Kategorie: Brummi

  • #Urlaub2026 – Endspurt

    #Urlaub2026 – Endspurt

    Die aufmerksame Leserin hat schon längst bemerkt, dass ich hintenraus nachlässig geworden bin, was die Dokumentation des Frankreichurlaubs anging. Nicht aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit. Es war die Faulheit, die mich abhielt, euch zu berichten, von den letzten Stopps. Und ein bisschen auch die Tatsache, dass ich genervt war, von der ewigen Suche nach der Wolkenlücke auf dem Regenradar bei der Auswahl des nächsten Ziels.

    Reiten wir also im Eselstrab zügig, aber nicht übereilt, durch die Aufzeichnungen meines Tagebuchs und werten gemeinsam aus, was da noch so war…

    Lac du Der

    Auf dem Weg weiter nach Norden, zu einem Camping, von dem ich euch gleich auch definitiv noch zu berichten haben werde, machen wir bei herrlicher Sonne einen ausflugsartigen Zwischenstopp an einem der vielen Seen, die Frankreich hier, in seiner Mitte (naja, da haben die ja viel von, aber hier ist auf jeden Fall auch eine) bereithält.

    Als wir uns an der Karte langsam ran zoomen, an den Lac, stellt sich bald heraus, dass das hier keine entspannte Spazierrunde um den See werden könnte. Wer deutsche Zoomverhältnise gewöhnt ist, vermutet das beim Blick auf die Karte vielleicht. Im Größenvergleich zu Frankreichs Mitte ist das hier ein normalgroßer See. Im Vergleich zur Hunderunde allerdings sind es mehrere Tagesritte.

    Also lassen wir uns von kommot einen machbaren Ausflug planen, finden bald heraus, dass das hier Frankreichs größter Stausee zu sein scheint, besuchen die beim Stauseebau errichtete Kirche und staunen über das Kirchenfenster, das in Gedenken an die im See versenkten Dörfer eine Giraffe ziert, die am Seegrund im ehemaligen stehend ihren Kopf im Gegensatz zu allen anderen noch aus dem Wasser zu recken in der Lage ist.

    Wir peilen Pommes an, müssen dazu über eine (wie ich, wieder vollends von meinen Fußgängerbrücken Erfahrungsgrößen ausgedribbelt die Seegröße verkennend) für eher kurz gehalten hatte, die sich aber dann als Metallgitterkonstruktion erweist, auf die verständlicherweise der Hund nicht eine Pfote zu setzen bereit ist. Der Hund natürlich, der bei der Giraffenkirche noch seine untere Hälfte in den See getunkt hatte. Bei der 10minütigen Brückenquerung kühlt also nun Ivos feuchte Plauze meine bislang trockene. Aber was tut man nicht alles für seinen kleinen Hausmeister…

    Auf dem Rückweg nah der feine Herr Fifi dann auf meiner rechten Schulter platz, was mir ein bisschen erleichterte Trageverhältnisse und ihm die Option verschaffte, sich mit seinem linken Hinterbein auf meinem Rücken festzukrallen.

    Camping Le Colombier

    Auf dem Weg zum Campingplatz fuhren wir dann durch eine Landschaft, die sehr an die Eifel erinnert, allerdings mit dem Unterschied, dass das Fachwerk hellbraun ist, die urigen Straßendörfchen winzig sind und jede Milchkanne hier ein eigenes kleines Rathaus hat.

    Irgendwann wird die Landschaft weiter, wir passieren einen enormen Militärstandort und parken ein paar Kilometer weiter den Brummi an der Einfahrt einer keinen Festung, die offenbar unser Campingplatz sein soll. Hinter den Mauern verschwindet Glo zu einem etwa 20minütigen Eincheckvorgang, bei dem ihr der Platz, die Schlappenpflicht im Sanitär, die Sehenswürdigkeiten der Gegend und alles darüber hinaus erläutert werden. Dann suchen wir zu Fuß einen Platz aus, finden einen ohne Nachbarn im Halbschatten und die Masse Schranke öffnet sich. Wenn alle Campingplatzbetreiber sich nur halb so viel Mühe gäben wie dieser hier, wäre die Welt eine deutlich bessere.

