Die aufmerksame Leserin hat schon längst bemerkt, dass ich hintenraus nachlässig geworden bin, was die Dokumentation des Frankreichurlaubs anging. Nicht aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit. Es war die Faulheit, die mich abhielt, euch zu berichten, von den letzten Stopps. Und ein bisschen auch die Tatsache, dass ich genervt war, von der ewigen Suche nach der Wolkenlücke auf dem Regenradar bei der Auswahl des nächsten Ziels.
Reiten wir also im Eselstrab zügig, aber nicht übereilt, durch die Aufzeichnungen meines Tagebuchs und werten gemeinsam aus, was da noch so war…
Lac du Der
Auf dem Weg weiter nach Norden, zu einem Camping, von dem ich euch gleich auch definitiv noch zu berichten haben werde, machen wir bei herrlicher Sonne einen ausflugsartigen Zwischenstopp an einem der vielen Seen, die Frankreich hier, in seiner Mitte (naja, da haben die ja viel von, aber hier ist auf jeden Fall auch eine) bereithält.
Als wir uns an der Karte langsam ran zoomen, an den Lac, stellt sich bald heraus, dass das hier keine entspannte Spazierrunde um den See werden könnte. Wer deutsche Zoomverhältnise gewöhnt ist, vermutet das beim Blick auf die Karte vielleicht. Im Größenvergleich zu Frankreichs Mitte ist das hier ein normalgroßer See. Im Vergleich zur Hunderunde allerdings sind es mehrere Tagesritte.
Also lassen wir uns von kommot einen machbaren Ausflug planen, finden bald heraus, dass das hier Frankreichs größter Stausee zu sein scheint, besuchen die beim Stauseebau errichtete Kirche und staunen über das Kirchenfenster, das in Gedenken an die im See versenkten Dörfer eine Giraffe ziert, die am Seegrund im ehemaligen stehend ihren Kopf im Gegensatz zu allen anderen noch aus dem Wasser zu recken in der Lage ist.
Wir peilen Pommes an, müssen dazu über eine (wie ich, wieder vollends von meinen Fußgängerbrücken Erfahrungsgrößen ausgedribbelt die Seegröße verkennend) für eher kurz gehalten hatte, die sich aber dann als Metallgitterkonstruktion erweist, auf die verständlicherweise der Hund nicht eine Pfote zu setzen bereit ist. Der Hund natürlich, der bei der Giraffenkirche noch seine untere Hälfte in den See getunkt hatte. Bei der 10minütigen Brückenquerung kühlt also nun Ivos feuchte Plauze meine bislang trockene. Aber was tut man nicht alles für seinen kleinen Hausmeister…
Auf dem Rückweg nah der feine Herr Fifi dann auf meiner rechten Schulter platz, was mir ein bisschen erleichterte Trageverhältnisse und ihm die Option verschaffte, sich mit seinem linken Hinterbein auf meinem Rücken festzukrallen.
Camping Le Colombier
Auf dem Weg zum Campingplatz fuhren wir dann durch eine Landschaft, die sehr an die Eifel erinnert, allerdings mit dem Unterschied, dass das Fachwerk hellbraun ist, die urigen Straßendörfchen winzig sind und jede Milchkanne hier ein eigenes kleines Rathaus hat.
Irgendwann wird die Landschaft weiter, wir passieren einen enormen Militärstandort und parken ein paar Kilometer weiter den Brummi an der Einfahrt einer keinen Festung, die offenbar unser Campingplatz sein soll. Hinter den Mauern verschwindet Glo zu einem etwa 20minütigen Eincheckvorgang, bei dem ihr der Platz, die Schlappenpflicht im Sanitär, die Sehenswürdigkeiten der Gegend und alles darüber hinaus erläutert werden. Dann suchen wir zu Fuß einen Platz aus, finden einen ohne Nachbarn im Halbschatten und die Masse Schranke öffnet sich. Wenn alle Campingplatzbetreiber sich nur halb so viel Mühe gäben wie dieser hier, wäre die Welt eine deutlich bessere.
