Heute: Schwerin. Nachdem gestern auf dem Weg zum Einkaufen nur ein mühsamer Blick aus dem Autofenster in Richtung Schlosspark drin war, wollen wir heute auch das Schloss sehen. Wir, das sind zwei Schweriner Erstbesuchende und ich, die gerade überlegt, wie oft sie schon am See entlang in Richtung Schloss geradelt sein mag. Das Handy weiß es vermutlich. Und ältere Lesende auch. Ich scheitere daran, die Kurzbesuche mitgerechnet, die Schlossblicke an einer Hand abzuzählen. Einmal dachte ich ja, ich sei fertig mit diesem großen Dorf. Aber man muss auch einsehen, wenn man sich getäuscht hat. Hatte ich offenbar damals. Denn auch heute freue ich mich, als zwischen den Bäumen des Schlossparks vor grauem Himmel die goldenen Spitzen erscheinen. Wenn jetzt auch noch die Sonne rauskäme, ich wäre fast ein bisschen sauer, wie hübsch das alles schon wieder ist. Aber dass ich aus irgendwelchen Gründen dieses See-Schloss-Park-Museums-Fuzo-Marstall-Noch-N-See-Waffel-Noch-N-See-Ensemble (Einheimische lesen das bitte laut vor) auch bei Regen nicht hässlich finden kann, hatte ich ja vor Jahren schon hier festgestellt.
Wir gehen einen Runde an der Schwimmenden Wiese vorbei zum Schloss, haben auch beim Spaziergang drumrum sogar das Glück, trocken zu bleiben und schaffen es mit nur einem kleinen Schauer bis zu einem Café mit Waffeln, die sich zu Peters Erschüttern in der Karte als zucker-und weizenfrei herausstellen. Ist das überhaupt erlaubt? Regen, Dinkel… was noch, Schwerin? Was noch? Auch bei Tina kommt die fluffige Dinkelhaftigkeit des Gebäcks nur begrenzt an. Ich vermute allerdings, wer sich eine Waffel mit Rhabarber bestellt und im Übrigen die fiesen eckigen braunen Klötze aus der Haribo-Colorado-Mischung am liebsten mag, sollte mit Urteilen über den Geschmack von Süßspeisen eher zurückhaltend sein. Aber da mag ich auf Widerspruch stoßen…
Ich versuche, die Neubesucher auf dem Rückweg zur Ferienwohnung mit einem Blick von Adebors Näs über den Schweriner See wieder auf meine Seite zu bringen. Adebors Näs dürfte, wenn ich nicht ganz falsch liege, sowas wie „Storchenschnabel“ bedeuten. Jedenfalls führt hier, ein ganzes Stück vom Schloss entfernt, ein langer schmaler Hozsteg über moorigen Boden durch hohe Ufergräser ans Wasser und man kann, wenn nicht gerade Sonntag ist und da Menschen sind, eigentlich ganz nett sitzen und gucken. Aber Sitzen und Gucken ist hier heute offenbar nicht gefragt, denn erstens ist Sonntag und hier sind Menschen und zweitens gucken die die Gräser hier nicht nur an sondern konsumieren auch welche, was beim Sitzen und Gucken zu einer gewissen Geruchsbelästigung zum Nachteil der Mitreisenden geführt hätte. Bei der anschließenden Diskussion merke ich an, dass Kiffer im Gegensatz zu Trinkern nach meiner Erfahrung immerhin am Ende des Tags friedlich ihrer Wege ziehen und man, was den Job angeht, erstmal keinen Ärger und mehr oder niger neuerdings ja auch sonst keine Baustelle mehr hat, kommen wir auf keinen grünen Zweig. Immerhin schaffen wir es aber trotz Adebors Umweg noch trocken in die Ferienwohnung zurück.
Tina zieht mir beim Monopoly Deal die Millionen aus der Tasche. Ich ergebe mich meinem Schicksal, zahle bis zum Bankrott und tröste mich mit dem Gedanken, gleich eine unvernünftig große Portion Nudelsalat von gestern zu essen.
Als Peter anschließend versucht, mich argumentativ mit der Qualität einer Netflixserie zu überzeugen gelingt es mir zwar nicht, ihm plausibel zu erklären, dass mit mir keine Folge zu gucken sein wird, ich werde aus dem Thema aber irgendwann an mein iPad entlassen. Wer auch immer schon versucht hat, mit mir zusammen Fiction außerhalb von Comedy und oder einem Tatort zu gucken, wird wissen, dass mein Griff zum iPad für Alle das Beste war. Außerdem hab ich das Ende der Serie, die jetzt gerade in diesem Moment schräg neben mir läuft, schon lange gegoogelt. Die Zeit, das zu gucken könnten die Beiden sich demnach eigentlich sparen. Wartet, ich rufe kurz rüber… „Samma: Wisst ihr eigentlich, was die in der Seniorenresidenz wirklich ge…“ – ah, nee, vielleicht lieber nicht… Wer die braunen Hariboklötze mag, dem ist schließlich alles zuzutrauen…







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