„Oh. Hattest du ne Panne?“ – ist angesichts meiner gelben Leuchtweste Peters erste Frage, als er hinter mir anhält und den Helm abnimmt. „Haa-Haa.“ denke ich. Und sage es vielleicht auch. Je nachdem, was das Wetter in den nächsten Stunden mit uns vorhat ist es mir allerdings lieber, weird zu leuchten und vielleicht in letzter Sekunde gesehen zu werden als nicht zu leuchten und weird in irgendeiner Einmündung zu liegen. Außerdem sehe ich die Weste ja als Einzige nicht. Glück für mich.
Als wir nach nur ungefähr 37 erfolglosen Versuchen dann irgendwann unsere Helme miteinander verbunden haben schnaube ich das erste: „Öff!“ ins Interkom, klettere aufs Motorrad und wir biegen ab, in Richtung Hagen. Gar nicht mal so schön hier. Das Navi lotst uns durch Haspe und am Bahnhof vorbei durch Wehringhausen, als wollte es uns noch überzeugen, wirklich hier weg zu fahren. Machen wir doch eh. Die Abstände zwischen den Ampeln werden länger. Die Autos werden teurer, die Landschaft weiter. Wir verlassen bekannte Ecken und Landkreise und gurken, immer mal wieder den Blick kritisch auf die griesgrämigen Wolken über uns gerichtet, in recht gerader Linie nach Nordosten. An einem Café legen wir einen Stopp ein, wie es das Motorradreisegesetz vorsieht, dann machen wir wieder ein bisschen Meter und beschließen, auch wie es das Gesetz will, dass wir gleich aber wirklich noch mal kurz absteigen. Gleich, wenn sich ein Spot anbietet. Und der kommt natürlich nicht. Und wir fahren einfach, bis auf einen Tankstopp, durch. Ich bin ganz froh, dass ich ab und an einen Schluck Wasser aus dem neuen Tankrucksack schlürfen kann, würdelos, durch den Schlauch, wie man das als Trinkblasenbesitzer eben tut. Die ersten 20cm Wasser sind dann immer warm, bevor es dann erfrischend schmeckt.
Immerhin ist die Wolke bislang noch nicht erfrischend. Erst kurz vor Erreichen des Tagesziels macht sie für ein paar Minuten halbwegs ernst. Wenn das allerdings alles an Regen war, waren es ungefähr 2% von dem, was ich für die Anreise befürchtet hatte. Ich bin allerdings, was den Weg hierher betrifft, auch gebranntes Kind. Oder besser: gebadetes. Ältere Leser erinnern sich an meinen Weg an Celle vorbei mit neuem Tattoo vor ein paar Jahren. Damals war unterwegs nicht klar, ob man blinken oder ein Typhon tröten muss, wenn man von einem Kanal auf den anderen rudert.
Als wir am Hotel am Kloster in Wienhausen einparken empfängt uns Tina in ihrer Funktion als weltbeste Touristeninformation winkend an der Einfahrt. Die gut zwei Stunden Vorsprung scheint sie genutzt zu haben, um sowohl in die Klostergeschichte als auch in die Hausordnung des Hotels abgetaucht zu sein. Parkplatz? Da müssen wir hier einmal rum, hinter Haus 1, neben der Tür, rechts oder links. Dann parkt sie gleich noch so rückwärts nebenan, dass, wenn Feueralarm wäre, die Hotelmitarbeiterin alle gut noch in Sicherheit bringe könnte. Es folgen die Infos zu Frühstückszeit, der Tisch für den Abend im Restaurant nebenan ist natürlich reserviert und auch die anschließende Verdauungsrunde am Kloster enthält alle wichtigen Infos zu Geschichte, Sehenswürdigkeit, Qualität des Spaghettieises, Bank mit Aussicht und Wanderrast am Kircheneingang. Wenn ihr fragen habt, kann ich Kontakt herstellen…





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