Welthundetag 2017 – ein Rückblick

01.50 Uhr – die Nacht vor dem ersten Frühdienst der Woche. Ich werde wie immer wach. Mein Körper ist im Nachtdienstrhythmus und findet, um diese Zeit könnte man arbeiten oder etwas essen. Schlafen jedenfalls nicht. Entgegen aller Tipps zum gesunden Schlafen vertrödele ich Zeit am Handy und wälze mich hin und her. Schlechte Laune macht mir das jedenfalls nicht mehr. Dazu war zu absehbar, dass ich auch heute nicht durch schliefe.

02.10 Uhr – ich höre den Hund im Flur ranscheln und leise irgendwas umstoßen. Da ich eh mal muss, beschließe ich nachzusehen, was er anstellt.

02.12 Uhr – der Hund ist nicht zu finden. Vermutlich war das Geräusch eben die Nachbarin, die nach dem Dienst vorsichtig meine Wohnungstür schloss und den Hausmeister mit auf ihre letzte Gassirunde nahm. Meist arbeitet sie bis 02.00 Uhr. Dann geht sie mit dem Fifi (der mit ihr Nachtdienst hatte) noch eine Runde um den Block und nimmt Ivo mit. Voll nett. Ich gehe auch noch mal entsorgen, dann lege ich mich wieder hin.

02.18 Uhr – Die gehen aber heute nacht lange Gassi. Da ich eh wach bin stehe ich noch einmal auf und schleiche ans Wohnzimmerfenster, um nachzusehen, ob sie draußen irgendwo auszumachen sind. Hätten Tine und Schimi nicht noch eine Stunde Dienst? Und war da wieder ein Rascheln im Flur? Da ich Ivo zutraue, im Halbschlaf hinters Sofa oder die Kellertreppe runter gepurzelt zu sein, suche ich die Wohnung ab und frage Tine, ob sie an seinem Verschwinden beteiligt ist. Keine Antwort.

02.20 Uhr – Man kann ja nie so doof denken, wie es kommt… ich schleiche zur hinteren Haustür und öffne sie einen Spalt weit. Alter, ist das kalt draußen. Halblaut rufe ich nach dem kleinen Griechen. Niemand antwortet. Kein Hund zu sehen. Ist er doch Gassi? Oder warte: habe ich ihn zu meinen Eltern gebracht?

02.21 Uhr – Ich war jetzt vorne an der Tür, ich war im Keller und in allen Räumen, in denen ich den verschollenen Hausmeister versehentlich hätte einsperren können. Für gewöhnlich säße er, wenn ich ihn aus einem versehentlichen Einschließen befreie, direkt hinter der betreffenden Tür und wedelte mich schweigend an. Passiert uns schon mal, wie ihr den Erfahrungswerten entnehmt. Jetzt allerdings wedelt er nirgends. Wenn wir im Dienst bei einfachen Fahndungen 30 Minuten nach Auslösezeit keine Erfolg versprechenden Hinweise haben, gehen wir langsam auf „Fahndung im Rahmen der Streife“ über. In diesem speziellen Vermisstenfall hielte ich das für unfair. Langsam schwant mir nämlich, dass ich selbst an seinem Verschwinden nicht ganz unbeteiligt bin. Weglauftendenzen (bescheuertes Wort, so nennt man das, wenn tüddelige alte Leute ziellos auf Wanderschaft gehen) hat der Puschel noch nie gehabt. Er weiß, dass es Zuhause am schönsten ist. Zumal er nachts eh die Nachbarschaft meidet, weil er überall Gefahren wittert, die da nicht sind. Wo ist also der kleine Hund?

