Kategorie: Allgemein

  • #Mopedtour2026 – Rückweg

    #Mopedtour2026 – Rückweg

    „Das wird aber keinen Spaß machen heute…“ sagt der Mann, der gerade vor dem Hotel zwei Fahrräder auf einen Fahrradträger geladen hat, beim Blick auf unsere Mopeds. „…ich habe meine Tochter gerade mit dem Auto abgeholt. Wir wollten eigentlich 80 Kilometer Fahrradfahren, aber das geht gar nicht. Bei dem Wetter.“ – „Wir haben keine Wahl.“ entgegne ich schulterzuckend. Und zuppele vor mir den Tankrucksack zurecht. „Wo musst du denn hin?“ will der verhinderte Radfahrer wissen. „A2, Dortmund.“ sage ich, und werde sofort auf die Sperrung der A2, ausgerechnet in Höhe der nächsten Auffahrt, hingewiesen. „Du musst in Burg auffahren! Anders geht‘s nicht.“ Google und ich haben das also auf dem Schirm. Und auf dem drücke ich jetzt: Navigation starten. Denn mir brennt vom kurzen Smalltalk der Helm. Fahrtwind muss her.

    Auch Thom hat sich zurecht geruckelt. Dass er sich bei den weit über 30°, die uns gleich garen, gegen die dicke Mopedhose entschieden hat, beäuge ich skeptisch, bin aber auf die zu erwartende Durchlüftung auch ein bisschen neidisch. Dann fahren wir los. Ein letztes: „Ach, das war ne schöne Tour!“ und ein schon knarzendes: „Ja, das haben wir doch wieder gut hingekriegt!“ schaffen wir noch, dann trennt die größer werdende Distanz die Helmverbindung. Ab jetzt müssen wir irgendwie allein durch die Hitze und ich hoffe, dass Thom auch ohne mich reichlich Pausen ein- und das nasse Handtuch auf die glühende Hirse legt. Aber: der Kerl ist ja schon groß. Er wird wissen, was zu tun ist… Bloß, wenn Freunde, die man mag, aufm Moped sitzen, und man weiß davon, dann fährt mit denen auch immer ein kleines bisschen Sorge mit. Erst recht in Jeans. Bei Gluthitze. Wird schon gutgehen…

    Ich habe mir vorgenommen, die Tour in 100km Schritte einzuteilen und den allergrößten Teil der Strecke auf der A2 zu verbringen. Da ist die Versorgung gesichert. Es ist Sonntag und es ist die schnellste und einfachste Art, zurück tief in den Westen zu gelangen. Ich starte mit 4:25h vor mir liegender Fahrzeit.

