Der Hund guckt ins Bad. Denn: der Hund guckt, wann immer ich ein paar Minuten am Waschbecken verbringe, was wir gleich vorhaben. Keine Ahnung, woran er dann festmacht ob ich ohne ihn einkaufen oder mit ihm in den Wald möchte. Er erkennt es jedenfalls zuverlässig und fängt, wenn ich den Alibert zuklappe, entweder freudig an zu wedeln oder er verzieht sich wieder auf einen seiner Liegeplätze.
(mehr …)Kategorie: Hund
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…und überall Gewässer 5c – Abreise (fast)
Als ich an diesem Morgen wach werde hat die Sonne das Dachbett des Brummis schon so sehr aufgeheizt, dass ich hektisch den Schlafsack abstreife und die Reißverschlüsse des Stoffbalgs öffne. Dass die Temperatur schlagartig sinkt führt dazu, dass ich mich nun sehr schwer zum Aufstehen aufraffen kann. Hier oben, im Dachbett, ist die Welt noch in Ordnung. Ich muss nichts tun, nichts auf- oder wegräumen, mich nicht mit kniffelnden Nachbarn, schmutzigem Geschirr von gestern oder der Reiseplanung beschäftigen. Ich kann einfach hier liegen und den Bäumen neben dem Bulli dabei zusehen, wie sie dem böigen Wind die ersten Blätter mitgeben, oder die Drossel beobachten, die zwischen den Blättern im Boden nach Würmern wühlt.
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…und überall Gewässer 5b – SN again
Eigentlich müsste ich Camping doof finden. Klar, es ist draußen, es gibt immer fadenscheinige Gründe jede Menge mehr oder weniger sinnvolle Technik zu kaufen, es ergeben sich, wenn man will, jeden Tag neue Gassi- Routen und man kann sich auf das Nötigste beschränken. Kein Chichi, nur der Gaskocher, ein Spiegelei, ein Graubrot und ich.
Aber dann sind da auch diese vielen Unbekannten, die die Camping- Rechnung zu einer Herausforderung machen für einen Drinnie wie mich, der sich gern in seine Höhle zurückzieht und von fremden Menschen weder belästigt werden noch deren Betriebsabläufe stören möchte.
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…und überall Gewässer 5a – Auf dem Weg nach Schwerin; Gassi ohne Gold und Berg
Das wars, Plau. Schön war‘s bei dir am See. Unerwartet schön sogar. Ich verlasse den Platz, verursache mit dem Ausdruck der Rechnung einen nie dagewesenen Papierstau im neuen Drucker der Rezeption, werde für meine Wartezeit mit sehr fragwürdigen Dinkelkeksen entschädigt und bin froh, diese trockene Teigfrechheit zurück am Auto mit einigen Litern Wasser runterspülen zu können. Als ich das Navi nach der Fahrzeit befrage entscheide ich, die etwas weitere Route zu wählen und mit dem Hund unterwegs ausgiebig in den Wald zu verschwinden. Da ich auf meiner Suche nach einem Platz am See von Google auch Goldberg vorgeschlagen bekommen hatte, fällt mir auf, dass ich dort doch, gewissermaßen um für kommende Urlaube schon einmal erkundet zu haben, zum Gassi anhalten könnte.
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…und überall Gewässer 4b – Kniffelterror-Uwe
„Das is doch alles scheiße hier… weiße wat: ich streich den Viererpasch!“ schimpft Uwe hinter der Hecke und schiebt die Würfel über den Kunststofftisch. Seine Frau hat vorhin schon das Full House gestrichen, den Kniffel lässt sie noch offen. Vielleicht kommt der ja noch.