02.22 Uhr – ich bin mir sicher, mir die verdächtigen Geräusche nicht eingebildet zu haben und beschließe, die Nahbereichsfahndung auf den Garten auszuweiten. Gleichzeitig rekonstruiere ich den Verlauf des Abends. Mein Handy weiß, dass ich die smarte Haustür um 22.49 Uhr zuletzt geöffnet habe. Ich weiß, dass ich danach eine Wärmflasche gegen die Eisfüße gemacht und mich ins Bad begeben habe. Dann, so sagt es die App, habe ich die Tür um 22.58 Uhr wieder geschlossen. Normalerweise liegt der Hund bis dahin nach kurzem Pipistop im Garten wieder wedelnd auf dem Wohnzimmerteppich und beobachtet, wie ich ins Schlafzimmer verschwinde. Nicht, dass ihm bei der letzten Fußstreife durch die Gartengestrüppe etwas Verdächtiges aufgefallen, er einer wichtigen Spur gefolgt und dann erst nach Schließen der Tür mit seinem Job fertig gewesen ist. Wenn mein Hund nämlich eine ungewöhnliche Eigenschaft hat, dann ist es die, dass er sich über Missstände nicht laut beklagt. Er würde nie kläffend oder jaulend vor oder hinter einer verschlossenen Tür sitzen. Er würde schweigend hinnehmen, dass man ihn vergessen hat. Anders ist auch nicht zu erklären wie er sowohl bei mir als auch bei meinen Eltern bereits einmal zehn Minuten auf der „stillen Treppe“ im Keller saß, im stockfinstern, und wohl über seine Missetaten nachdachte anstatt mal bescheid zu geben, dass man ihn am sozialen Leben bitte wieder teilnehmen ließe.

Noch immer 02.22 Uhr – Ich gehe barfuß mit einer Taschenlampe auf die Terrasse. Als ich gerade um die Ecke in Richtung Tines Terrasse leuchte, rumpelt es gewaltig vor meinem Schlafzimmerfenster. Dann kommt mir ein äußerst freundlich wedelnder Hund entgegen. Vor meinem Fenster befindet sich der Kellerabgang. Außen ist hier auf der Terrasse direkt an der Fensterbank meines Schlafzimmerfensters in Brusthöhe ein Mauervorsprung von etwa einem Quadratmeter, über den man an mein Schlafzimmerfenster gelangen kann. Schlagartig wird mir klar, dass das Rascheln vorhin nicht aus dem Flur, sondern von vor dem Fenster gekommen sein wird. Meine armer Mitbewohner wird also eine sehr lange Weile auf dem Mauervorsprung gesessen, mich beim Schlafen beobachtet und schweigend über seine Missetaten nachgedacht haben. So viele Hundesünden, über die man ganze drei Stunden hätte grübeln können, wollen mir auch bei längerem Überlegen nicht einfallen.

02.23 Uhr – ich nehme per WhatsApp an Tine die Fahndung zurück, dann gehen der Hund und ich an der Leckerchenschublade vorbei auf den Wohnzimmerteppich. Bei reichlich Keksen feiern wir unser Wiedersehen. Irgendwie schade, dass man sich bei Tieren nicht entschuldigen kann – umso schöner, dass sie nicht nachtragend sind. Andererseits sind dem Fifi vielleicht auch ausreichend kleine und große Verfehlungen eingefallen, für drei Stunden „stiller Mauervorsprung“?! Ich kriege ja auch nicht jede kleine Sünde mit.

02.30 Uhr – der Hund zieht sich mit dem Qietsche- SchLama auf seine Decke zurück. Ich komme mir vor wie ein Fall für den Tierschutz und hoffe, dass er es mir nicht nachträgt. Da ich noch immer hellwach bin klappe ich das iPad auf und schreibe euch diesen Text.

03.15 Uhr – ein paar Schokokekse und dieses sehr lange Posting später gehe ich wieder schlafen. In 90 Minuten bimmelt der Wecker. Als ich ins Schlafzimmer verschwinde werfe ich dem Hund noch einen Blick zu. Er liegt wie immer auf dem Teppich und beobachtet mich auf dem Weg ins Bett. Ich bemerke, dass ich von der ganzen Aktion kalte Füße bekommen habe. Dann erwische ich mich bei dem Gedanken, den Hund wie immer vor dem Schlafengehen noch mal Pipi machen zu schicken, während ich mir eine Wärmflasche mache. Vielleicht ist das heute aber auch gar nicht nötig…

Gute Nacht!