    Auch hier haben wir uns in Sachen See verschätzt, was die Entfernung zum Ufer und die Größe des Gewässers betrifft, aber immerhin schaffen wir es an zweiten Tag unter die Bäume am Ufer, um dort mehreren Jetskifahrern zu lauschen, die die eh viel zu herrliche Ruhe mit ihren monströsen Maschinen zum Glück ein bisschen unterbrechen. Wir spielen ein paar Runden Quixx auf einer Picknickbank und schaffen es angemessen hungrig an den heimischen Grill zurück. Ich will nicht sagen, wir seien primitive Esserinnen, aber Bratkartoffeln mit Bratwurststücken und Baguette mit Humus tragen uns recht verlässlich durch diese Reise.

    Um die kulinarische Erfahrung vollends abzurunden entscheide ich mich für ein Twister Eis aus dem Campingshop und packe zufrieden am Abend die Küche und die Sitzgelegenheiten wieder ins Auto. Morgen geht es weiter. Über Nacht soll es Regnen. Die Regeln des Urlaubs gelten für alle Stationen…

    Calais

    Das Regenradar verspricht für die kommenden Tage nur für wenige Abschnitte der Küste ein wenig Hoffnung auf Sonne. Also gurken wir schon wieder einige hundert Kilometer nach Norden. Die Eifeligkeit der Landschaft nimmt langsam ab, bis wir irgendwann in Calais auf einen Platz fahren, der mit dem letzten bis auf den Zweck des Übernachten wenig gemeinsam hat. Die Frau am Empfang hat keine Lust auf irgendeine Art von Erklärung. Der Flyer mahnt, dass „Abflüge“ bis maximal 12 Uhr zu erfolgen haben und auch sonst ist das hier alles eher ein nett parzellierter Parkplatz mit okayem Sanitär.

    Hinter dem Zaun und einem kleinen Wohngebiet stehen wir dann plötzlich am Meer. Nach London wäre es jetzt näher als nach Hause. Leider haben wir gerade weder Kahn noch Reisepass, also entscheiden wir uns, den Urlaub hier zwei Tage ausklingen zu lassen und dann scharf nach Osten abzubiegen.

    Calais hält, was eine Gebrauchs-Stadt verspricht. Alles hier dient dazu, dass Menschen auf Fähren oder in Tunneln auf eine Insel kommen. Der Stadtkern hat weitestgehend keine Lust auf Kundschaft und schließt seine Geschäfte, wenn Menschen dort etwas zu kaufen drohen. Die meisten Cafés und Restaurants fallen deshalb aus. Mit Ach und Krach gelingt es uns, einen Magneten in der Touristeninfo zu kaufen. Der anschließende Cappuccino erweist sich als lauwarmer Milchkaffee mit Sprühsahne. Immerhin gibt diese „Stadt“ ein stimmiges Bild ab. Als wir uns im Einkaufscenter vor dem Regen verkriechen wollen stellt sich raus, dass der Hund nicht mit rein darf. Dass er daraufhin seinen Mageninhalt vor den Haupteingang ausleert, finde ich übertrieben. Aber muss er selbst wissen. Glo sucht in dem Center dann eine Toilette, findet aber nur einen Viererzug Nationalgardisten in urbanem Flecktarn an den Schaufenstern entlang Streife gehen, dass es jedem Taschendieb Angst und Bange wird. Der Jüngste in der Runde sieht ernsthaft aus, als sei er noch gar nicht volljährig und müsste in Helm und Sturmgewehr erst noch reinwachsen. Aber die anderen drei haben ausreichend trainiert, um den kleinen sicher wieder nach Hause zu tragen.

    Pudelnass kommen wir am frühen Abend zum Auto zurück und müssen die seltsamen Eindrücke erstmal verarbeiten.

    Am nächsten Tag also geht es nach Hause, obwohl noch ein paar Urlaubstage übrig sind. Aber meine Laune hat einen Wasserschaden und ich bin ganz dankbar, dass Glo damit leben kann, die nächsten Tage bei mir in der Heimat zu verbringen, wo wir aus einer festen Unterkunft mit trocken erreichbarem Klo heraus noch einen Ausflug ins Centro planen, ein Krimispiel lösen und einfach ein bisschen sitzen.

