinebäuche auf Hochglanz geschubbert werden, stoße ich auf das Baujahr der Brücke. 1994. Entweder ich bin so alt, dass ich schon 11 war, als Sagen entstanden, oder der Schweinebrückensouvenirladenbesitzer schräg gegenüber hat wirklich ein erschreckend gutes Marketing. In jedem Fall hat er 2,50 Euro mehr im Sparschein. Ich habe einen Schweinepridemagneten gekauft.

    Mit zwei Kugeln Eis im Bauch, Schweinemagnet in der Tasche und gelöstem Labcache im Handy gehen wir nach einer netten Runde durch Altstadt und Hafen zum Auto zurück. Die beim Blick aufs Regenradar entstandene Idee, dem Wetter in Richtung Norden auszuweichen, weil Petrus offenbar beschlossen hat, den Schweriner See heute mal ordentlich aufzufüllen, ist absolut aufgegangen.

    Am Abend brausen (bzw. E-Biken) wir dann am Schloss vorbei in Richtung Pommes. Dazu soll es ein Schnitzel werden, in das ein Schweriner Schnitzelbräter zu Peters Zufriedenheit Chorizo und Käse gefüllt hat. Tina und ich entscheiden uns für Burger und Pommes. Die Bedienung entscheidet sich, Tinas zweites Getränk erst zur Rechnung zu servieren und anschließend entscheiden wir uns, noch kurz am Marktplatz vorbei zu brausen, wo ein Sänger sich dazu entschieden hat, sich die Bühne mit einem lebensgroßen Einhorn und einem Hahn zu teilen. Welche abendliche Entscheidung die verrückteste war, bemisst bitte jeder und jede von euch für sich.

    Das ist dann auch der Zeitpunkt, an dem wir den Rückzug antreten. Am Schloss ist schon die Kitschbeleuchtung an, über dem See verziehen sich die letzten freundlichen Wolken des Tages. Wir setzen uns (warum auch immer) statt aufs Sofa auch heute Abend wieder an den Esstisch der Ferienwohnung, über dem die dimmbare Lampe alle paar Minuten langsam aber stetig eigenständig zu dimmen beginnt. Also: aus geht. Vielleicht ein Zeichen, dass auch wir diesen Tag langsam beenden sollten.

    Gestern übrigens lief der Tag recht ähnlich ab. Allerdings war der Ausflug nach Wismar da ein Ausflug nach Schwerin, anstelle von Schnitzel und der Burger befanden sich auf dem Ferienwohnungstisch die Reste des unsterblichen Nudelsalates und als die Lampe friedlich in den selbstbestimmten Feierabend überging, zockte mich Tina im Schummerlicht mehrfach knapp in Rummikub ab, während wir uns nicht sicher waren, ob Peters Actionfilm nebendran evtl morgen (das ist heute) zu Schlagzeilen á la: „Heftige Explosionen in Ostorf – Rummikubpartie wegen starker Erschütterungen mehrmals unterbrochen. Keine Schweriner unter den Opfern“ führen würde. Ich habe mich nicht getraut, in die Zeitung zu schauen, aber wer auch immer bschlossen hat, dass Actionszenen die etwa 24fache Lautstärke des übrigen Films haben, dem möge fortan das Kopfkissen immer auf beiden Seiten warm und die Ärmelbündchen immer ein wenig feucht sein.

  • #Mopedtour2026 – Dinkel in Schwerin

    #Mopedtour2026 – Dinkel in Schwerin

    Heute: Schwerin. Nachdem gestern auf dem Weg zum Einkaufen nur ein mühsamer Blick aus dem Autofenster in Richtung Schlosspark drin war, wollen wir heute auch das Schloss sehen. Wir, das sind zwei Schweriner Erstbesuchende und ich, die gerade überlegt, wie oft sie schon am See entlang in Richtung Schloss geradelt sein mag. Das Handy weiß es vermutlich. Und ältere Lesende auch. Ich scheitere daran, die Kurzbesuche mitgerechnet, die Schlossblicke an einer Hand abzuzählen. Einmal dachte ich ja, ich sei fertig mit diesem großen Dorf. Aber man muss auch einsehen, wenn man sich getäuscht hat. Hatte ich offenbar damals. Denn auch heute freue ich mich, als zwischen den Bäumen des Schlossparks vor grauem Himmel die goldenen Spitzen erscheinen. Wenn jetzt auch noch die Sonne rauskäme, ich wäre fast ein bisschen sauer, wie hübsch das alles schon wieder ist. Aber dass ich aus irgendwelchen Gründen dieses See-Schloss-Park-Museums-Fuzo-Marstall-Noch-N-See-Waffel-Noch-N-See-Ensemble (Einheimische lesen das bitte laut vor) auch bei Regen nicht hässlich finden kann, hatte ich ja vor Jahren schon hier festgestellt.