    Als ich Burg erreiche und die A2 schon in greifbarer Nähe scheint, bremst mich eine geschlossene Bahnschranke. Also öffne ich den Helm, stelle den Motor aus und trinke einen Schluck. Und warte. Auf dem Gleis steht ein Güterzug. Kein gutes Zeichen, finde ich. Und auch andere Menschen finden das. Vor und hinter mir wenden die ersten Pkw. Auch ich werde langsam ungeduldig. Denn ich sitze auf einem heißen Motor unter einem schwarzen Helm in einer dicken Jacke in der prallen Sonne. Uff. Als ich feststelle, dass google maps in erreichbarer Nähe keine Brücke oder Unterführung kennt, hält neben mir ein sehr, sehr betagter Mann auf einer sehr, sehr betagten Simson. Meine Rettung? „Kennst du dich hier aus?“ frage ich betont freundlich: „Denn ich kenne mich überhaupt nicht aus und möchte zur Autobahn!“ – „Ja.“ sagt der Mann und lässt seine Simson wieder an. „Kannst du mir da rüber helfen? Auf die andere Seite?“ – „Ja.“ sagt er nochmal, wendet um mich herum, ruft: „Ich fahr schon mal vor.“ und knattert los. Ich schließe hektisch den Helm, mache das Handy fest, wende unbeholfen und hole ihn ein, als er gerade mit guten 65 einen Kindergarten passiert hat. Sportlich, denke ich, und folge ihm aus dem Ort heraus, auf die Landstraße. Und da fahren wir… und fahren… uuuund fahren. Er ganz rechts am Rand, immer knapp 70 auf der Uhr, Halbschalenhelm, weiße Socken, Birkis, ich versetzt dahinter. Und wir fahren… erreichen einen Ort, biegen einmal ab… und fahren und… naja, fahren. Inzwischen bin ich ein wenig unsicher, ob er verstanden hat, dass ich hoffe, er zeigt mir den Weg. Das Navi jedenfalls weiß nix vom blockierten Übergang und will mich pausenlos zum Wenden überreden. Nach einigen Minuten kommen erste Zweifel auf. Ich habe inzwischen Thom am Telefon, der kurz vor der ersten Pause ist und schon ein Drittel seines Heimweges bestritten haben dürfte. Ich bin inzwischen nicht mehr so sicher, ob ich gerade entführt werde oder der Mensch vor mir gar nicht mehr weiß, dass ich keine Stalkerin bin, sondern er mir den Weg weisen wollte. An der nächsten roten Ampel muss ich das klären. Die nächste rote Ampel ist auf dem Dorf allerdings schwer zu finden. Der Zufall will, dass eine kommt. Eine für Fußgänger. Die zeigt für uns zwar rot, aber die Abwesenheit von Fußgängern oder die Abgebrühtheit des Simsonfahrers oder beides macht, dass er keine Anstalten macht, auch nur kurz anzubremsen. Oha. Irgendwann allerdings, ein Dorf weiter, kommt er in einer Fahrzeugschlange zum Stehen. „Hilfst du mir wirklich über den Bahnübergang?“ frage ich, noch immer mit Thom im Helm. „Ja!“ sagt der Mann, aber das reicht mir nicht. Ich muss anders fragen: „Du wolltest mir ja helfen, den Weg zu finden…“ – „Wo willst du denn hin?“ unterbricht mich der Mann. Ja. Klasse. „Auf die A2! Nach Hannover!“ sage ich zu laut und zu deutlich. „Die ist gesperrt!“ sagt der Mann. Ja, na sowas. „Da musst du nach Burg fahren!“ – „Wir waren doch in Burg!“ erwidere ich leicht genervt. Da war doch der Bahnübergang blockiert. „Ja…“ sagt der Mann. „..in Burg.“ Dann: Schweigen.

    Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll: „Ich muss auf die A2 – kannst du mir dabei jetzt helfen oder nicht?“ sage ich, jetzt wirklich zu laut und ein bisschen forsch, aber ich brauche die erste Pause. Und vor allem muss ich aus der Sonne. „Ja. Nach Burg musst du fahren… Da hättest du aber auch am Bahnübergang warten können!“ Ich entscheide mich für Lachen: „Was?? Aber ich dachte zu zeigst mir, wie ich das umfahren kann?!“ – „Du musst da hinten rechts. Da geht‘s nach Burg!“ Er zeigt quer über die Felder. Ich habe die Hoffnung verloren, setze noch einmal nach: „Ok, nach rechts abbiegen, was ist denn da ausgeschildert?“ Burg wird es nicht sein, denke ich, denn das war nicht da hinten rechts, da kommen noch mindesten drei Dörfer dazwischen. „Was da steht? Hm. Keine Ahnung. Musst du gucken, was da steht, wenn du abbiegst.“ Schulterzucken.

    Ich bedanke mich, weil ich inzwischen nicht mehr weiß ob ich hier an den Dorfverrückten, den Dorfdementen oder den Dorftrottel geraten bin. Dann fahre ich los. Das Navi möchte mich beharrlich zu dem Bahnübergang zurück schicken. Um nicht dem nächsten Simsonfahrer zu begegnen entscheide ich mich, Gloria anzurufen und ihr meinen Standort freizugeben. In geduldigster Pfadfinderigkeit lotst sie mich über Schleichwege nach Burg und dann auch noch zur Tanke. @Glo: du bist die Beste! <3

    Als ich getankt und den ersten Liter Wasser in mich hineingegossen habe ist seit meinem Aufbruch deutlich über eine Stunde vergangen. Thom hat den Heimweg halb geschafft. Ich bin noch nicht mal auf der Autobahn. Fantastisch.

