Kategorie: Wasser

  • #Harz2024 – Das ist kein See

    #Harz2024 – Das ist kein See

    Das ist kein See, das ist ein Teich. Beim Blick auf die Karte muss ich Thom Recht geben. Es ist der Hausherzberger Teich. Der obere, um genau zu sein. Seit Urlaubstag ein steht „Badesee“ auf meiner To-Do- Liste. Heute hake ich das ab, und wenn ich es allein tun muss. Keine Ahnung, ob der Mann, dessen Heimat zu 97% aus Seen besteht, sich mit so einem billigen Teich zufriedengibt.

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  • Wildes Wetter und Walbenachrichtigung

    Wildes Wetter und Walbenachrichtigung

    So richtig alleine unterwegs über mehrere Etappen war ich noch nie. Das ändert sich genau an diesem Wochenende. Und es fällt mir leichter als ich erwartet hätte.

    Nur mit einiger Mühe konnte ich dieses lange Wochenende komplett frei machen, Umso größer ist die Freude, als die Taschen auf dem Motorrad endlich gepackt und die Koffer geschlossen sind. Die Route verspricht weniger Spannung als die Termine. Und das Wetter weniger Freude als ich mir erhofft hätte. Dennoch stimmt die Laune. Die Regenklamotten sind vom Stiefel bis zum Kragen zugezogen und absagen kann ich das alles jetzt so oder so nicht mehr.

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  • …und überall Gewässer 5c – Abreise (fast)

    …und überall Gewässer 5c – Abreise (fast)

    Als ich an diesem Morgen wach werde hat die Sonne das Dachbett des Brummis schon so sehr aufgeheizt, dass ich hektisch den Schlafsack abstreife und die Reißverschlüsse des Stoffbalgs öffne. Dass die Temperatur schlagartig sinkt führt dazu, dass ich mich nun sehr schwer zum Aufstehen aufraffen kann. Hier oben, im Dachbett, ist die Welt noch in Ordnung. Ich muss nichts tun, nichts auf- oder wegräumen, mich nicht mit kniffelnden Nachbarn, schmutzigem Geschirr von gestern oder der Reiseplanung beschäftigen. Ich kann einfach hier liegen und den Bäumen neben dem Bulli dabei zusehen, wie sie dem böigen Wind die ersten Blätter mitgeben, oder die Drossel beobachten, die zwischen den Blättern im Boden nach Würmern wühlt. 

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  • …und überall Gewässer 5b – SN again

    …und überall Gewässer 5b – SN again

    Eigentlich müsste ich Camping doof finden. Klar, es ist draußen, es gibt immer fadenscheinige Gründe jede Menge mehr oder weniger sinnvolle Technik zu kaufen, es ergeben sich, wenn man will, jeden Tag neue Gassi- Routen und man kann sich auf das Nötigste beschränken. Kein Chichi, nur der Gaskocher, ein Spiegelei, ein Graubrot und ich.

    Aber dann sind da auch diese vielen Unbekannten, die die Camping- Rechnung zu einer Herausforderung machen für einen Drinnie wie mich, der sich gern in seine Höhle zurückzieht und von fremden Menschen weder belästigt werden noch deren Betriebsabläufe stören möchte. 

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  • …und überall Gewässer 4b – Kniffelterror-Uwe

    „Das is doch alles scheiße hier… weiße wat: ich streich den Viererpasch!“ schimpft Uwe hinter der Hecke und schiebt die Würfel über den Kunststofftisch. Seine Frau hat vorhin schon das Full House gestrichen, den Kniffel lässt sie noch offen. Vielleicht kommt der ja noch.

    Die Familie hinter der Hecke, von der ich nur Uwe namentlich kenne, kniffelt seit gut einer Stunde. Mit einem Glas. Auf einem Kunststofftisch. An diesem wirklich lauen Abend, der Campingplatz liegt ruhig unter den Buchen, Grillen zirpen, der See plätschert, ist das letzte, was die Campingnachbarschaft brauchen kann, ein kniffelnder Uwe. Inzwischen hat er auch die Große Straße gestrichen. Sein Ältester hat, wenn man seiner Rechnung glauben kann, oben nur 27. Alle lachen. Also: niemand lacht, bis auf die Kniffel- Terror- Parzelle. 

