„Relax & Spa“ steht auf dem schiefen Holzschild, das jemand irgendwann an die Fertigbauholzhütte genagelt hat. Die steht gleich dreifach auf einem Einfamilienhausgrundstück im Wohngebiet. Auf einer gepflasterten Fläche. Und weil Pflastern teuer ist, ist da, wo keiner laufen soll, Basaltbruch verteilt. Nur eine gezielte Sprengung wäre geeigneter gewesen, ein Grundstück von allen Lebewesen zu befreien. Aber Sprengen ist teuer. Basaltbruch kostet weniger als ’n Zehner pro Quadratmeter. Und zack: alle Probleme gelöst. Nix Mähen, nix Gießen, nix angucken. Einfach alles hassen. Und: keine nervigen Tiere. Also: Bis auf die Wespen, die sich freuen, weil sie gern in Holzhütten auf Schotterflächen neue Nester bauen. Auch an der Hütte, vor der wir sitzen.
Die Temperaturen sind im Juni bis an die 40° Marke gestiegen. Der Bahn schmelzen die Weichen. Deshalb weichen die Kunden. Straßen lösen sich auf. Menschen suchen Auswege aus der Hitze. In Deutschland. Im Juni. Die Nachrichten sind voll von Diskussionen über Hitzeschutzpläne, versiegelte Innenstädte ihre und nach Abkühlung lechzende Bewohner. Und wir sitzen auf dem Hot Stone von Elsterwerda und passen auf, nicht mit den vom Moped erhitzten Käsemauken den Boden zu berühren, um nicht unfreiwillig zu Raclette zu werden. Hier Zischgeräusch einfügen.
Im Innern der Hütte pustet ein Ventilator mit Wassertank unermüdlich Luft um die Deko. Die Wölfe auf dem Wandtattoo heulen zufrieden ihre Binsenweisheit von Einsamkeit. Die Kunststofftischdecke weht wenig. Das „Live Love Laugh“ Dekoschild im Bad bleibt vom Ventilator ungekühlt.
Wir packen ein Handtuch und die Badesachen ein und schlagen uns 500m durch den Wald, der zum Glück gerade mal nicht brennt, zum Grünen See durch. Irgendwer hat irgendwas gebaggert (Basaltschotter, vielleicht) und einen glasklaren See übrig gelassen. Wir haben den Weg nicht gefunden, und sind mit Wanderflipflops bzw Barfußschuhen (eins davon ist ein Paradoxon, bitte selbst aussuchen) Hänge runter geklettert, die denen am Gipfel mit Zipfel in nichts nachstanden. Um in diesen See zu steigen, hätte ich Vieles getan. Auch auf dem Po irgendwo runter rutschen, barfuß, weil selbst Wanderflipflops ab einem gewissen Gefälle der Flipflopbänderriss droht. Und weil barfuß egal ist, weil man ja sauber wird, im Grünen See. und der Dreck, der wird sich schon absetzen.
Uns Absetzen ist dann gar nicht so einfach, denn die Fläche am Einstieg ist klein. Die jungen Leute (haha, das impliziert, dass wir die alten Leute waren… aber… wir waren halt die alten Leute, also… warum eigentlich das Haha?) in Hörweite sind zum Glück welche von den Guten. Es wird geturtelt und im See Handstand gemacht, während wir ein bisschen nach hier und ein bisschen nach da paddeln und auf dem Wasser liegen, wie schlafende Otter, bis uns irgendwann die Haut in den Fingern schrumpelt und oben, im Wald, noch mehr Leute zu hören sind, die nicht klingen wie welchen von den Guten. „Ich schwör“. Also Rückweg, Berg hoch, aber mit dem Weg, der hier vorhin schon war, bloß nicht zu sehen, und dann hoffen, dass die Flipflops nicht festpappen am Pflaster, und dass der Ventilator die Wölfe gut runtergekühlt hat.
Ich nehme den Gedanken mit, dass auch rund um meine Terrasse was passieren muss, in den nächsten Jahren, weil… es ist zwar kein Basaltbruch, aber eben Zierkies. Und „Zier“ ist gestrunzt. Und es ist zwar keine solche Fläche, aber eben auch tot. Und da muss ich was ändern. Solange könnte ich ja schon mal ein Schild aufhängen, das alles ein bisschen aufhübscht. „Relax & Spa“ – das wär doch was?!










Kommentar verfassen