    Ich nehme meinen Mut zusammen, fahre vollgetankt und noch immer kopfschüttelnd am mehrere Kilometer langen Rückstau auf dem Weg auf die A2 vorbei. Die ist dann, bis auf einen kleinen Stau, durch den ich zum Glück vorsichtig filtern kann, um nicht von unten und oben bei inzwischen 37° Luft und erheblich höherer Mopedtemperatur geröstet zu werden, ganz nett zu mir.

    Dann muss ich nur noch geradeaus. Das sollte ich schaffen, auch ohne dass mir ein Simsonfahrer hilft.

    Zwei Liter Wasser, zwei Liter Cola, drei Eis, fünf Stunden und zwei Podcasts später fahre ich Zuhause von der A1 ab.

    Meine Güte. Was n Tach. Fotos gibt es kaum. Das war heute wirklich nicht zu verlangen…

  • #Mopedtour2026 – Gipfel mit Zipfel

    #Mopedtour2026 – Gipfel mit Zipfel

    Nach unserer Reise ins Mittelalter gestern machen wir uns heute auf den Weg zu einer Sehenswürdigkeit, deren Entstehung einer einzelnen Mitreisenden zwar genauso lange her vorkommt, ein anderer Mitreisender aber ist so alt, dass er quasi beim Bau hätte helfen können. Neeeiiiin, die Rede ist weder von Jura noch von Kreidezeit. Und Dinos kommen auch nicht vor. Ich spreche von den guten (sehr alten) 60er Jahren, in denen in Jested, so sagt es das Internet, die Wanderhütte auf dem Berg Jested abbrannte und man in kürzester Zeit beschloss, den Neubau in einem Architekturwettbewerb entwerfen zu lassen. Gewonnen hat damals Karel Hubacek (wie auch sonst könnte ein tschechischer Stararchitekt bitte heißen) mit seiner Idee, auf den Bau des Turms zu verzichten und einfach direkt dem Berg einen fernsehturmspitzenartigen Hut aufzusetzen. Nun steht auf Jesteds Gipfel also ein rundes Gebäude, weitestgehend aus Glas, Beton und einem 100m hohen Stahlturm, in dem sich ein Hotel, ein Restaurant und ein Bistro befinden, und von dem aus Fernseh- und sicher auch diverse andere Signale in die Region geschickt werden.

    Mindestens ebenso geschickt ist übrigens die Idee, Motorradfahrer bis direkt zum Hut nach oben zu fahren zu lassen. So müssen die nicht, wie alle, die nicht Hotel wohnen, die letzten Höhenmeter vom Parkplatz die Straße zum Turm durch die sengende Hitze latschen. Denn dann wären wir sicherlich nicht hier. Wir wurschteln uns also auf den letzten paar hundert Metern an einzelnen Wanderern und mit 300km/h den Berg runter ballernden Mountainbikern vorbei, den Blick immer rechts am Hand entlang hangelnd, um nicht links in den Abgrund zu blicken, und schon gar nicht aus Versehen näher da ran zu fahren. Die Kamera hatte ich aufgrund kleinerer Reisedoku-Abnutzungserscheinungen leider nicht ans Moped geknuppert, so dass ihr mir jetzt einfach glauben müsst, dass zu meiner Linken das Gelände quasi senkrecht abfiel, überall Kletterer mit Sauerstoffflaschen und letzter Kraft feste Wege erreichten, Sherpas Mulis führend vorweg… und wir dann schließlich von einem Parkplatzeinweiser mit Warnweste einen Platz unter den Krempe des Fernsehturmhutes zugewiesen bekamen.

    Wir parken im Schatten unter dem alten brüchigen Beton, der sich über unseren Köpfen wölbt, gleich nach dem Absteigen gibts über unzählige Sattelitenschüsseln hinweg einen Blick ins Land, der einem wirklich die Kinnlade zu Boden drückt, so schön, das Land, so weit und das bleibt so und wird immer neu beim Rundgang, denn unten und oben gehts immer im Kreis um das Architekten-Ufo. Unglaublicherweise ist das Restaurant bis auf wenige Leute leer, wir bekommen Burger mit zerrupftem Gulaschfleisch und Pommes, die aussehen wie echte Kartoffelstücke und das in einem Ambiente, das noch immer den Charme der 70er atmet, besonders die Wand- und Deckenleuchten. Ein bisschen wie der Palast der Republik, sagt der Mitreisende und ich denke, ach so, ja klar, der Palast der Republik. So wird der wohl ausgesehen haben, wenn der Mitreisende das sagt. Und wie immer bekomme ich eine passenden kleine Erklärung, und der Kellner bekommt Trinkgeld und wir staunen, staunen, staunen.