    Alle Nachbarn überlegen, ob es nicht ein Kniffelgesetz gibt, das Dauergekniffel verbietet. Oder ob man vielleicht hingehen und eine Zeitung und einen Würfelbecher bringen sollte. Oder diese ignoranten Idioten einfach anschreien. Das würde vermutlich am ehesten helfen. Uwe ist, nach allem was ich von den Gesprächen durch die Hecke so gehört habe, eher so der Typ, der gleich auch die Chance streicht, wenn es mit der kleinen Straße nichts wird.

    Wäre neben mir nicht die Kniffel- Hölle, ich wäre rundum zufrieden mit diesem Reisabschnitt. Beim Einchecken werde ich freundlich begrüßt und man drückt mir einen Dongle in die Hand, Der öffnet die Tür zum Sanitär und bewacht fünf Euro Duschguthaben. Die gut gepflegte Parzelle ist top ausgeschildert und der Strom gut zu erreichen. Das Sanitär ist immer sauber und die Lage am See eh über jeden Zweifel erhaben.

    Als ich alles nötige aus dem Bulli gezogen habe raffe ich mich sofort auf, das SUP an die Pumpe zu stecken um zügig aus den 36°C Sommerhitze auf bzw in den Plauer See auszuweichen. Der ist, ganz im Gegensatz zu dem eingezäunten Brandenburger Vergleichssee, schön klar und sowohl für Hunde als auch für Menschen sind die Badestellen gut erreichbar und wenig eingezäunt.

    Dann paddele ich ein Stück und beobachte die Gegend. Hinten fahren Segelschüffchen vorbei, und ein paar Sportboote legen den Hebel nach vorn. Es wird geSUPt, gepaddelt, Kinder und Eltern werfen einander vom Badeponton und Hunde holen bis zur Erschöpfung immer und immer wieder ihr Spieli aus dem See. Irgendwann beschließe ich, dass Füße rein halten nicht mehr genügt, lasse mich ins Wasser fallen und stehe so lange bis zum Kinn neben dem Brett, bis meine Finger so schrumpelig sind, dass es schwer wird, mit dem Telefon Fotos zu machen. 

    Der Hund döst, bellt, wenn ich ihn zu nah ran navigiere, die gefährlich schaukelnden Bojen an, die den Badebereich markieren, wedelt Hundekumpels auf anderen SUPs zu und sorgt mit seiner roten Rettungsschwimmer- Schwimmweste für aufsehen. Ich erkläre dann, er sei die fellige Reinkarnation von Mitch Buchannon. Manche lachen dann. Andere lächeln. Und googlen später. Vermutlich. 

    In Seenot gerät zum Glück niemand. Mitch kann auf dem SUP sitzen bleiben und sich wieder so nah ans Ufer schippern lassen, bis ihm das Wasser nur noch bis zur Flauschplautze reicht. Da kühlt er sich, bevor wir zurück zur Parzelle gehen, die Beine ab und fällt dann, wie ich, nach dem Abendessen müde auf seinen Schlafplatz. 

    In den nächsten Tagen erkunden wir Plau, essen Eis in Malchow, ärgern uns über schlecht ausgebaute Radwege und amüsieren uns über Freizeitkapitäne, die es nicht schaffen, ihre sackteure Angeberschüffe während der Brückenöffnungszeit durch die Drehbrücke zu navigieren. Mehrere abgebrochene Anfahrten, zwei lange Kratzer und viele eilige Wenden später, als auch der Brückenwärter mit dem Megaphon keine Idee mehr rüber zu brüllen hat, wie der 100 Jahre alte Möchtegern-Käpt nun das Ruder zu legen hat, geben auch die neugierigsten Beobachter auf. Der Käpten wird einen Lotsen an Bord nehmen oder sein Schüff für immer in Malchow lassen müssen. Schade. 