Die Familie hinter der Hecke, von der ich nur Uwe namentlich kenne, kniffelt seit gut einer Stunde. Mit einem Glas. Auf einem Kunststofftisch. An diesem wirklich lauen Abend, der Campingplatz liegt ruhig unter den Buchen, Grillen zirpen, der See plätschert, ist das letzte, was die Campingnachbarschaft brauchen kann, ein kniffelnder Uwe. Inzwischen hat er auch die Große Straße gestrichen. Sein Ältester hat, wenn man seiner Rechnung glauben kann, oben nur 27. Alle lachen. Also: niemand lacht, bis auf die Kniffel- Terror- Parzelle.
Alle Nachbarn überlegen, ob es nicht ein Kniffelgesetz gibt, das Dauergekniffel verbietet. Oder ob man vielleicht hingehen und eine Zeitung und einen Würfelbecher bringen sollte. Oder diese ignoranten Idioten einfach anschreien. Das würde vermutlich am ehesten helfen. Uwe ist, nach allem was ich von den Gesprächen durch die Hecke so gehört habe, eher so der Typ, der gleich auch die Chance streicht, wenn es mit der kleinen Straße nichts wird.
Wäre neben mir nicht die Kniffel- Hölle, ich wäre rundum zufrieden mit diesem Reisabschnitt. Beim Einchecken werde ich freundlich begrüßt und man drückt mir einen Dongle in die Hand, Der öffnet die Tür zum Sanitär und bewacht fünf Euro Duschguthaben. Die gut gepflegte Parzelle ist top ausgeschildert und der Strom gut zu erreichen. Das Sanitär ist immer sauber und die Lage am See eh über jeden Zweifel erhaben.
Als ich alles nötige aus dem Bulli gezogen habe raffe ich mich sofort auf, das SUP an die Pumpe zu stecken um zügig aus den 36°C Sommerhitze auf bzw in den Plauer See auszuweichen. Der ist, ganz im Gegensatz zu dem eingezäunten Brandenburger Vergleichssee, schön klar und sowohl für Hunde als auch für Menschen sind die Badestellen gut erreichbar und wenig eingezäunt.
Dann paddele ich ein Stück und beobachte die Gegend. Hinten fahren Segelschüffchen vorbei, und ein paar Sportboote legen den Hebel nach vorn. Es wird geSUPt, gepaddelt, Kinder und Eltern werfen einander vom Badeponton und Hunde holen bis zur Erschöpfung immer und immer wieder ihr Spieli aus dem See. Irgendwann beschließe ich, dass Füße rein halten nicht mehr genügt, lasse mich ins Wasser fallen und stehe so lange bis zum Kinn neben dem Brett, bis meine Finger so schrumpelig sind, dass es schwer wird, mit dem Telefon Fotos zu machen.
Der Hund döst, bellt, wenn ich ihn zu nah ran navigiere, die gefährlich schaukelnden Bojen an, die den Badebereich markieren, wedelt Hundekumpels auf anderen SUPs zu und sorgt mit seiner roten Rettungsschwimmer- Schwimmweste für aufsehen. Ich erkläre dann, er sei die fellige Reinkarnation von Mitch Buchannon. Manche lachen dann. Andere lächeln. Und googlen später. Vermutlich.
In Seenot gerät zum Glück niemand. Mitch kann auf dem SUP sitzen bleiben und sich wieder so nah ans Ufer schippern lassen, bis ihm das Wasser nur noch bis zur Flauschplautze reicht. Da kühlt er sich, bevor wir zurück zur Parzelle gehen, die Beine ab und fällt dann, wie ich, nach dem Abendessen müde auf seinen Schlafplatz.
In den nächsten Tagen erkunden wir Plau, essen Eis in Malchow, ärgern uns über schlecht ausgebaute Radwege und amüsieren uns über Freizeitkapitäne, die es nicht schaffen, ihre sackteure Angeberschüffe während der Brückenöffnungszeit durch die Drehbrücke zu navigieren. Mehrere abgebrochene Anfahrten, zwei lange Kratzer und viele eilige Wenden später, als auch der Brückenwärter mit dem Megaphon keine Idee mehr rüber zu brüllen hat, wie der 100 Jahre alte Möchtegern-Käpt nun das Ruder zu legen hat, geben auch die neugierigsten Beobachter auf. Der Käpten wird einen Lotsen an Bord nehmen oder sein Schüff für immer in Malchow lassen müssen. Schade.