    Berg runter ging dann irgendwie einfacher. Schöne Kurven gabs als Bonus auf der Hauptstraße, danach allerdings: Erschöpfung, schnell nach Hause, noch einmal Tanken und Abendbrot im Restaurant unter der Ferienwohnung, dann der Versuch trotz Geoblocking Deutschlands Niederlage zu gucken. Hat weitgehend geklappt. Und weil die kluge Frau vorbaut, stehen auf den letzten Zentimetern des Tages Koffer und Taschen gepackt, denn morgen gehts weiter, aus den Bergen in die echte Hitze… wir hatten ja keine Ahnung, wie privilegiert wir da in den Bergen waren.

  • #Mopedtour2026 – Burg Trosky

    #Mopedtour2026 – Burg Trosky

    “Da müssen wir eigentlich… also würde ich gerne… hin.“ sagt der Mitreisende auf eine Weise, wie er selten etwas sagt. Und das dürfte wohl heißen, dass wir heute eine Burg bei Troskovice besuchen, die nicht durch wilde Schlachten oder besondere Niedlichkeit Besucher anlockt, sondern weil ein paar tschechische PC-Spiel-Programmierer sie vor einigen Jahren zum Schauplatz ihres Openworld- Mittelalterabenteuers gemacht und im Spiel aufwändig rekonstruiert haben.

    Level 1 – Die Charaktere wählen für das heutige Abenteuer das Motorrad aus. Thom gewinnt Aura, weil… nee, Leute, ich bin zu alt für den Kappes. Es sind 35°C in der Ferienwohnung (Das sind 849 Tschechische Kronen) und ich habe Zugriff auf ChatGPT. Der erzähl ich jetzt mal von unserem Ausflug, und frage, wie ein Kingdom Come Gamer den Tag zusammenfassen würde:

    Quest gestartet: “Besuche Burg Trosky” 🏰

    Thom und ich spawnen nach Troskovice. Thom übernimmt den Support-Build (“Gib her, ich pack den ganzen Loot in meinen Tankrucksack.”) damit ich ohne Gepäck fahren kann. Instant +400 Aura.

    Am Parkplatz wartet schon der erste Sidequest-Hub – inklusive Kingdom Come: Deliverance-Merch. Um uns herum laufen gefühlt nur NPCs mit 1000 Stunden Spielzeit in Adiletten bei 30 °C Richtung Burg. Respekt oder Wahnsinn? Schwer zu sagen.

    Thom schaut auf seine Motorradstiefel und die schwarze Hose, mit der er die Map trotz aktivierter Hitze-Quest beteten hat.: “Den Berg level ich heute garantiert nicht.”

    Ich versuche mein Glück: „Ich finde, wir sollten nur bis zur nächsten Kurve. Einmal um die Ecke peeken und die nächste Map aufdecken” . Challenge accepted. Von der Kurve aus kann man den ersten In-Game-Shop sehen. Fast Travel aktiviert. Gelootet wird erst, wenn die Burg DLCs abgeschlossen sind. Leider wird es kein 100% Run. Beim Merchant am Eingang kaufe ich ein Souvenir und wir finden, wir haben den POI erfolgreich gecleart. Am Rand der Map finden wir dann noch versteckten Loot und können einen Geocache loggen. Completion-Rate steigt weiter.

    Anschließend nutzen wir den Vendor komplett aus, füllen die Hungerleiste auf 100 und ich füge +1 Magnet dem Inventar hinzu. Als plötzlich das Random Event „20 singende Kinder betreten die Map“ ausgelöst wird, entscheiden wir uns für den Stealth Exit.