    Zurück am See kühlen wir unsere sechs Füße und machen auch mal einen Tag gar nichts, wenn das Wetter nicht danach ist. Dann gehen wir nur das nötigste Stück Gassi am See, beobachten Angler, Rehe und komische Vögel und lernen Egbert und seinen Amadeus kennen, von denen ich euch ja schon erzählt habe. 

    Und dann, am letzten Abend, als ich eigentlich bereit bin, hier nur Gutes zu berichten, da entscheiden sich die Nachbarn, dass Kniffel doch eine gute Idee wäre. Und ich vermute, ich bin nicht die Einzige, die ihrem Tagebuch von diesen ignoranten Idioten erzählt. Und ich hoffe von Herzen, dass meine Parzellennachmieter gute Nerven haben mögen. Denn Uwe wird eine Revanche wollen, heute Abend.

    Und während ich das hier schreibe, eine gute Stunde westlich, auf dem nächsten Stellplatz, und während ich an Uwe denke, da starten meine Stellplatznachbarn eine Runde Mensch ärgere dich nicht. Natürlich haben sie keine Würfelunterlage. Ich beschließe, morgen in ihrer Abwesenheit eine auf ihrem Tisch liegen zu lassen. Als ich Glo mein Leid klage und eine Audioaufnahme des Würfelgetöses zum Beweis anhänge beschließt sie prompt einen Filzdeckchenverleih als Pitch bei der Höhle der Löwen. Ganz ehrlich: ich bin bereit, im großen Stil zu investieren. 

  • …und überall Gewässer 4a – „Egbert, tu was!“

    …und überall Gewässer 4a – „Egbert, tu was!“

    „Beißt der?“ will die Frau mit dem hässlichen Mops an der Leine wissen, als sie zu uns an die abgelegene Bastelle kommt. „Ich hoffe nicht!“ antworte ich. Trulla ist verwirrt. „Der beißt nicht, wenn Ihrer sich wie ein Hund benimmt!“ zucke ich mit den Schulter, weil ich schon ahne, dass Ivo mit der nicht funktionierenden Körpersprache des Mopses nichts anfangen kann. Wie man einem Hund in Jahrzehnten der Zucht alle notwendigen Kommunikationsmöglichkeiten konsequent wegnehmen kann und dass das überhaupt erlaubt ist, ist mir ein Rätsel. Trulla leint ihren Amadeus ab und der nutzt die Chance, hörbar schnaufend auf Ivo zu zu wetzen. Klar, dass der kleine Bademeister mit dem röchelnden Klops nichts zu tun haben will und gleich mal einen Anschiss verteilt, dass man sich mit nicht sichtbarer Rute und drohendem Schnaufen nicht zu nähern hat.

    „Ich wusste doch, dass sowas passiert!“ zetert Frauchen in Sorge um ihre teure Gartendeko. „Der wird immer gebissen. Dabei macht er gar nichts!“ Vorsichtig versuche ich Amadeus‘ Körpersprachenproblem anzudeuten ohne der Mopsbesitzerin zu sehr auf den Schlips zu treten. Sie versteht nichts. Den Hunden wende ich inzwischen den Rücken zu. Ivo schnüffelt schon weiter an irgendeinem Grashalm und hat weder Lust noch Zeit, irgendwelche dahergelaufenen dicken Mopse zu verhauen. Amadeus allerdings schnauft ihm immer wieder von hinten ins Ohr und wird noch einmal, relativ deutlich, auf sein Fehlverhalten hingewiesen, bevor in aller Ruhe weiter im Gemüse geschnüffelt werden kann.

