Maastricht – Eine Stadt und ihr Geiger!

„Ist das The Hoff?“ Tina bleibt stehen. Eigentlich sind wir wegen der Basilika in diese Straße abgebogen.  Jetzt verharren wir vor dem großflächig bedruckten Sichtschutz. Links darauf ein Mann, der tatsächlich eine schmeichelhaft gephotoshopte Version des inzwischen leicht verbrauchten 80er Jahre Bademeisters sein könnte. Rechts von ihm André Rieu. Tragischweise einbeinig. Der Bildbearbeiter hatte sein Pulver vermutlich beim geradebügeln von The Hoffs Gesicht verschossen. Kann man verstehen.

„Das ist The Hoff: guck doch!“ – Tina lacht: „Der Rieu geigt auch wirklich mit jedem!“ Inzwischen halte auch ich für möglich, dass der lockige Geigenandré gemeinsam mit Herrn Hasselhoff die Bühne geteilt hat. Und wir alle ahnen, was da geschmettert wurde. Wo normalerweise Massen Maastrichter Touristen sich über den Vorplatz der großen Basilika drängen, hat an diesem Wochenende eine Crew mit einer Karawane 40- Tonner eine riesige Bühne aufgebaut, auf der heute Abend als André Rieu bei bestem Basilika-Ambiente gut vorgegarten Fans ordentlich was stehgeigen wird. Auch ein erstaunlicher Move, mehrere Millionen für ein hunderte Jahre altes Instrument auszugeben, um darauf dann die Titelmusik vierzig Jahre alter TV Serien runterzufideln. Ganz zu schweigen von dem armen Pony, das seine Frisur sicher auch gern einem besseren Zweck geopfert hätte.

Die gesamte City ist jedenfalls fest in sicherlich zarter Geiger- Hand. Überall begegnen uns Stewards auf dem Weg zu ihrem Einsatz, Security sichert die Eingänge, auf gesperrten Straßen räumen Ordner falsch parkende Fahrräder ab und die umliegenden Cafés werben mit Live Streams und der Chance, für lau den Konzertabend zu belauschen.

Wir wundern uns ein bisschen, wie man es schafft, als Musiker so sehr das Zentrum einer holländischen Großstadt einzunehmen. Wikipedia weiß es. Der Mann ist Maastrichter. Die Menschen hier freuen sich nicht nur auf die frisch gefidelte Ballade pour Adeline oder ein freches  Duett mit abgehalfterten 80er Stars, die Maastrichter feiern die jährliche Rückkehr ihres André. Anders jedenfalls ist das Ausmaß des Konzertes im Anbetracht der Größe der Innenstadt nicht zu erklären.

Kurz habe ich Angst, Tina wolle sich in einem der umliegenden Cafés einen Platz sichern um den Abend zwischen anderen sparsamen Rieu- Fans zu verbringen, die keine Karte, aber dennoch das Hörerlebnis haben wollen. Dann landen wir aber auf der Suche nach einem kühlen Getränk doch nur im angrenzenden Mc Donalds.

Die Apple Watch zeigt 29°C. Die Sonne hat uns unnachgiebig eine Stunde ausschweifender Fahrradanreise vom Campingplatz bis in die City auf die Köpfe geballert. Nicht unwahrscheinlich, dass ich, wenn ich die noch mühsam verknüpften Synapsen nicht langsam auf Betriebstemperatur runterkühle, selbst anfange laut: „Aaaappin lukkin for Friiiidäm!“ zu singen. Das kann keiner wollen. 

Tina entscheidet sich zu ihrer kalten Cola für die landestypische Küche und testet einen Mc Kroket, der ihr beim ersten Bissen aber nicht mehr als ein: „Ja. Fleischkrokette halt.“ entlockt. Zu solchen kulinarischen Abenteuern bin ich wie immer nicht bereit und entscheide mich für gleich zwei Cheeseburger.

Durch Touristenströme im Rieu- fähigen Alter bahnen wir uns den Weg in eine Buchhandlung, gefangen im angenehm kühlen Korpus einer ehemaligen Kirche und verbringen noch einen Moment am Maasufer, bevor wir uns aufraffen, auf die brutzelnden Fahrradsättel zu steigen und zurück zum Campingplatz zu tingeln.

Abends wollen wir grillen. In Anbetracht der Temperatur sollte es genügen, die Würstchen einfach rechtzeitig aus der Kühlbox zu holen. Dann haben wir noch die Chance, rechtzeitig zu Konzertbeginn einen André Rieu Live Stream zu öffnen, und zu staunen, welchem mehr oder weniger abgelebten Star André heute was geigt, während irgendwo auf einer Weide sicherlich ein Pony peinlich berührt die Nüstern rümpft. 

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