    Quest abgeschlossen. 100 XP. Ein paar Schweißtropfen verloren, aber immerhin keine Ausdauerleiste komplett geleert. 🎮🏍️

    Nach dem Food Buff (das Gulasch entpuppt sich als äußerst lecker, wird aber an einer Art Spülschwamm- Beilage serviert. Ist es Brot? Ist es keins? Die Erfindung der Spirellinudel wird diesem Land jedenfalls irgendwann, wenn sie denn hier bekannt wird, einen immensen kulinarischen Aufschwung bescheren) speichern wir heute nur noch den Spielstand und erholen uns von Ausflug, Gulasch und Wetter.

  • #Mopedtour2026 – dem Regen nach Polen folgen

    #Mopedtour2026 – dem Regen nach Polen folgen

    Wenn wir zu früh starten, stellen wir fest, dann werden wir nass. Wenn wir allerdings den Tag eher gemütlich beginnen, dann sind wir immer ein kleines Stück hinter dem Regen. Bzw dem, was da alles noch mitfliegt, an Sturm und Gewitter. Und Ästen und Zweigen. Die jedenfalls liegen vor uns, auf nassen Straßen, in der Osthälfte Mecklenburg Vorpommerns. Wir allerdings machen hier und da Pause, damit das Gewitter uns weiterhin gern Stöckchen in den Weg legt, uns dabei aber bitte von oben verschont. Das heißt, dass wir Pausen machen müssen, die wir eh machen wollen, dass wir in Plau noch mit dem Goldwingbesitzer plaudern, der uns von dem extra verlegten Kabel für die mitgeführte Kaffeemaschine erzählt, und für dessen noch zu erwartenden Kumpel wir zwei Parkplätze räumen, damit der dann einen hat.

    So gurken wir, immer gen Osten, durch Orte, die auf -ow enden in die Uckermark, machen Pause an einem See in Lychen, an dem gerade drei Bläser Jens‘ runden Geburtstag zum Anlass nehmen, ihm „Eins zu blasen“ (Puh!). Zwei der drei Bläser hatten die Stücke sogar geübt. Der Mann am Baritonhorn, der vor der überraschenden Einlage den Gästen im Scherz Audioaufnahmen verbot, wusste, was er tat. Bloß halt nicht, was er tutete. Thom und ich wahrten im Rahmen der Möglichkeiten bis zum unvermeidbaren „Hoch soll er leben“ die Contenance, spendeten angemessen Applaus und wünschen Jens unbekannterweise, dass zum nächsten Runden alle Überraschenden geprobt haben mögen. Die ganze Bagage schippert mit einem Floß davon.Dass die Showeinlage an Land stattfand, wird die Fische freuen.

    Die Belustigung rastender Mopedreisenden übernimmt anschließend ein Pärchen auf E-Bikes, zuerst mit, dann ohne Dackel. Denn der macht sein eigenes Dackelding auch gern fern des Dackeltransportanhängers, schließlich ruft seine Gefolgschaft immerzu seinen Namen und winkt mit Keksen. Und wenn man zu weit wegdackelt spurtet sogar das Herrchen hunderte Meter dem Hund hinterher, um ihn zu Anhänger und Keks zurückzutragen. Dackel müsste man sein.

    Im Gegensatz zu Jens‘ Gästen habe ich Glück und muss kein Buffet mit Tutenden teilen. Der Copilot hat offenbar eine Horde Hasen ausgeraubt und eine derart große Menge Möhrchensalat geschreddert, dass ein Stopp an der Tankstelle nicht genügt, die Tupperdosen leer zu mümmeln. Nach ca. 1/3 der Menge klappen wir die Campingbestecke ein und begeben uns auf die letzten Meter in Richtung Cedynia in Polen. Am Grenzübergang an der Oder nicken uns die drei polnischen Grenzschützer freundlich zu. Der mit der lustigen Kelle, die aussieht wie die von der Kirmes mit den Zuckerperlen, die wir damals alle haben wollten, grüßt sogar. Ich fühle mich, als würde ich ein fremdes Land betreten, was daran liegt, dass ich das gerade mache, und dass man hier außer den Zahlen auf den Straßenschildern sich aber auch rein gar nichts sprachlich erschließen kann. Thom weiß, dass „Koniec!“ unter dem Kurvenschild bedeutet, dass hier keine Kurve mehr kommt. Dass solchen Schilder auch da stehen, wo angeblich keine Hirsche mehr kommen, lässt mich hoffen, dass man auch den Hirschen gesagt hat, was „Koniec!“ bedeutet.