Kommissar Zufall

Kennt ihr das? Ihr kommt an einen Ort und auf einmal verbindet euer Gehirn etwas damit. Das Lied, das im Radio lief, als ihr das letzte Mal hier wart, das Eis, dass ihr gegessen habt, das Gespräch, das ihr mit eurer Begleitung führtet. All sowas ploppt unvermittelt auf, ohne, dass ihr darüber nachgedacht hättet. Zumindest bei mir ist das so.

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Schaalsee, Schwerin, Kübo – Was bleibt

Ich habe die Stufe am Brummi eingefahren und noch mal am Fahrrad gewackelt. Der Strom ist abgezogen, diesmal sind die Schubladen wirklich (!) zu. Ich bin klar zur Abreise. 

Drei Wochen Urlaub liegen hinter mir. 

Als ich Kühlungsborn verlasse und auf die Landstraße fahre, starte ich die Musik-App und drehe das Radio ungewohnt laut. Jan Delay singt „Saxophon“ und ich gröle mit. Schief, aber dafür laut. 

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Kübo VI – Fisch ‘n Kitsch

Seit ich auf diesem vermaledeiten Touristenplatz stehe, den man nur zum Strandbesuch für wenige hundert Meter hinter sich lässt, habe ich erstaunlich wenig zu erzählen. Vielleicht ist das auch im Urlaub mal ganz gut, nichts zu erleben, aber es ist ungewohnt. Sehr.

Heute zum Beispiel könnte ich erzählen, dass ich von meinem Vater in vier von fünf Partien Kubb richtiggehend vorgeführt wurde. Die eine Partie, die ich dann noch für mich entschied, gewann ich allerdings zu null. Entweder dem Rentner gingen die Kräfte aus oder er hat mich tatsächlich gewinnen lassen. Ich werde ihn nicht fragen, Teile der Antwort könnten mich verunsichern.

Ansonsten kann ich von Fischbrötchen in Rerik und Fernsicht in Bastorf erzählen. Aber so wahnsinnig spannend ist das nun auch beides nicht. Bis auf die Tatsache vielleicht, dass man hier das Fischbrötchending so weit durchoptimiert hat, dass sogar die Brötchen in Muschelform gebacken werden. Jetzt könnte man vielleicht den Fisch noch in Fischform kneten, aber das kommt dann vielleicht als nächstes.

Seit ich vor drei Tagen hier ankam hat sich das Wetter zu einem ziemlich brauchbaren Spätsommer entwickelt. Die Ostsee, die Sonntag noch wild wogte, hat sich auf ein seicht plätscherndes Ostseemaß eingekriegt. Der fiese Wind ist komplett abgeflaut. Man kann, zum Beispiel um vier Kubb- Niederlagen zu verarbeiten, sehr gut in kurzen Klamotten am Strand sitzen und abends sogar, während der Hund sich von sämtlichen Parzellennachbarn, die ebenfalls am Strand sitzen, durchkraulen lässt, den komplett kitschigen Sonnenuntergang fotografieren.

Dabei kann man dann noch immer dem ebenso kitschigen Sonnenuntergang über dem Schweriner See nachtrauern, den man letztes Jahr dort so liebgewonnen hat. Hier und jetzt, so mit Sand an den Füßen, ist auch schön. Nicht so schön wie mit dem Hund auf dem SUP auf dem See allerdings. Aber ich sollte aufhören zu klagen. Es werden noch Sommer kommen, und Seen, und SUP und Hund – und die Sonne wird wohl zuverlässig auch jeden Abend weiterhin untergehen. Da sollten sich also noch Chancen ergeben,

KüBo II – Rentner wegklingeln

Was ich nicht heute alles vorhatte. Den Grill wollte ich grundlegend reinigen, der Brummi und der Hund hätten es auch mal wieder nötig. Die neuen Sitzbezüge wollte richtig ich auf die Vordersitze ziehen, bisher habe ich sie nur übergestülpt. Und einkaufen wollte ich, in dem Supermarkt direkt neben der Rezeption. 