  • Urlaub 2026 – Pause vom Nichtstun bei Wassy

    Urlaub 2026 – Pause vom Nichtstun bei Wassy

    Ohne Magnet, ohne Yousef und im Regen lassen wir das AirBnB hinter uns. Dem Wetter zu entkommen ist heute mal wieder unsere Mission. Damit die Menschen angesichts der Fotos nachher sagen, dass wir ja Glück hatten mit dem Wetter. Hatten wir dann mal wieder nicht, aber wir hatten einen Brummi und Sprit im Tank und ein Regenradar. Und sind immer rechtzeitig weitergezogen, wenn es möglich war.

    Heute ist es möglich. Wir ziehen weiter nach Wassy. Falls sich jemand fragt, wo das ist: keine Ahnung. Nördlich von Mâcon, da wo das Regenradar eine Lücke hat. Der Platz fühlt sich an wie eine Park-Anlage. Gegenüber eines kleinen Spielplatzes und neben dem gepflegten Sanitär stülpen wir dem Brummi die Regenhaube über und verkriechen uns. Ab und zu zieht Glo mich bei Dizzle ab. Dann geht Hund mit uns eine kleine Runde. Dann sitzen wir wieder. Es passiert so wenig, dass ich noch nicht mal die Kamera aus ihrem Versteck ziehe. Die Gegend ist so herrlich langweilig, dass sie zu filmen zu aufregend wäre. „Hier verläuft man sich nicht hin, hierfür muss man sich entscheiden“ fasst Glo passend zusammen. und dann sitzen wir wieder. Und wischen über die Displays, auf der Suche nach der nächsten Wolkenlücke im Regenradar, die uns den nächsten Stopp verheisst. Und die Abende enden mit der Buskinopremiere des Jahres. Die Bergretter in der BR Doku sind in höchster Not. Wir legen die Füße hoch, bewundern ihre Arbeit und essen unser kleines Apéro, auf das heute nur ein schlichter Nudelsalat folgt. Nudeln. Und Pesto. Genau die Aufregung an Mahlzeit, die uns heute noch zuzumuten ist.

  • Urlaub 2026 – Tschüß, Yousef!

    Urlaub 2026 – Tschüß, Yousef!

    Es sei sein letzter Anruf, sagt Yousef, und, dass er uns alles Gute wünscht. Glo bedankt sich freundlich. Schade, dass unsere kurze Telefonfreundschaft mit dem sehr bemühten AirBnB-Kundenbetreuer schon wieder endet.

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  • Urlaub 2026 – kein Gas am #RocheDeSolutré

    Urlaub 2026 – kein Gas am #RocheDeSolutré

    Klar, so ein AirBnB hat Vorteile, wenn man sich ein paar Tage vor dem Regen verkriechen mag. Es gibt eine Küche, die man nicht draußen auf dem hohen Tisch neben dem kleinen Tisch neben den Klappstühlen aufbauen muss. Es gibt eine Dusche, die man in weniger als einem Tagesritt erreicht und es gibt ein Sofa, auf dem man die Füße hochlegen und im Fernsehen ein bisschen Quatsch gucken kann. Und zwischendurch gibt es Sandwiches.

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  • Urlaub 2026 – «The pömp does not work » Weiter nach #Mâcon

    Urlaub 2026 – «The pömp does not work » Weiter nach #Mâcon

    « Ah, nooon! The pömp does not work, but… » Der Mann an der Kasse zuckt die schmalen Franzosenschultern « … you can buy here! » . Mit den Händen formt er einen Quader vor seiner Brust. „Non, merci, I‘m fine!“ seufze ich in meinem gepflegtesten Frenglisch, während ich schon wieder in Richtung Tür stapfe. Glo sieht schon aus der Ferne, dass ich wohl erfolglos war. An dieser Rastanlage kriegen wir wohl kein AdBlue. Ich habe mindestens zehnmal den kleinen Rüssel in den Bulli gefriemelt und dabei versucht, möglichst wenig dieser fiesen weißen Kristalle abzugrabbeln, die an der Zapfpistole gerne mal festpappen. An der hier ging es sogar.