Zurück am See kühlen wir unsere sechs Füße und machen auch mal einen Tag gar nichts, wenn das Wetter nicht danach ist. Dann gehen wir nur das nötigste Stück Gassi am See, beobachten Angler, Rehe und komische Vögel und lernen Egbert und seinen Amadeus kennen, von denen ich euch ja schon erzählt habe.
Und dann, am letzten Abend, als ich eigentlich bereit bin, hier nur Gutes zu berichten, da entscheiden sich die Nachbarn, dass Kniffel doch eine gute Idee wäre. Und ich vermute, ich bin nicht die Einzige, die ihrem Tagebuch von diesen ignoranten Idioten erzählt. Und ich hoffe von Herzen, dass meine Parzellennachmieter gute Nerven haben mögen. Denn Uwe wird eine Revanche wollen, heute Abend.
Und während ich das hier schreibe, eine gute Stunde westlich, auf dem nächsten Stellplatz, und während ich an Uwe denke, da starten meine Stellplatznachbarn eine Runde Mensch ärgere dich nicht. Natürlich haben sie keine Würfelunterlage. Ich beschließe, morgen in ihrer Abwesenheit eine auf ihrem Tisch liegen zu lassen. Als ich Glo mein Leid klage und eine Audioaufnahme des Würfelgetöses zum Beweis anhänge beschließt sie prompt einen Filzdeckchenverleih als Pitch bei der Höhle der Löwen. Ganz ehrlich: ich bin bereit, im großen Stil zu investieren.
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…und überall Gewässer 4a – „Egbert, tu was!“
„Beißt der?“ will die Frau mit dem hässlichen Mops an der Leine wissen, als sie zu uns an die abgelegene Bastelle kommt. „Ich hoffe nicht!“ antworte ich. Trulla ist verwirrt. „Der beißt nicht, wenn Ihrer sich wie ein Hund benimmt!“ zucke ich mit den Schulter, weil ich schon ahne, dass Ivo mit der nicht funktionierenden Körpersprache des Mopses nichts anfangen kann. Wie man einem Hund in Jahrzehnten der Zucht alle notwendigen Kommunikationsmöglichkeiten konsequent wegnehmen kann und dass das überhaupt erlaubt ist, ist mir ein Rätsel. Trulla leint ihren Amadeus ab und der nutzt die Chance, hörbar schnaufend auf Ivo zu zu wetzen. Klar, dass der kleine Bademeister mit dem röchelnden Klops nichts zu tun haben will und gleich mal einen Anschiss verteilt, dass man sich mit nicht sichtbarer Rute und drohendem Schnaufen nicht zu nähern hat.
„Ich wusste doch, dass sowas passiert!“ zetert Frauchen in Sorge um ihre teure Gartendeko. „Der wird immer gebissen. Dabei macht er gar nichts!“ Vorsichtig versuche ich Amadeus‘ Körpersprachenproblem anzudeuten ohne der Mopsbesitzerin zu sehr auf den Schlips zu treten. Sie versteht nichts. Den Hunden wende ich inzwischen den Rücken zu. Ivo schnüffelt schon weiter an irgendeinem Grashalm und hat weder Lust noch Zeit, irgendwelche dahergelaufenen dicken Mopse zu verhauen. Amadeus allerdings schnauft ihm immer wieder von hinten ins Ohr und wird noch einmal, relativ deutlich, auf sein Fehlverhalten hingewiesen, bevor in aller Ruhe weiter im Gemüse geschnüffelt werden kann.
