Nach unserer Reise ins Mittelalter gestern machen wir uns heute auf den Weg zu einer Sehenswürdigkeit, deren Entstehung einer einzelnen Mitreisenden zwar genauso lange her vorkommt, ein anderer Mitreisender aber ist so alt, dass er quasi beim Bau hätte helfen können. Neeeiiiin, die Rede ist weder von Jura noch von Kreidezeit. Und Dinos kommen auch nicht vor. Ich spreche von den guten (sehr alten) 60er Jahren, in denen in Jested, so sagt es das Internet, die Wanderhütte auf dem Berg Jested abbrannte und man in kürzester Zeit beschloss, den Neubau in einem Architekturwettbewerb entwerfen zu lassen. Gewonnen hat damals Karel Hubacek (wie auch sonst könnte ein tschechischer Stararchitekt bitte heißen) mit seiner Idee, auf den Bau des Turms zu verzichten und einfach direkt dem Berg einen fernsehturmspitzenartigen Hut aufzusetzen. Nun steht auf Jesteds Gipfel also ein rundes Gebäude, weitestgehend aus Glas, Beton und einem 100m hohen Stahlturm, in dem sich ein Hotel, ein Restaurant und ein Bistro befinden, und von dem aus Fernseh- und sicher auch diverse andere Signale in die Region geschickt werden.
Mindestens ebenso geschickt ist übrigens die Idee, Motorradfahrer bis direkt zum Hut nach oben zu fahren zu lassen. So müssen die nicht, wie alle, die nicht Hotel wohnen, die letzten Höhenmeter vom Parkplatz die Straße zum Turm durch die sengende Hitze latschen. Denn dann wären wir sicherlich nicht hier. Wir wurschteln uns also auf den letzten paar hundert Metern an einzelnen Wanderern und mit 300km/h den Berg runter ballernden Mountainbikern vorbei, den Blick immer rechts am Hand entlang hangelnd, um nicht links in den Abgrund zu blicken, und schon gar nicht aus Versehen näher da ran zu fahren. Die Kamera hatte ich aufgrund kleinerer Reisedoku-Abnutzungserscheinungen leider nicht ans Moped geknuppert, so dass ihr mir jetzt einfach glauben müsst, dass zu meiner Linken das Gelände quasi senkrecht abfiel, überall Kletterer mit Sauerstoffflaschen und letzter Kraft feste Wege erreichten, Sherpas Mulis führend vorweg… und wir dann schließlich von einem Parkplatzeinweiser mit Warnweste einen Platz unter den Krempe des Fernsehturmhutes zugewiesen bekamen.
Wir parken im Schatten unter dem alten brüchigen Beton, der sich über unseren Köpfen wölbt, gleich nach dem Absteigen gibts über unzählige Sattelitenschüsseln hinweg einen Blick ins Land, der einem wirklich die Kinnlade zu Boden drückt, so schön, das Land, so weit und das bleibt so und wird immer neu beim Rundgang, denn unten und oben gehts immer im Kreis um das Architekten-Ufo. Unglaublicherweise ist das Restaurant bis auf wenige Leute leer, wir bekommen Burger mit zerrupftem Gulaschfleisch und Pommes, die aussehen wie echte Kartoffelstücke und das in einem Ambiente, das noch immer den Charme der 70er atmet, besonders die Wand- und Deckenleuchten. Ein bisschen wie der Palast der Republik, sagt der Mitreisende und ich denke, ach so, ja klar, der Palast der Republik. So wird der wohl ausgesehen haben, wenn der Mitreisende das sagt. Und wie immer bekomme ich eine passenden kleine Erklärung, und der Kellner bekommt Trinkgeld und wir staunen, staunen, staunen.
Berg runter ging dann irgendwie einfacher. Schöne Kurven gabs als Bonus auf der Hauptstraße, danach allerdings: Erschöpfung, schnell nach Hause, noch einmal Tanken und Abendbrot im Restaurant unter der Ferienwohnung, dann der Versuch trotz Geoblocking Deutschlands Niederlage zu gucken. Hat weitgehend geklappt. Und weil die kluge Frau vorbaut, stehen auf den letzten Zentimetern des Tages Koffer und Taschen gepackt, denn morgen gehts weiter, aus den Bergen in die echte Hitze… wir hatten ja keine Ahnung, wie privilegiert wir da in den Bergen waren.









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