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  • Urlaub 2026 – Auf gehts! #Oberried

    Urlaub 2026 – Auf gehts! #Oberried

    Dieses Jahr setzt die gepflegte Verwahrlosung erfreulich schnell ein, finden wir. Gleich nach dem Einparken, um genau zu sein. Denn wir beschließen, dass wir heute keinen Tisch mehr brauchen. Also: bis auf den kleinen, auf den wir die Füße legen und den hohen, auf dem wir nachher die Nudeln kochen. Aber essen, das geht super mit Schüssel in der Hand im Klappstuhl hinter dem Bulli. Und auch sonst läuft Urlaubstag eins erstaunlich flüssig. Wir kommen gut durch, auf unserem Weg in den Süden, und ich darf sogar zweimal den Notruf wählen. Einmal, als der dickbäuchige Mann im engen goldenen Jogginganzug mit zwei Überbrückungskabeln winkend an der Ausfahrt Ferntal Hilfsbedürftigkeit vortäuscht, und nochmal wegen des brennenden Mercedes ein paar Hundert Kilometer weiter, wo der Kollege am Telefon schon niedlich nach Schwarzwald klingt.

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  • Maastricht – Eine Stadt und ihr Geiger!

    Maastricht – Eine Stadt und ihr Geiger!

    „Ist das The Hoff?“ Tina bleibt stehen. Eigentlich sind wir wegen der Basilika in diese Straße abgebogen.  Jetzt verharren wir vor dem großflächig bedruckten Sichtschutz. Links darauf ein Mann, der tatsächlich eine schmeichelhaft gephotoshopte Version des inzwischen leicht verbrauchten 80er Jahre Bademeisters sein könnte. Rechts von ihm André Rieu. Tragischweise einbeinig. Der Bildbearbeiter hatte sein Pulver vermutlich beim geradebügeln von The Hoffs Gesicht verschossen. Kann man verstehen.

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  • Omaha Beach

    Omaha Beach

    “Come! Over here!“ schreit die Männerstimme aus dem Lautsprecher über mir. Gewehrsalven dröhnen. Granaten explodieren. Männer brüllen wild durcheinander. Ich greife nach zwei Zeitungsseiten. Auf Aluminium gedruckt stecken sie in einem Regal neben mir. „JOUR DE VICTOIRE“ titelt die eine, „L’ ALLEMAGNE A CAPITULÈ“, die andere Titelseite.

    Heute ist der 08. Mai 2023. Das Ende es zweiten Weltkriegs jährt sich zum 78. Mal. 

    Ein guter Tag für einen Besuch in einem Museum wie diesem. Langsam bewegen wir uns durch die Ausstellung im „Operation Overlord“ Museum, ergriffen von den Exponaten und beeindruckt von der Tiefe der Dioramen.

    Am Ende der Ausstellung kommen wir in einen langen Gang. An den Wänden hängen großformatige Portraits von alt gewordenen D-Day Veteranen bei Jahrestagen am Strand von Omaha Beach. daneben in klein Fotos von damals. Stolz stehen sie da, in ihren Uniformen mit ihren Abzeichen. Kurze Texte neben den Bildern erzählen uns von ihren ganz persönlichen Erinnerungen an die Operation Overlord. Heldengeschichten finde ich keine. Stattdessen lese ich grausame Schilderungen ängstlicher junger Männer, von im Wasser treibenden Leichen, zurückgelassenen verwundeten Kameraden, von der Suche nach Deckung im Angesicht des eigenen Todes. Es geht ums Töten und getötet Werden.

    Ich muss schwer schlucken und merke, dass ich mich den Portraits kurz abwenden möchte. Mit einem Klos im Hals gehe ich ein paar Schritte an den Fotos entlang, entscheide mich dann aber, weiter zu lesen. Ich habe jetzt zwar einen kleinen Eindruck, wie dieser Morgen im Juni 1944 abgelaufen sein könnte. Was die Soldaten am D-Day wirklich erlebt haben? Ich kann es mir in den dunkelsten Gedanken nicht ausmalen. 

    Wir haben das Ende der Ausstellung erreicht. Im obligatorischen Souvenierladen staune ich über D-Day Tassen, Klemmbausteinbunker und niedlichen Bärchen mit „Bruchpilot“- Aufdrucken. Dass hier viele Amerikaner shoppen, ist recht leicht zu erraten.