Frauchen kriegt Schiss. „Egbert! Geh da jetzt hin!“ weist sie ihren Mann an, sich mit seinen Lederslippern zur Verhinderung weiterer gefährlicher Angriffe schützend zwischen Ivo und ihren armen Amadeus zu werfen. Mops Amadeus, Deko- Artikel von Beruf, versucht derweil, mit den beschränkten Mitteln seiner seltsam über den Rücken gezüchteten Rute und dem röchelnden Atemgeräusch Ivo zu erklären, dass er eigentlich weder droht noch übertriebene Angst hat sondern einfach nur Opfer seiner Zucht ist und friedlich am Grashalm nebenan schnüffeln möchte.
Ivo ist verwirrt, hält sich das schnaufende Vieh mit einem letzten Scheinangriff vom Flausch, scharrt, um Amadeus zu imponieren und trägt die Rute wie der König der Badestelle so hoch er kann, bevor Slipper- Egbert ebenfalls leicht schnaufend den kurzatmigen Amadeus eingesammelt hat.
Nach einem kurzen Smalltalk – Frauchen vermutet ich hätte Ivo ein Teletakt- Elektrohalsband angetan, um mögliche Beißattacken zu kontrollieren, ziehen sich Frauchen, Egbert und der etwas verwirrte Amadeus auf ihr millionenschweres Seegrundstück zurück.
Und irgendwie weiß ich mal wieder nicht, wer mir nach so einer Begegnung am meisten leid tut.
Außerdem bin ich froh, zufällig Glo als Zeugin der Szene am Telefon gehabt zu haben. Besonders die Sache mit den Namen hätte mir doch sonst wieder niemand geglaubt.
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…und überall Gewässer 3 – Brandenburg, eingezäunt
Glindowsee. Hatte ich noch nie gehört. Jetzt biege ich in eine sehr schmale Seitenstraße ab. Das Internet sagt, dass, wer hier zum Einchecken falsch parkt, direkt mit einem horrenden privaten Knöllchen rechnen muss. Mein Vorsatz ist also, den Brummi gleich allen Regeln entsprechend ganz brav an einem legalen Ort warten zu lassen.
Entgegen aller Befürchtungen weist der Campingplatz direkt am Eingang einen Wartebereich für die Anmeldung aus. Ich gebe mir, von der Inkasso-Knöllchen- Rezension bei Googlen noch immer eingeschüchtert, größte Einparkmühe und suche die Rezeption. Auch hier, warnt das Internet, könne man anecken. Die Chefin sei garstig und soll den einen oder anderen Google- Rezensenten grundlos angefaucht haben. Ich setze also auf überbordende Freundlichkeit und treffe, hinter einen brusthohen Tor, auf eine kleine, sofort sympathische Dame, die sich mit Namen vorstellt, sich entschuldigt, dass die Rezeption eine schlecht ausgeschilderte Notlösung sei, sie noch kurz den Müll wegbringe, mich dann aber wirklich sofort einchecke.
Angemault zu werden ist nach der Sache mit dem Parken schon die zweite Sorge, die sich innerhalb von Sekunden in Luft auflöst. Beim Anmelden werde ich freundlich mit Kurkarte, Flyern der Region und Infos zum angrenzenden Badestrand versorgt. Dann folgt eine detaillierte Einweisung in die Schlüsselkarte. Die nächsten zwei Tage verbringe ich damit, diese Karte alle paar Meter an einen Durchgang zu halten, um passieren zu dürfen. Im Sanitärgebäude, dessen Tür ich von innen mit der Klinke öffnen kann, weist mich ein großer Zettel darauf hin, bei Verlassen des Duschbereichs mit der Schlüsselkarte „ordnungsgemäß auszuchecken“. Offenbar werden hier Daten übers Rein und Raus der Gäste erhoben. Natürlich mache ich das nicht. Das Sicherheitssystem des Platzes vermutet nun wahrscheinlich, dass ich das Sanitär seit Dienstag, 16.00 Uhr nicht mehr verlassen, trotzdem aber alle möglichen Törchen zum Badesteg, Bootssteg, Müllplatz und zurück zu meinem Stellplatz bedient habe. Vielleicht hat mein ungehöriges Nichtauschecken zu diversen Sicherheitswarnungen und Computerabstürzen geführt. Ich finde aber, dass die freundliche Dame nicht wissen muss, wie lange ich im Sanitär für die Eins, die Zwei oder die Dusche brauche…