Auch hier haben wir uns in Sachen See verschätzt, was die Entfernung zum Ufer und die Größe des Gewässers betrifft, aber immerhin schaffen wir es an zweiten Tag unter die Bäume am Ufer, um dort mehreren Jetskifahrern zu lauschen, die die eh viel zu herrliche Ruhe mit ihren monströsen Maschinen zum Glück ein bisschen unterbrechen. Wir spielen ein paar Runden Quixx auf einer Picknickbank und schaffen es angemessen hungrig an den heimischen Grill zurück. Ich will nicht sagen, wir seien primitive Esserinnen, aber Bratkartoffeln mit Bratwurststücken und Baguette mit Humus tragen uns recht verlässlich durch diese Reise.
Um die kulinarische Erfahrung vollends abzurunden entscheide ich mich für ein Twister Eis aus dem Campingshop und packe zufrieden am Abend die Küche und die Sitzgelegenheiten wieder ins Auto. Morgen geht es weiter. Über Nacht soll es Regnen. Die Regeln des Urlaubs gelten für alle Stationen…
Calais
Das Regenradar verspricht für die kommenden Tage nur für wenige Abschnitte der Küste ein wenig Hoffnung auf Sonne. Also gurken wir schon wieder einige hundert Kilometer nach Norden. Die Eifeligkeit der Landschaft nimmt langsam ab, bis wir irgendwann in Calais auf einen Platz fahren, der mit dem letzten bis auf den Zweck des Übernachten wenig gemeinsam hat. Die Frau am Empfang hat keine Lust auf irgendeine Art von Erklärung. Der Flyer mahnt, dass „Abflüge“ bis maximal 12 Uhr zu erfolgen haben und auch sonst ist das hier alles eher ein nett parzellierter Parkplatz mit okayem Sanitär.
Hinter dem Zaun und einem kleinen Wohngebiet stehen wir dann plötzlich am Meer. Nach London wäre es jetzt näher als nach Hause. Leider haben wir gerade weder Kahn noch Reisepass, also entscheiden wir uns, den Urlaub hier zwei Tage ausklingen zu lassen und dann scharf nach Osten abzubiegen.
Calais hält, was eine Gebrauchs-Stadt verspricht. Alles hier dient dazu, dass Menschen auf Fähren oder in Tunneln auf eine Insel kommen. Der Stadtkern hat weitestgehend keine Lust auf Kundschaft und schließt seine Geschäfte, wenn Menschen dort etwas zu kaufen drohen. Die meisten Cafés und Restaurants fallen deshalb aus. Mit Ach und Krach gelingt es uns, einen Magneten in der Touristeninfo zu kaufen. Der anschließende Cappuccino erweist sich als lauwarmer Milchkaffee mit Sprühsahne. Immerhin gibt diese „Stadt“ ein stimmiges Bild ab. Als wir uns im Einkaufscenter vor dem Regen verkriechen wollen stellt sich raus, dass der Hund nicht mit rein darf. Dass er daraufhin seinen Mageninhalt vor den Haupteingang ausleert, finde ich übertrieben. Aber muss er selbst wissen. Glo sucht in dem Center dann eine Toilette, findet aber nur einen Viererzug Nationalgardisten in urbanem Flecktarn an den Schaufenstern entlang Streife gehen, dass es jedem Taschendieb Angst und Bange wird. Der Jüngste in der Runde sieht ernsthaft aus, als sei er noch gar nicht volljährig und müsste in Helm und Sturmgewehr erst noch reinwachsen. Aber die anderen drei haben ausreichend trainiert, um den kleinen sicher wieder nach Hause zu tragen.
Pudelnass kommen wir am frühen Abend zum Auto zurück und müssen die seltsamen Eindrücke erstmal verarbeiten.
Am nächsten Tag also geht es nach Hause, obwohl noch ein paar Urlaubstage übrig sind. Aber meine Laune hat einen Wasserschaden und ich bin ganz dankbar, dass Glo damit leben kann, die nächsten Tage bei mir in der Heimat zu verbringen, wo wir aus einer festen Unterkunft mit trocken erreichbarem Klo heraus noch einen Ausflug ins Centro planen, ein Krimispiel lösen und einfach ein bisschen sitzen.



















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