Bredene

Nachmittags laden wir in Dünkirchen die Fahrräder auf und ziehen weiter nach Bredene bei Ostende in Belgien. Dort hatten wir mehrere Plätze angefragt, jetzt, in der Nebensaison aber nur eine Antwort bekommen. Der Platz ist fast leer. Ein einsamer Kastenwagen steht abseits auf der großen Wiese, vereinzelt treffen wir auf Dauercamper, die hier, wie überall in der Region, eher schlichte Mobilheime bewohnen. Camping- Chichi, wie wir ihn von deutschen Dauercampern kennen, mit Vorgarten, Plastekitsch und Fähnchen, finden wir hier nirgends. Der Belgier scheint es pragmatisch zu mögen. Einheitliches Mobilheim, in Reihe hingestellt, daneben ein Parkplatz. Fertig. Und: irgendwie hat er damit ja Recht.

Da wir außerhalb der knappen Öffnungszeiten anreisen können wir nicht einchecken. Den Stromkasten identifiziere ich als abgeschlossen und erkläre Bredene deshalb zum ersten autarken Stellplatz des Brummis. Die Zusatzbatterie ist voll, wir sind sparsam. Mal sehen, wie lange wir mit Kühlschrank und Luftstandheizung ohne Landstrom durchkommen.

Als erstes, das hat sich nach einer längeren Autofahrt bisher als eine echt gute Idee erwiesen, satteln wir die E-Bikes und radeln eine Erkundungsrunde durch Bredene. Inspiration dazu sind regelmäßig Komoot oder die Geocaching App. Heute beschließen wir, einen Multi rund um einen See anzugehen, scheitern aber an der Finalrechnung. Mir ist das wir schon seit Jahren vollkommen egal. Ich hatte eine nette Runde, habe die Gegend gesehen und bin nicht bereit, mich über irgendwelche Rechnungsungenauigkeiten zu ärgern, irgendwohin zurück zu radeln oder Owner anzuschreiben. Ich denke nur „joa, dann eben nicht“ und schließe die App wieder. Schön war die Tour um den nahezu runden, ganz offensichtlich künstlichen See, dessen Sinn und Enstehung uns allerdings noch immer schleierhaft ist, trotzdem.

Wir machen einen Abstecher zum Strand. Hier ist, abgesehen von den Plätzen hinter dem Windschutz im Strandcafe, wegen des echt fiesen Windes tote Hose. Auch wir suchen uns Windschatten neben einem Umkleidehäuschen und beobachten, wie unsere Fußspuren in kürzester Zeit wieder zugeweht werden.

Abends versorgen wir uns in einem dem Campingplatz gegnüber liegenden ALDI und kämpfen einmal mehr gegen den Grill, der irgendwie nicht mehr so Recht auf Temperatur kommt. Ich vermute, dass eine Menge Merguezfett die Löcher des Brennrohs für immer vergniesgnaddelt.

Als der Hunger zu groß wird schütten stellen wir die Edelstahlbox vom Grill auf den Kocher im Auto. Im Ergebnis sind die Kartoffeln genauso schnell braun wie die Box. Man muss eben Opfer bringen.

Mit 90% Batterieladung gehen starten wir in die erste autarke Brumminacht.

Ostende erweist sich als guter Touristen- Fitsch. Es gibt einen schönen Strand, eine große Innenstadt und da wir in Belgien sind müssen wir keine Sorge vor schlechter Fahrradinfrastruktur haben. Auch Tag zwei verbringen wir auf dem Fahrrad. Heute radeln wir rüber nach Ostende, nutzen wieder einen Geocache als Stadtführer und sehen so das Casino und ein Wahrzeichen namens Dikke Mathilde. Von der aus soll es eigentlich zu einem Rosengarten weitergehen. Da wir uns aber schon wieder verrechnet oder nicht richtig abgelesen haben laden wir stattdessen in einem mexikanischen Restaurant. Ok, vielleicht habe ich auch die GC- App geschlossen und Google- Maps geöffnet. Könnte sein… Es gibt leckere Nachos und einen platschsüßen alkoholfreien Virgin Mojito. Satt und zufrieden ist uns die zweite Hälfte des Multis dann mal wieder egal und wir radeln, Komoot folgend, in einer schönen Runde zurück Richtung Bredene. Das Navi schickt uns dabei zum Anleger einer kostenlosen Hafenfähre, sodass wir mit einer Schulklasse, vielen anderen Touristen und wenigen Einheimischen eine kurze Überfahrt, sogar mit ein wenig Geschaukel, genießen. 

Dann schmeißen wir einen Euro in die Uralt- Warmwasserbezahlaparatur im Duschhaus. Uralt heißt, dass man das Eurostück einigermaßen reinquetschen muss, da auf dem Einwurf noch das Zeichen für den belgischen Franc eingraviert ist. Aber das monströse, parkuhrähnliche Gerät macht seinen Job, rattert los und wir duschen, wie das immer so ist, erst superhektisch, um dann herauszufinden wie unendlich lang drei Duschminuten sind, wenn man die Haare schon eilig gewaschen und den Körper abgeschrubbelt hat. 

Nach den Nachos zu Mittag begnügen wir uns mit Bockwurstbrötchen im Brummi. Auf noch eine Grillniederlage haben wir keine Lust und die Würstchen müssen eh weg. Aber, man kennt das: die einfachen Dinge sind manchmal sowieso die besten.

Mit 40% Brummibatteriereserve gehen wir zufrieden, aber wie immer viel zu spät schlafen. 

Heute haben uns circa 47 Runden „Nochmal“ am iPad aufgehalten. Einen passenderen Namen hätte man diesem Spiel auch wirklich nicht geben können.

Morgen geht es dann auf die letzte Etappe, über Brügge zurück nach NRW.

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