    Nach dem Besuch des Museums entschließen wir uns, wenigstens noch einen kleinen Rundgang über den nahen amerikanischen Soldatenfriedhof direkt an der Steilküste zumachen. Dort kann ich die Eindrücke aus dem Museum langsam sacken lassen. Um mich herum werden Busladungen amerikanischer Touristen von ihren Guides herumgeführt. Im Hintergrund klingt vom Memorial her als Glockenspiel The Star-Sprangled Banner.

    Zum ersten Mal heute bricht die Sonne durch die Wolken und der Strand von Colleville-sur-Mer, Omaha Beach, über den alle hier aufs Wasser blicken, könnte kaum beschaulicher aussehen. 

    Nachdenklich, demütig, radele ich zum Brummi zurück. Aus der Schiebetür kann ich Omaha Beach weit überblicken. Neben dem Stranzugang ragen Reste von Wehrmachtsstellungen aus den Klippen, „wie das eben so ist“ an der normannischen und bretonischen Küste. Immer wieder schleicht sich der Gedanke ein, dass von hier oben aus die Soldaten auf den Portraits beschossen und tausende von ihnen getötet wurden. Hier, auf dieser wunderschönen Klippe, mit diesem zauberhaften Blick über dieses unschuldige Wasser, fand soetwas wie ein Anfang vom Ende des zweiten Weltkriegs statt und mein Gehirn hat echt Schwierigkeiten, die Schönheit der Gegend und ihre furchtbare Geschichte gleichzeitig zu verarbeiten.

    In den letzten zwei Tagen habe ich ein bisschen mehr verstanden, was hier damals passiert ist. Begreifen werde ich es wohl nie können.

  • Angers – Wandteppich der Apokalypse

    Angers – Wandteppich der Apokalypse

    Heute sind wir zum ersten Mal auf dieser Reise recht spontan. 

    Als wir morgens in Saumur die Fahrräder auf den Brummi laden haben wir zwar eine Vorstellung, welcher Platz es für den Abend werden könnte, reserviert haben wir allerdings noch nicht. Wir verlassen uns auf die Nebensaison und die Menge an Alternativen.

    Nahe Saumur möchte ich noch die Unesco Welterbestätte „Troglodytes et sarcophages„ besuchen. Das Navi allerdings hat seine Hausaufgaben gemacht und verrät, als wir losfahren, dass die Höhlen dienstags Ruhetag haben. Hätten wir so ein Google damals beim Frankreich- Schüleraustausch schon gehabt, hätte der Französischlehrer in dem eigens gemieteten Reisebus vor dem montags geschlossenen Freilichtmuseum Hagen nicht ganz so belämmert ausgesehen. Im Gegensatz zu ihm damals haben wir den charmanten Vorteil, uns vom Handy auch gleich einen Kulturausflugsplan B vorschlagen lassen zu können.

    Glo und Google einigen sich auf einen Besuch der Festung von Angers. Dafür sprechen ihre verkehrsgünstige Lage auf halber Strecke ans Meer (die der Festung, nicht die der Glo) und ihre 4 1/2 Google- Sterne (äh: auch die der Festung…). Denn: seien wir ehrlich, nach anderen Kriterien sind wir zwei Geschichtsbanausinnen auch nicht in der Lage, unter den unendlichen Schlossbesichtigungsmöglichkeiten längs der Loire die Beste auszusuchen.

    Als wir Angers erreichen bin ich geneigt, für die miserable Parkplatzsituation gleich einen halben Google- Stern abzuziehen. Rings um die Festung findet sich nur mit dreimal im Kreis Fahren ein Platz für den Bummi. Da hätten die… äh… Angerer Festungsbauer (ich gendere hier mal nicht, so viele Maurerinnen dürften damals den Bumms hier nicht hochgezogen haben…) aber ein wenig zugunsten eines Parkplatzes am Garten sparen können.