    Frauchen kriegt Schiss. „Egbert! Geh da jetzt hin!“ weist sie ihren Mann an, sich mit seinen Lederslippern zur Verhinderung weiterer gefährlicher Angriffe schützend zwischen Ivo und ihren armen Amadeus zu werfen. Mops Amadeus, Deko- Artikel von Beruf, versucht derweil, mit den beschränkten Mitteln seiner seltsam über den Rücken gezüchteten Rute und dem röchelnden Atemgeräusch Ivo zu erklären, dass er eigentlich weder droht noch übertriebene Angst hat sondern einfach nur Opfer seiner Zucht ist und friedlich am Grashalm nebenan schnüffeln möchte.

    Ivo ist verwirrt, hält sich das schnaufende Vieh mit einem letzten Scheinangriff vom Flausch, scharrt, um Amadeus zu imponieren und trägt die Rute wie der König der Badestelle so hoch er kann, bevor Slipper- Egbert ebenfalls leicht schnaufend den kurzatmigen Amadeus eingesammelt hat.

    Nach einem kurzen Smalltalk – Frauchen vermutet ich hätte Ivo ein Teletakt- Elektrohalsband angetan, um mögliche Beißattacken zu kontrollieren, ziehen sich Frauchen, Egbert und der etwas verwirrte Amadeus auf ihr millionenschweres Seegrundstück zurück.

    Und irgendwie weiß ich mal wieder nicht, wer mir nach so einer Begegnung am meisten leid tut.

    Außerdem bin ich froh, zufällig Glo als Zeugin der Szene am Telefon gehabt zu haben. Besonders die Sache mit den Namen hätte mir doch sonst wieder niemand geglaubt.

  • …und überall Gewässer 3 – Brandenburg, eingezäunt

    Glindowsee. Hatte ich noch nie gehört. Jetzt biege ich in eine sehr schmale Seitenstraße ab. Das Internet sagt, dass, wer hier zum Einchecken falsch parkt, direkt mit einem horrenden privaten Knöllchen rechnen muss. Mein Vorsatz ist also, den Brummi gleich allen Regeln entsprechend ganz brav an einem legalen Ort warten zu lassen.

    Entgegen aller Befürchtungen weist der Campingplatz direkt am Eingang einen Wartebereich für die Anmeldung aus. Ich gebe mir, von der Inkasso-Knöllchen- Rezension bei Googlen noch immer eingeschüchtert, größte Einparkmühe und suche die Rezeption. Auch hier, warnt das Internet, könne man anecken. Die Chefin sei garstig und soll den einen oder anderen Google- Rezensenten grundlos angefaucht haben. Ich setze also auf überbordende Freundlichkeit und treffe, hinter einen brusthohen Tor, auf eine kleine, sofort sympathische Dame, die sich mit Namen vorstellt, sich entschuldigt, dass die Rezeption eine schlecht ausgeschilderte Notlösung sei, sie noch kurz den Müll wegbringe, mich dann aber wirklich sofort einchecke.

    Angemault zu werden ist nach der Sache mit dem Parken schon die zweite Sorge, die sich innerhalb von Sekunden in Luft auflöst. Beim Anmelden werde ich freundlich mit Kurkarte, Flyern der Region und Infos zum angrenzenden Badestrand versorgt. Dann folgt eine detaillierte Einweisung in die Schlüsselkarte. Die nächsten zwei Tage verbringe ich damit, diese Karte alle paar Meter an einen Durchgang zu halten, um passieren zu dürfen. Im Sanitärgebäude, dessen Tür ich von innen mit der Klinke öffnen kann, weist mich ein großer Zettel darauf hin, bei Verlassen des Duschbereichs mit der Schlüsselkarte „ordnungsgemäß auszuchecken“. Offenbar werden hier Daten übers Rein und Raus der Gäste erhoben. Natürlich mache ich das nicht. Das Sicherheitssystem des Platzes vermutet nun wahrscheinlich, dass ich das Sanitär seit Dienstag, 16.00 Uhr nicht mehr verlassen, trotzdem aber alle möglichen Törchen zum Badesteg, Bootssteg, Müllplatz und zurück zu meinem Stellplatz bedient habe. Vielleicht hat mein ungehöriges Nichtauschecken zu diversen Sicherheitswarnungen und Computerabstürzen geführt. Ich finde aber, dass die freundliche Dame nicht wissen muss, wie lange ich im Sanitär für die Eins, die Zwei oder die Dusche brauche…