Die Tage verbringe ich auf dem leider stark von Algen befallenen Glindower See und mache einen wirklich schönen Fahrradausflug ins beschauliche Potsdam. Die Radwege sind super ausgebaut, Autos begegnen mir nur wenige und auch der Hund kommt in den Wäldern auf seine Jogging- Kosten. Eigentlich wollte ich mir in Ruhe Sanssouci anschauen, mache aber wegen 36°C Hitze und der unerbittlich auf die Freiflächen ballernden Sonne nur einen japanischen Fotostopp und verziehe mich zügig unter einen Sonnenschirm in der Fußgängerzone. Angesichts des Wetters entscheide ich mich für Chicken Teriyaki mit Jasminreis und Salat, nenne es aber, um die Betriebsabläufe nicht zu stören, der Karte entsprechend „Teriyaki Bowl“. Die Nähe zu Berlin und seinen Hipstern ist auch an Potsdam nicht spurlos vorüber gegangen.
Als ich am späten Nachmittag mit dem schon gewohnten „Düdüt“ der Schlüsselkarte zurück auf den Platz fahre bin ich froh, Ivos neuen Anhänger abzukuppeln und ohne große Umwege mit dem SUP auf den See zu starten. Der Algen wegen verzichte ich aufs Schwimmen und begnüge mich damit, hier und da an- und die Beine ins Wasser zu halten. Auch Ivo stellt sich am Ufer immer wieder bis zur Flauschplautze in den See. Davon, daraus zu trinken, rate ich ihm sicherheitshalber eindringlich ab.
Abends erscheint plötzlich ein Nachbar auf meiner Parzelle und wundert sich, dass der Hausmeister das so überhaupt nicht locker sieht. Der Mann, Typ „zerstreuter Camping- Professor“, fragt, ob er meinen Camper mal von innen sehen dürfe, er habe seinen T6 selbst ausgebaut. Wir einigen uns darauf, dass ich dann aber auch mal gucken darf. Schon verrückt, was manche Menschen sich einbilden, bauen zu können. Im WDR gab’s mal eine Handwerker- Doku mit dem treffenden Titel „Soll das so…?“, in der Handwerkerprofis Heimwerker retteten, wenn deren Projekte zu arg am Ziel vorbei schossen. Dieses arme Auto hier wäre ein Kandidat für die nächste Staffel. Und die übernächste. Schade um den schönen Bulli.
Die Abende beschließe ich mit Salat und Pitabrot und lausche dabei den drei Dauercampernachbarn gegenüber, die über die Chefin, ihre Handlanger und den Zustand der Anlagen lästern und am zweiten Abend leise alte Maffay- Hits singen, weil „Mannis Plutuh-Box keinen Saft mehr hat.“
Zum meiner Linken schlafen müde Camping- Kinder bei offenem Wohnwagenfenster mit „Bibi und Tina und der Waldbrand“ ein und ich hoffe, dass ich bei Warnstufe vier von fünf dem Thema in diesem Urlaub nirgends näher komme als hier.
Bei meiner Abreise werfe ich Karte nach einem letzen Düdüt in den Briefkasten und bin froh, weiterzuziehen. Ich freue mich auf einen klaren See, einen grünen Platz, mehr Schatten und weniger Düdüt. Keine Ahnung, vor was für Eindringlingen man hier Angst hat. Jedes dieser Tore kann man, wenn man nur will, leicht überklettern und von der Seeseite den Platz sowieso gut erreichen (sofern man eins der wenigen nicht eingezäunten Stücke Ufer zum Einsetzen seines Piratenschiffs findet), aber angesichts der überall hier stehenden beeindruckenden Zäune, Tore und Stacheldrähte scheint man in Brandenburg ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis zu spüren.
