Die zweite Etappe auf dem Weg in Richtung Schwerin wird ein wenig kürzer. Entsprechend entspannt kann der Tag bei einem Hotelfrühstück starten, dass wir sogar fast draußen in der Sonne gegessen hätten, denn im Gegensatz zu gestern guckt heute keine Wolke grimmig auf uns runter.
Ich tippe auf der Hotelterrasse zwischen Kloster und Hochzeitsgesellschaft den ersten Text, klemme die Taschen ans Moped und natürlich brauchen wir auch an Tag zwei gute 15 Minuten, um die Helme miteinander zu verbinden. Nach einigen Neustarts beider Helme und der dazugehörigen Apps stellt sich raus, dass es an der Insta360 liegt, die die Verbindung zum Helm wohl gern exklusiv für sich hätte. Irgendwann läufts dann. Die Sprachqualiät allerdings erinnert heute gewaltig an eine Deutsche Bahn Durchsage aus den 90ern. Bzw. ehrlicherweise: eher an einen durchfahrenden Güterzug. Wir leben damit. Was bleibt uns übrig…
Zum auch heute natürlich pflichtgemäß geplanten Zwischenstopp treffen wir Tina unmittelbar nach der Überquerung der Elbe in Dömitz. In der Sonne erreicht uns hier das erste Softeis der Reise. Es wird nicht das letzte sein, hoffe ich. Auch wenn ich nicht der größte „DDR Softeis“ Fan bin, gehört es zu einem Ausflug nach MV irgendwie dazu, wenn man die Touristenpflichten halbwegs ernst nimmt.
An der Ferienwohnung im Viertel der Besserverdienenden parken wir die Mopeds im Carport zwischen zwei Mercedes und einem SUP Board und Tina hat dem Vermieter inzwischen auch wieder verziehen, dass er ihr jovial angeboten hatte, mal eben ihr Auto rückwärts für sie in die Einfahrt zu bugsieren. Das Gesicht und die sicherlich na-hömma-mäßig in die Hüften gestemmten Arme hätte ich gern gesehen. Er scheint verstanden zu haben und erklärt kurz darauf seiner Frau, dass es entgegen ihrer Vermtung gar nicht nötig sei, den Hof großflächig frei zu machen, Tina kriege das mit dem rückwärtsfahren sicher hin. Habe sie ja auch eben schon.
Anschließend erklärt uns der Herr des Hauses alles bis zur kleinsten Gewürzschublade (von der ich seit dem Autofahr-Mansplaining-Move gar nicht mehr so sicher bin, ob er sie vor seinem Auszug aus der jetzigen Ferienwohnung je von innen gesehen hat… und schickt, obwohl ich mehrmals drauf hingewiesen habe, dort schon mehrmals vorbeigeradelt zu sein als ich in Raben Steinfeld mein Campingquartier mit dem Bulli aufgeschlagen hatte, eine Anfahrtsbeschreibung zum Strand in Zippendorf. Streng genommen kann man da nicht viel falschmachen, solange man Schwerins größten See findet und es dann schafft, nicht rein- sondern rechterhand dran längs zu radeln. Aber mit einem Hinweis eines Schweriners wird es gleich noch einfacher sein…
Den Weg zum Einkauf erklärt er uns natürlich auch. Mit dem Fahrrad. Wir allerdings fahren mit dem Auto hin. Der Einkauf selbst eskaliert komplett. Und zu den vier Packungen Müsliriegel, die Tina eh angeschleppt hatte, kommt noch ein Einkaufswagen voller Sachen, die wir zu einem Nudelsalat in Mannschaftsgröße verarbeiten. Dagegen, dass wir also die nächsten Tage einen Bottich Nudelsalat im Kühlschrank haben werden, kann auch der Schweriner aus der Nachbarschaft, der am Abend noch zu Besuch kommt, nichts ausrichten.
Im Gegensatz zum Vermieter erzählt er uns über seine Heimat Dinge, die gerade thematisch passend, hilfreich und interessant sind. Danach halte ich tapfer bei der zweiten Halbzeit des letzten deutschen WM-Testspiels meine müden Augen offen. Angesichts der Bildqualität und der Trikots hätte es auch die WM 1994 sein können. Allein daran, dass zwischendurch kein Schmählied über Berti lief und dass nirgends ein ausgewechselter Spieler einen Mittelfinger zeigte, war zu erkennen, dass es evtl doch nicht die olle Kamelle von damals war. Angst vor Jordan Letschkow muss also dieses Jahr hoffentlich niemand haben…



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