Stattdessen war ich mit dem Fahrrad in Bad Doberan. Da fährt “die Molli” hin, eine mit Dampf betriebene Schmalspurbahn, die hier die Rentner, die kein EBike haben, 15 Kilometer von Kühlungsborn nach Bad Doberan kutschiert. Die Rentner, die ein EBike haben und deshalb nicht Schmalspurbahn fahren, haben auf meinem Weg nach Bad Doberan zuverlässig gemacht, was EBike- Rentner so machen. Fahrradwege blockieren, lautes Klingeln überhören und sich in Gruppen auf Kreuzungen treffen, um abzustimmen, welchen Fahrradweg man als nächstes bestreikt. 

Entschuldigt meine Rentnerbashinglaune heute. Ich bin verwöhnt von breiten Radwegen, die an ruhigen Dörfern vorbei zu anderen ruhigen Dörfern führen. Der Radweg an der Küste entlang ist eine ganz neue Herausforderung, und ich bin zumindest jetzt gerade nicht bereit, die noch mal anzunehmen. 

Das Abenteuer “großer Touristenplatz mit Chichi” nervt mich heute. Und ich muss dringend für die nächsten Tage Pläne schmieden, um den Menschen zu entkommen. Die Optionen “im Brummi einschließen” und “am Strand ein Loch graben” habe ich nach ausreichender Prüfung verworfen. Ich hoffe, mir fallen noch andere Aktivitäten ein. Aber nachdem das ja die letzten Tage schon ganz gut geklappt hat mit den Plänen B bis D habe ich für meine Urlaubszukunft die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Wie ihr seht habe ich die Bahn noch nicht einmal fotografiert und bin damit vermutlich Kühlungsborns einzige Touristin, die das heute nicht gemacht hat. Und das, obwohl die meisten Menschen um mich herum mit großer Sicherheit schonmal eine Dampflok gesehen haben. Die kommen aus ner Zeit, da waren Elektrizität und Diesel noch nicht erfunden.

Kühlungsborn I – Aufbau Kübo West

”Fahren Sie einfach auf die Anreisespur, der Kollege zeigt Ihnen dann den Weg zu Ihrer Parzelle” sagt die freundliche Dame am Check-In des Campingparks Kühlungsborn West, und man hört sofort, dass sie diesen Satz sehr, sehr oft sagt. Also fahre ich wie mir beschieden einfach ran an die Schranke, die Nummernschilderkennung öffnet mir die Pforte und gleich danach nimmt mich ein hausmeisteriger Mann mit einer Art Golf- Cart in Empfang, um mich über den Platz zu Parzelle E047 zu geleiten. “Rückwärts drauf fahren!” ruft er, und verschwindet.

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zum Thema EBike – ein Zwischenfazit

Seit April 2020 bin ich mit einem Cube Reaction Hybrid Pro 500 in 29” unterwegs. Es ist natürlich kein EBike sondern ein Pedelec. Da sich der Begriff EBike aber eingebürgert hat und ihr ja alle pfiffig selbst drauf kommt, was ich meine, nenne ich das Fahrrad weiter konsequent EBike. Es ist aus dem Modelljahr 2019, war letztes Jahr für mich der perfekte und dazu auch noch lieferbare Preis- Leistungs- Kompromiss und damit der Einstieg ins EBike- Game.

Bevor ich morgen weiter an die Küste ziehe habe ich heute den Abend genutzt und ein wenig in Komoot gestöbert. 

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Schwerin VII – Werkstatt

Rien ne va plus – Nichts geht mehr.

Ich strampele noch bis zur nächsten Bank, dann brauche ich einen Plan B, denke ich und mein Kopf rattert. Seit meiner kleinen Pause am See, mit Brötchen und Hundegassi, geht das Fahrrad nicht mehr an. Ihr lest schon richtig, wir haben 2021, da ist der Satz „Das Fahrrad geht nicht mehr an“ ein genau so normaler Satz wie „der Staubsauger hat mir eine Fehlermeldung geschickt“ oder „der Kühlschrank braucht ein Softwareupdate“. In meinem Fall ist es aber das Fahrrad, was es nicht mehr tut.

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