    Mit zwei Tickets und einem deutschen Flyer bewaffnet nehmen Glo und ich in einem Handstreich den Innenhof der recht stattlichen Festung ein. So leicht kam man vierzehnhun… damals irgendwann vermutlich als deutsche Touristin nicht hier rein. Wenn man vierzehnhundertdings überhaupt einen Brummi hatte, der einen hätte zur Festung fahren können. Und einen Parkplatz musste ja auch noch frei sein.

    Glo steckt jedenfalls sofort die Nase in den Flyer und verkündet, dass wir 12 Punkte abzuhaken haben, um als Angerer Festungsexpertinnen hier wieder raus zu gehen. Zwölf, denke ich, sind ganz schön viele. Ich meine: alte Steine hier, Garten dort, da ne Kapelle. Zack, feddich, Festung. Um meinem Tour Guide nicht gleich die Motivation zu rauben schweige ich höflich und folge zu Punkt 1. Los geht‘s. „Hier stehen wir vor dem… kacke! Ich hab mein Portmonee im Auto vergessen!“ Ups. Nach ein wenig hin und her überlegen entscheidet Glo todesmutig, ans Gute zu Glauben und nicht noch einmal zurück zum Brummi zu latschen. Von nun an mischt sich unter Glos Vorträge über Gärten, Wehrgänge und Wohngebäude, die sie mir hochprofessionell aus dem mediocre in Deutsche übersetzen Flyer hält, solange dann und wann ein: „Manno! Oder geh ich das besser doch noch holen?“ bis wir die Festungsmauer erklimmen und uns beim Blick auf unser fahrendes Home und zugleich Castle von der Unversehrtheit sämtlicher Brummischeiben überzeugen können.

    Im Inneren der alten Gebäude haben wir inzwischen etwas über die Geschichte der Wandteppiche erfahren. Ich wüsste wenige Situationen im Leben, in denen mich mittelalterliche Wandteppichstories aus der Reserve gelockt hätten. Hier allerdings stehen wir, so verspricht ein ansprechend designtes Plakat hinter der ersten Tür, auf dem eine als Comic gezeichnete Frau mit einem Schild einen feuerspeienden Drachen abwehrt, vom „Teppichzyklus der Apokalypse“ nur 50 Meter entfernt.

    Apokalyptische Wandteppiche? Aus dem Mittelalter? Ihr dachtet wie ich bisher, der Place Dauphine mit den Pétanquespielern in Paris sei die Zufallsentdeckung der Reise? Ihr wisst offenbar nichts über apokalyptische Wandteppichwebekunst.

    Wir folgen also der Ausstellung, die sich freundlicherweise an verspielte Gemüter wie unsere wendet, lernen Einiges über Wolle und das Teppichweben an sich, über den wärmenden und schmückenden Zweck von Wandteppichen und Glo schlägt mich vernichtend in einer Partie „Wer ist es?“, in der sie meine Identität als „Cathérine la cardeuse“ in wenigen Fragen enttarnt.

    Wieder im Hof habe ich dann allerdings genug alte Steine gesehen (vielleicht wirkt auch die Enttäuschung über die Niederlage nach?) und schlage Glo vor, den Rest ihrer Liste alleine abzuhaken, während ich mir ein Plätzchen suchen und statt alter Steine Menschen beobachten könnte. In strenger Tour-Guide-Manier besteht sie allerdings darauf, den Finalen 12. Flyer-Punkt nun aber auch noch abzuhaken. Seufzend raffe ich mich, obwohl ich sicher bin, alles über Festung und Teppiche aufgeschnappt zu haben, was ich für mein weiteres Leben so brauche, auf und trotte ihr tapfer hinterher.

    Schon leicht geschafft liest Glo also vor: „12: Die Galerie der Apokalypse: Diese L-förmige Galerie wurde in der Mitte des 20. Jh. an der Stelle von zerstörten Gebäuden errichtet und 1996 umgebaut. Sie birgt den monumentalen Wandteppichzyklus.“ Die Erläuterungen zum Wandteppichzyklus der Apokalypse auf der Rückseite des Faltblatts enthält sie mir vor. Dann betreten wir ein Glasfoyer, das mir für ein paar muffige Teppiche als reichlich übertrieben und zu dem sonst eher bodenständigen Ausstellungsambiente der Festung nicht so recht zu passen scheint. 