    Die Tage verbringe ich auf dem leider stark von Algen befallenen Glindower See und mache einen wirklich schönen Fahrradausflug ins beschauliche Potsdam. Die Radwege sind super ausgebaut, Autos begegnen mir nur wenige und auch der Hund kommt in den Wäldern auf seine Jogging- Kosten. Eigentlich wollte ich mir in Ruhe Sanssouci anschauen, mache aber wegen 36°C Hitze und der unerbittlich auf die Freiflächen ballernden Sonne nur einen japanischen Fotostopp und verziehe mich zügig unter einen Sonnenschirm in der Fußgängerzone. Angesichts des Wetters entscheide ich mich für Chicken Teriyaki mit Jasminreis und Salat, nenne es aber, um die Betriebsabläufe nicht zu stören, der Karte entsprechend „Teriyaki Bowl“. Die Nähe zu Berlin und seinen Hipstern ist auch an Potsdam nicht spurlos vorüber gegangen.

    Als ich am späten Nachmittag mit dem schon gewohnten „Düdüt“ der Schlüsselkarte zurück auf den Platz fahre bin ich froh, Ivos neuen Anhänger abzukuppeln und ohne große Umwege mit dem SUP auf den See zu starten. Der Algen wegen verzichte ich aufs Schwimmen und begnüge mich damit, hier und da an- und die Beine ins Wasser zu halten. Auch Ivo stellt sich am Ufer immer wieder bis zur Flauschplautze in den See. Davon, daraus zu trinken, rate ich ihm sicherheitshalber eindringlich ab.

    Abends erscheint plötzlich ein Nachbar auf meiner Parzelle und wundert sich, dass der Hausmeister das so überhaupt nicht locker sieht. Der Mann, Typ „zerstreuter Camping- Professor“, fragt, ob er meinen Camper mal von innen sehen dürfe, er habe seinen T6 selbst ausgebaut. Wir einigen uns darauf, dass ich dann aber auch mal gucken darf. Schon verrückt, was manche Menschen sich einbilden, bauen zu können. Im WDR gab’s mal eine Handwerker- Doku mit dem treffenden Titel „Soll das so…?“, in der Handwerkerprofis Heimwerker retteten, wenn deren Projekte zu arg am Ziel vorbei schossen. Dieses arme Auto hier wäre ein Kandidat für die nächste Staffel. Und die übernächste. Schade um den schönen Bulli.

    Die Abende beschließe ich mit Salat und Pitabrot und lausche dabei den drei Dauercampernachbarn gegenüber, die über die Chefin, ihre Handlanger und den Zustand der Anlagen lästern und am zweiten Abend leise alte Maffay- Hits singen, weil „Mannis Plutuh-Box keinen Saft mehr hat.“

    Zum meiner Linken schlafen müde Camping- Kinder bei offenem Wohnwagenfenster mit „Bibi und Tina und der Waldbrand“ ein und ich hoffe, dass ich bei Warnstufe vier von fünf dem Thema in diesem Urlaub nirgends näher komme als hier.

    Bei meiner Abreise werfe ich Karte nach einem letzen Düdüt in den Briefkasten und bin froh, weiterzuziehen. Ich freue mich auf einen klaren See, einen grünen Platz, mehr Schatten und weniger Düdüt. Keine Ahnung, vor was für Eindringlingen man hier Angst hat. Jedes dieser Tore kann man, wenn man nur will, leicht überklettern und von der Seeseite den Platz sowieso gut erreichen (sofern man eins der wenigen nicht eingezäunten Stücke Ufer zum Einsetzen seines Piratenschiffs findet), aber angesichts der überall hier stehenden beeindruckenden Zäune, Tore und Stacheldrähte scheint man in Brandenburg ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis zu spüren.