Mal schauen, wie sicher ich mich in MV ohne pausenloses. Düdüt fühle. Zum Glück habe ich ja meinen kleinen Wachhund dabei. Der macht bei Bedarf auch Geräusche. Aber andere.
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…und überall Gewässer 1 – Weserbogen
Als ich am Freitagmorgen viel zu früh in den Brummi steige surrt hinter mir schon hochmotiviert der Kühlschrank. Ein eindeutiges Zeichen, eigentlich, dass jetzt Urlaub ist und nichts mehr zu erledigen. Heute allerdings stimmt das nicht.
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Camping in Lottum
Je älter man wird, und ja: ich nenne mich gerade selbst alt, jedenfalls: je älter man wird, desto weniger neue Menschen lernt man kennen. Es sei denn, man vertrödelt seine Zeit, wie ich, unter anderem auf Social Media und klickt wildfremde Accounts zu den Themen an, die einen beschäftigen.
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Burg Drachenschloss
Königswinter an einem Samstag. Langsam füllt sich der Schotterparkplatz, auf dem Glo den Brummi rückwärts in eine Parklücke rangiert. Alle hier haben dasselbe Ziel wie wir: rauf auf den Drachenfels.
Als ich mich heute morgen auf den Weg Richtung Rhein gemacht habe, quetschte die Sonne sich noch mühevoll durch eine Wolkendecke. Inzwischen schiebt der kräftige Wind die Wolken mehr und mehr beiseite. Dazwischen leuchtet der Himmel blau. Viel zu selten war das so, in den letzten Wochen. Und umso mehr freuen wir uns, ausgerechnet heute einen Ausflug machen zu dürfen.
Glo kämpft noch gegen den Parkscheinautomaten, als ich den Hund anleine und Komoot starte. Dann latschen wir los. „Ab jetzt nur bergauf…“ zuckt Glo mit den Schultern, als wir die ersten Meter hinter uns bringen: “…aber: lohnt sich. Versprochen!” Na, dann will ich das mal glauben.
Eselsweg heißt die Straße, die wir mit ziemlich kleinen Schritten unter uns durch schieben. Vor ziemlich genau 200 Jahren kamen geschäftstüchtige Anwohner auf die Idee, nicht nur wie bisher Steine aus den Steinbrüchen sondern fortan auch Besucher auf dem Rücken von Eseln zu transportieren. In Anbetracht der doch ganz ansehnlichen Steigung sicher eine ziemlich gewinnbringende Idee. Ich überlege kurz, wie viele Esel ich mieten müsste, um mein Gewicht Richtung Aussichtspunkt schöckeln zu lassen, ohne den Tierschutz am Hals zu haben.
Tatsächlich gibt es, so verrät mir Wikipedia, auch heute noch einen Esel…äh…„vermieter“. Im Gegesatz zu früher werden aber nur noch Kinder bis 40 Kilo bergan geeselet. Und das auch nur zu gewissen Eselsaisonzeiten. Im Februar jedenfalls sind keine Esel anwesend. Vermutlich noch im Winterschlaf. Oder in der Wartung.
Hätten wir trotzdem keine Lust mehr auf Aufstieg, gäbe es auch bei Überschreitung der Eseltraglast eine Lösung für Glo und mich. Eine Zahnradbahn schlängelt sich, nicht weniger niedlich als mancher Esel vermutlich, am Hang entlang zum Drachenfels. Saison hat sie auch. Wir entscheiden uns trotzdem zu laufen.