    Wir gehen einen Runde an der Schwimmenden Wiese vorbei zum Schloss, haben auch beim Spaziergang drumrum sogar das Glück, trocken zu bleiben und schaffen es mit nur einem kleinen Schauer bis zu einem Café mit Waffeln, die sich zu Peters Erschüttern in der Karte als zucker-und weizenfrei herausstellen. Ist das überhaupt erlaubt? Regen, Dinkel… was noch, Schwerin? Was noch? Auch bei Tina kommt die fluffige Dinkelhaftigkeit des Gebäcks nur begrenzt an. Ich vermute allerdings, wer sich eine Waffel mit Rhabarber bestellt und im Übrigen die fiesen eckigen braunen Klötze aus der Haribo-Colorado-Mischung am liebsten mag, sollte mit Urteilen über den Geschmack von Süßspeisen eher zurückhaltend sein. Aber da mag ich auf Widerspruch stoßen…

    Ich versuche, die Neubesucher auf dem Rückweg zur Ferienwohnung mit einem Blick von Adebors Näs über den Schweriner See wieder auf meine Seite zu bringen. Adebors Näs dürfte, wenn ich nicht ganz falsch liege, sowas wie „Storchenschnabel“ bedeuten. Jedenfalls führt hier, ein ganzes Stück vom Schloss entfernt, ein langer schmaler Holzsteg über moorigen Boden durch hohe Ufergräser ans Wasser und man kann, wenn nicht gerade Sonntag ist und da Menschen sind, eigentlich ganz nett sitzen und gucken. Aber Sitzen und Gucken ist hier heute offenbar nicht gefragt, denn erstens ist Sonntag und hier sind Menschen und zweitens gucken die die Gräser hier nicht nur an sondern konsumieren auch welche, was beim Sitzen und Gucken zu einer gewissen Geruchsbelästigung zum Nachteil der Mitreisenden geführt hätte. Bei der anschließenden Diskussion merke ich an, dass Kiffer im Gegensatz zu Trinkern nach meiner Erfahrung immerhin am Ende des Tags friedlich ihrer Wege ziehen und man, was den Job angeht, erstmal keinen Ärger und mehr oder weniger neuerdings ja auch sonst keine Baustelle mehr hat, kommen wir auf keinen grünen Zweig. Immerhin schaffen wir es aber trotz Adebors Umweg noch trocken in die Ferienwohnung zurück.

    Tina zieht mir beim Monopoly Deal die Millionen aus der Tasche. Ich ergebe mich meinem Schicksal, zahle bis zum Bankrott und tröste mich mit dem Gedanken, gleich eine unvernünftig große Portion Nudelsalat von gestern zu essen.

    Als Peter anschließend versucht, mich argumentativ mit der Qualität einer Netflixserie zu überzeugen gelingt es mir zwar nicht, ihm plausibel zu erklären, dass mit mir keine Folge zu gucken sein wird, ich werde aus dem Thema aber irgendwann an mein iPad entlassen. Wer auch immer schon versucht hat, mit mir zusammen Fiction außerhalb von Comedy und oder einem Tatort zu gucken, wird wissen, dass mein Griff zum iPad für Alle das Beste war. Außerdem hab ich das Ende der Serie, die jetzt gerade in diesem Moment schräg neben mir läuft, schon lange gegoogelt. Die Zeit, das zu gucken könnten die Beiden sich demnach eigentlich sparen. Wartet, ich rufe kurz rüber… „Samma: Wisst ihr eigentlich, was die in der Seniorenresidenz wirklich ge…“ – ah, nee, vielleicht lieber nicht… Wer die braunen Hariboklötze mag, dem ist schließlich alles zuzutrauen…