    Mal schauen, wie sicher ich mich in MV ohne pausenloses. Düdüt fühle. Zum Glück habe ich ja meinen kleinen Wachhund dabei. Der macht bei Bedarf auch Geräusche. Aber andere.

  • …und überall Gewässer 1 – Weserbogen

    …und überall Gewässer 1 – Weserbogen

    Als ich am Freitagmorgen viel zu früh in den Brummi steige surrt hinter mir schon hochmotiviert der Kühlschrank. Ein eindeutiges Zeichen, eigentlich, dass jetzt Urlaub ist und nichts mehr zu erledigen. Heute allerdings stimmt das nicht. 

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  • Drei Tage über Xanten und Arcen – Tag 1

    Drei Tage über Xanten und Arcen – Tag 1

    Eigentlich ist alles perfekt. Das Wetter verspricht vorsichtig, trocken zu bleiben, das E-Bike ist frisch gewartet und die Räder des Anhängers sind aufgepumpt. Snacks, Kleidung und Flickzeug sind verstaut. An der Technik wird es nicht hapern, wenn wir uns gleich auf den Weg machen, von Essen nach Xanten.

    Aber an mir, an mir könnte es scheitern. Noch nicht mal eine ausgiebige Tagestour habe ich im Frühling und Sommer bisher gemacht. Ja, im Urlaub sind wir aufs Rad gestiegen, täglich fast, aber mehr als 45 Kilometer saß ich dabei nie im Sattel. Die Zeit war für Eisdielenbesuche und Stadtbesichtigungen draufgegangen und das Fahrrad eher Transportmittel als Hobby gewesen.

    Als ich mich am Vorabend der Holland- Reise aufs Sofa werfe und meine Packliste abhake bekomme ich eine Nachricht von Tina, meiner Radelbegleitung. Sie fragt, ob ich alles habe. „Bisschen Schiss hab ich…“ tippe ich ins Handy, „…dass ich mir da zu viel vorgenommen habe.“ Sie beruhigt mich. Die E-Bikes werden uns schon ans Ziel schieben. Na gut. Tina wird es wissen.

    Morgens, sehr früh, stelle ich den gepackten Anhänger in den Brummi, lade das Fahrrad auf und fahre los. In Essen, oberhalb des Baldeneysees, sind wir verabredet. Vor uns liegen heute 76 Kilometer. Die ersten, immerhin, schiebt mich der Anhänger bergab zwischen den Feldern Fischlakens runter ans Ufer. Dort halten wir uns links und fahren ab jetzt ziemlich genau Richtung Nordwesten.

    Wer in Essens Süden startet und an den Niederrhein will hat zwangsläufig die Aufgabe, das westliche Ruhrgebiet einmal zu durchqueren. Essen, Mülheim, Oberhausen, klingt erstmal nicht nach ansprechender Fahrradtour. Die Straßenabschnitte allerdings halten sich sehr in Grenzen. In Essen strampeln wir noch ein paar Minuten am Fahrbahnrand von der Ruhr in Richtung A52, dürfen da aber auf einen der vielen Radwege auf ehemaligen Bahnanlagen einbiegen, die Komoot uns für die Route vorgeschlagen hat. Von nun an geht es, nahezu ohne Kontakt zum motorisierten Verkehr, über gut ausgebaute Wege bis an den Rhein- Herne- Kanal. Wir lassen die Autobahn links und den Gasometer rechts liegen, wuckern mit gemeinsamer Kraft Räder und Hänger über einen hüfthohen umgestürzten Baumstumpf und erreichen bester Laune den sogenannten „Grünen Pfad“, wieder so einen tollen Bahntrassenradweg, der uns schließlich, Duisburg Marxloh und Röttgersbach ignorierend, direkt am Rhein wieder ausspuckt.