Auf den ersten Metern passieren wir allerlei Verkaufsbuden, die im Sommer sicher tolle Quengelgelegenheiten für den Berg hoch nörgelnde Kinder bieten. Eine Art Kiosk, der auch jetzt im Februar schon mit vielen bunten Lollis auf sich aufmerksam macht, einen Imkerstand, der alles anbietet, was die örtlichen Bienen so abwerfen. Auch bis zum ersten Biergarten ist es nicht weit. Hätten wir heute 20°C mehr – ich bin nicht sicher, ob ich mir nicht auch schon das erste kühle Getränk bei Glo erquengelt hätte. Immerhin sind wir schon locker 15 Minuten unterwegs…
Auch Glo wirft das Thema Verpflegung auf, verspricht aber, dass es nachher oben einen Imbiss und einen Kiosk gibt. Sehr gut. Die Latscherei gewinnt an Sinnhaftigkeit.
Etwa nach der Hälfte des Weges treffen wir in Höhe des Schloss Drachenburg zum ersten Mal seit der Talstation wieder auf Drachenfelsbahn. Seit 1883 kann man sich bequem von Königswinter City hier hoch kutschieren lassen. Erst seit 1884 allerdings schaut man dann auf halber Strecke wie wir auf Schloss Drachenburg. Wikipedia sagt, dass ein pariser Börsenspekulant mit bonner Wurzeln die richtige Mischung aus Geld, Selbstbewusstsein und Lust auf Historismus hatte, sich dieses wirklich imposante Schloss an diese recht prominente Stelle bauen zu lassen. Falls ihr jetzt überlegt, wie ihr an die Kohle für ähnliche Projekte kommt: der Bauherr damals hatte unter anderem in Aktien für den Sues- und den Panamakanal investiert. Damals war aber die Ever Given da auch noch kein Thema.
Heute dient die nicht gerade dezente Hütte unter anderem als Kulisse für die XXL- Folgen von Bares für Rares. Solltet ihr auf dem Speicher noch irgendeinen ollen Prüjel finden, den ihr verhökern wollt und der mit achzisch Eujro juut bezahlt is, denkt dran: behaltet de Nerve!
Im Moment hat die Anlage geschlossen. Glo und ich bleiben also Zaungäste und haben keine Ausrede, uns länger vor der zweiten Hälfte des Aufstiegs zu drücken.
Wir tauschen den asphaltierten Weg gegen den Wald, was nicht nur den Hund freut. Die Ruine auf dem Drachenfels kommt auch endlich in Sicht, was dem Hund allerdings relativ egal zu sein scheint. Links von uns werden die Felswände steiler. Glo erzählt, dass die Wege zur Ruine wegen Steinschlag fast zwei Jahre gesperrt waren. Wenn ich mir die Brocken, die am Wegesrand liegen, so ansehe, bin ich ganz froh über die erneuerten Sicherungsnetze und Monsterschrauben. Nicht auszudenken, wenn so n Trümmer hier runter kullert, während an einem sonnigen Wochenende Massen an Touris aus aller über die Waldwege schnaufen.
Glo und ich schnaufen erfreulich wenig, haben aber auch beschlossen heute nicht in Eile zu sein. Erstens ist der Weg das Ziel, zweitens haben wir keine Termine und drittens sieht man mehr von der Strecke, wenn man öfter mal anhält. Ab und an kann man inzwischen einen Blick auf den Rhein in Richtung Köln erhaschen. Auch den Dom kann man erahnen, wenn man weiß, dass er da ist. Wie muss sich das für die Arbeiter aus dem Steinbruch damals wohl früher angefühlt haben, den Dom am Horizont zu erkennen, gebaut größtenteils aus den Steinen, den sie mit ihren Eseln aus dem Steinbruch vom Drachenfels runter zum Rhein schlörrten? Schon praktisch, so eine Wasserstraße, die vom Steinbruch direkt bis an die Baustelle führt. Und das auch noch flußabwärts.
Auf den letzten Metern entlang der imposanten Felswand werden die Wege voller. Die Ausflügler sprechen alle möglichen Sprachen. Ich erkenne Englisch, Französisch, höre einen Niederländer und sogar einige Japaner. Nicht nur die Nähe zur ehemaligen Hauptstadt dürfte dazu geführt haben, dass dieser Ort es in wohl jeden Reiseführer zur Region geschafft hat.