    Durch eine unscheinbare Tür kommen wir schließlich hinter einer französischen Rentnergruppe in einen L-förmigen Rau. Dort bleiben wir, verdattert und demütig, stehen. Denn nur zwei Meter vor uns hängt plötzlich tatsächlich ein meterhohes, schier endloses Kunstwerk. Der Wandteppich. Was wohl den Herzog 1373 geritten hat, so einen Teppich- Kawenzmann in Auftrag zu geben? Ich stelle mir das Gespräch etwa so vor: „Einmal die Offenbarung des Johannes als Teppich zum Hinhängen bitte! Maße: Ach, wat soll der Geiz, machen Se mal so 100 Meter, so ne Festung hat ja das eine oder andere Zimmer…“.

    So schlendern wir also, flüsternd und staunend, dran längs, an diesem riesigen biblischen Wandtattoo und schicken demjenigen dankbare Grüße, der beschlossen hat, dass die Höhlen bei Saumur dienstags Ruhetag haben.

    Auf dem Rückweg zum sicher eingeschlossen Portmonee entschuldige ich mich aufrichtig bei Glo dafür, dass ich von ihrer zwölfteiligen Führung beinahe kurz vor dem grande Finale abgesprungen wäre. Das wäre wirklich ein Fehler gewesen.

    Dann drücken wir, soweit es die Sorge vor den mutmaßlich horrenden bretonischen Bußgeldern zulässt, weiter in Richtung Westen. Als wir um 17.56 mit hektischem Schweiß auf der Stirn vor dem Campingplatz bei Prévailles parken, um vier Minuten vor Rezeptionsschluss noch einen Platz mit Meerblick zu reservieren, ist mein Feuer für die Wandteppichapokalypse bereits wieder erloschen. 

    Aber einmal mehr ist bewiesen, dass man spontanen Ideen (ok: und viereinhalb Sternen auf Google Maps) folgen sollte, um aus Versehen auf den Wandteppich der Apokalypse zu stoßen.

  • Saumur – raus aus dem Gewimmel

    Saumur – raus aus dem Gewimmel

    „Noch ein bisschen mehr Hund, dann wird‘s braun!“ sagt Glo. Ich stelle den Kocher ein wenig heißer und gieße einen Schluck Teig in den Ridgemonkey. Nach zwei Tagen Paris, in denen wir nicht selbst gekocht haben, steht heute zum ersten Mal der Gaskocher vor dem Brummi.

    Bei Pfannkuchen mit Nutella beenden wir Tag drei unserer Reise. Heute Morgen haben wir Paris hinter uns gelassen, die hupenden Autos, die Menschen, die fahren, als wollten sie partout alle Vorurteile verwirklichen, die eimergroßen Schlaglöcher in den Stadtautobahnen, all das haben wir eingetauscht gegen die Niedlichkeit der Loire.

    Als wir auf den Campingplatz einbogen ploppte wie bestellt das Schloss von Saumur im Hintergrund auf. Vorne trug die Loire beschaulich plätschernd historische Holzboote flussabwärts und um unseren Stellplatz herum zwitscherten die Vögel, als wollten sie das Autobahncampingplatzambiente der ersten beiden Nächte zügig ausgleichen.

    Passend zur gemütlichen Szene radelten Glo und ich also heute nur einmal über den Fluss, hoch zum Schloss, genossen Panorama und Ruhe und setzten uns dann, wie wir es vorhatten, gemütlich vor den Brummi. 

    Und nachdem der letzte Pfannkuchen gewendet und der Kocher verstaut war feierte das Open Air Brummikino seine Premiere und wir schauten, immerzu über den Irrsinn dieser zugleich unfassbar witzigen und übertriebenen Anschaffung kichernd, mehr oder weniger dick eingemummelt vor der Brummitür der Bergwacht Ramsau dabei zu, wie sie heute in Saumur die am Abend zuvor in Paris zurückgelassenen Verletzten rettete.. 

    Morgen werden wir das erste Mal so richtig ausschlafen, bevor wir nach nur einer Nacht an der Loire weiter ziehen wollen, Richtung Westen, bis irgendwo das Meer kommt.

    Einen Platz haben wir nicht reserviert. Aber jetzt, in der Nebensaison, sollte sich wohl einer finden.