    Die erste Fährfahrt des Wochenendes setzt uns unkompliziert über nach Orsoy. Hier, ungefähr auf halber Strecke, haben wir den Ruhrpott endgültig hinter uns und dürfen von nun an den Rhein in Richtung Niederlande ein ganzes Stück begleiten. 

    Dass dies hier die erste lange Tour des Jahres ist macht sich nun allerdings bemerkbar, als jede Faser meines Körpers und erst recht die Fasern, die seit heute morgen Kontakt zum Sattel pflegen, nach einer längeren Rast im Vogelschutzgebiet wieder überzeugt werden sollen, aufzusteigen. „Alter, hab ich Arschweh…“ denke ich gerade so laut, dass Tina es nicht mitbekommt. Denn wenn ich auf so einem Ausflug eins nicht sein will, dann die, die nörgelnd die andere mental mit runterzieht. Weiter geht es also, vermutlich mit leicht lädiertem Lächeln, bis wir zufrieden, aber doch auch einigermaßen erledigt, am späten Nachmittag in Xanten ins „Xotel“ einchecken.

    Dass wir nachher noch die 900m in die Stadt fahren um uns erst mit einem okayen Eis, dann mit mäßigen Schnitzeln und zur Versöhnung mit einem weiteren, herausragenden Eis (so kommt’s, wenn man die Eisdielenempfehlung der Kollegen nur halbherzig liest) zu versorgen, habe ich meinem Arschweh noch nicht erzählt. Aber 900m… die kann man ja im Prinzip auch im Stehen fahren.

    Und für die 73 Kilometer morgen wird mir hoffentlich noch eine Lösung einfallen…

  • Schwerin 1 – Mücken am See

    Schwerin 1 – Mücken am See

    Die Wäsche ist trocken, Muttis runder Geburtstag bedacht, das Fahrrad ist vom Salz der Ärmelkanalluft befreit und der Brummi getankt. Eigentlich könnte ich wieder los.

    Noch eine gute Woche habe ich Zeit, und die möchte ich eigentlich nicht Zuhause verbringen. Und der Bulli sicher auch nicht. Ich öffne also meine Google- Urlaubs- Map und klicke mich durch die Gegend. Eifel – da wollte ich doch mal ohne Hund und mit dem Fahrrad hin, den Nationalpark erkunden. Oder Xanten? Da ist es flach und die Anfahrt ist überschaubar. Oder doch Schwerin? Irgendwie habe ich das Gefühl, da schon lange nicht gewesen und mit gucken auch noch lange nicht fertig zu sein.

    Ich klicke und gucke, wäge ab und überlege. Zu einem rechten Ergebins komme ich nicht. Weil es kein Richtig und Falsch gibt. Weil es überall schön werden wird. Das Argument, was für Schwerin gesprochen hätte, hat schon vor einiger Zeit deutlich gesagt, dass das Leben gerade ein paar Baustellen bereitet und für ein Treffen in Ruhe keine Zeit bleiben würde. Aber: Schwerin ist ja trotzdem schön.

    Ich lasse den Zufall entscheiden, schreibe ein- und dieselbe Mail an Campingplätze in allen drei Regionen und beschließe, dorthin zu fahren, wo man mir als erstes antwortet. Dann verabrede ich den Hund mit seinen Urlaubssittern und warte ab.

    Nach zwei Stunden habe ich die erste Antwort. Es wird Schwerin. Schlau ist das nicht, denke ich, für fünf Nächte so eine weite Reise. Aber ich wollte den Zufall entscheiden lassen und werde da jetzt auch nicht dran rütteln. Also packe ich die Klamotten ins Auto, verzichte auf einen Blick in meine Packliste (ich habe kaum was ausgeräumt seit ich vorgestern Abend vor der Tür geparkt habe) und bringe den Hund zu meinen Eltern. 

    Dann stelle ich den Wecker auf 05.05 Uhr – so sollte ich vor dem Berufsverkehr zumindest den nervigsten Teil der A1 hinter mir haben.

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