Noch eine letzte Kurve, dann verlassen wir den Wald und stapfen ein paar Stufen zur Aussichtsplattform hoch. Nun, ohne störende Bäume, ist er da, dieser Blick. Und ich verstehe sie sofort alle. Den Reiseführer, die Touristen, den pariser Börsenspekulanten, den Eselvermieter und Zahnradbahnerfinder. Man will hier hoch. Man will das sehen.
So stehen wir da. Und gucken. Und sind verzaubert. Rhein, Siebengebirge, noch mehr Rhein, da hinten, ganz klein, aber gut erkennbar auch Köln mitsamt Dom und Fernsehturm. Die Wolken sind inzwischen komplett aufgelockert als hätten sie sich hübsch gemacht für unsere Fotos.
Es dauert einen Moment, bis wir uns von dem Ausblick trennen mögen. Aber noch waren wir nicht ganz oben am Bergfried der Burgruine. Die Pfade werden schmaler und auch hier tummeln sich einige Wanderer. Bis wir einen der begehrten Plätze mit der besten Aussicht ergattern dauert es einen Augenblick. Der Wind sorgt für eine gute Aussichtswilligenfluktuation. Auch uns weht er so um die warmgelaufenen Ohren, dass wir nach einigen Minuten schon wieder den Abstieg einläuten.
Vorbei an der großen Aussichtsplattform und der Bergstation der Drachenfelsbahn entscheiden wir uns für einen anderen Rückweg über einen Hohlweg ins Tal. Obwohl die Bäume noch kahl sind und das Wetter wirklich fantastisch ist kommt hier keine Sonne hin. Die Hundefüße platschen laut durch den Matsch und auch unsere Wanderschuhe werden heute Abend eine Wäsche bitter nötig haben. Auf einem Esel wäre das nicht passiert.
Zurück in Königswinter suchen wir an der Promenade unter Bäumen einen Snack, bevor wir zur Insel Grafenwerth weiterziehen. Hier haben wir aus dem Park von unten einen tollen Blick auf den Drachenfels. So nah wie hier war ich dem Rhein lange nicht. Auf dem Weg zur nördlichen Spitze der kleinen Insel überspült er den Pfad sogar, wenn ein Schiff vorbeikommt. Und so friedlich Wasser auch sonst scheinen mag, so gern ich den vorbeifahrenden Schiffen zusehe – richtig geheuer ist mir dieser gewaltige Fluss gerade irgendwie nicht. Dort, wo das Wasser über die Buhnen rauscht erahnt man, mit welcher Wucht es gierig alles mitreißen will, was es erwischen kann. Zum Glück muss ich dem Hund nicht zweimal sagen, dass er im Wasser nichts verloren hat. Badetag ist bei der Landratte frühestens im April. Und dann auch nur gegen Bestechung.
Langsam wird es kalt. Die Sonne verschwindet hinter dem Rolandsbogen auf der anderen Rheinseite und bevor es dunkel wird, machen Glo und ich uns auf den Rückweg zum Brummi.
Satt und sehr zufrieden schalten wir nach knapp sechs Stunden an der frischen Luft mit letzter Kraft die Sitzheizung ein.
Danke, Glo, fürs Ausdenken der Runde, deine Gastfreundschaft und dafür, dass du ausgerechnet heute zwischen den grauen Regentagen so frühlingshaftes Wetter organisiert hast.
Ich habe am Morgen bei Komoot auf “aufzeichnen” gedrückt, ohne irgendwas über die Strecke, die Höhenmeter oder die Gegend gelesen zu haben. Ich konnte mich beim Latschen zurücklehnen, weil ich wusste: das wird gut. So viel Gelassenheit gelingt mir selten. Danke auch dafür!
Und: warum diese Burg Drachenschloss heißt, oder umgekehrt, das ergründen wir dann ein anderes Mal.


