    Statt Hirschen und den einmal per Schild versprochenen Wölfen begegnen uns noch etliche Störche, die alle so niedlich in ihren Hör… Nes… äh… Häuschen auf den Laternen wohnen, dass ich irgendwann vermute, dass hier eine Storchenfamilie immer von Dorf zu Dorf geschickt wird, um für die Durchreisenden storchiges Idyll vorzugaukeln.

    Storchig und Idyll sind dann am Ende des Tages nicht die Worte, die uns zum Hotel Piast in Cedynia einfielen. Aber wir erreichen ausreichend geschafft das Hotel, um im Treppenhaus das Interkom von Thoms Helm zu verlieren und, ohne es zu vermissen, Stunden später wiederzufinden. Danke an die deutsch-polnischen Hotelgäste, die es freundlicherweise retteten.

    Uns rettet die Pizzabude nur einen Katzenwurf entfernt, die uns ein Abendessen und ein Zusammentreffen mit dem ersten Dorfverrückten dieser Tour beschert, der – mutmaßlich voll des guten Pivo – einen energischen polnischen Smalltalk am Pizzabudentisch mit mir anfängt, meine fast 25 jährige Berufserfahrung im international verständlichen Dorfverrückte Weiterschicken aber anerkennen muss, jedenfalls zieht er wie erwünscht zügig wortkarg weiter. Auch wir halten uns nicht lange auf, denn die freundliche Pizzabäckerin packt die Sachen und läutet den Feierabend ein.

    Auch wir sind für heute geschafft. Morgen ändern wir die Himmelsrichtung und fahren genau so weit in Richtung Süden, dass nach noch einer Zwischenstation in Polen am Ende ein Aufenthalt im tschechischen Skigebiet dabei rauskommen kann, ohne zu viele Kilometer pro °C machen zu müssen. Google sagt, das ist in Zagan. Wird schon stimmen.

  • #Mopedtour2026 – Mueß

    #Mopedtour2026 – Mueß

    “Das ist doch kein Hafen hier!“ meckert der Typ Mitte 20, als er an der Badestelle neben mir von seinem 3.000 Euro Fahrrad steigt. Seine Freundin versteht das Problem nicht. Und auch ich hatte bisher gar nicht drüber nachgedacht dass hier Segler nicht erwünscht sein könnten. Mir doch hier jemand zu Fuß, mit dem Klapprad oder mit dem Segelboot ankommt. Der Radfahrer schimpft noch ein bisschen, wird dann aber von der Freundin zwinkernd ins Wasser geschickt, sich mal abkühlen.

    Ich habe mich heute nur bis zum Hosensaum abgekühlt. Der ist wegen des Wetters natürlich oberhalb der Knie. Um sich immer mal von der Hitze abzulenken reicht die Wattiefe allerdings. Im Gegensatz zum deutlich kleineren Dümmersee ist der Schweriner See auch ein paar entscheidende Grad kühler.

    Nach der äußeren Kühlung sammle ich auf dem Rückweg noch ein letztes Mecklenburger Softeis ein und sorge für innere Kühlung. Schoko-Vanille. Bewährter Hitzeschutz. Da macht ma nix falsch.

    Auch nix falsch macht man im Moment beim Besuch eines Supermarktes. Ich habe kurz überlegt, mich in einem der ausgestellten Campingstühle mit einer Packung Kaktuseis einfach niederzulassen. Was hätten sie tun sollen? Mich wegtragen? Eher nicht. Am Ende schleppe ich eine wilde Mischung aus Brötchen, Humus, Banane, Pringles und Mikado Stäben ins Hotelzimmer, dass sich zum Glück auf der Schattenseite der Unterkunft befindet, sodass sich auch zwei Stunden nach dem Einkauf die Schokolade nicht vom Mikado getrennt hat. Lecker. Hatte ich sicher 20 Jahre nicht. Gab’s früher schon mal. Zu besonderen TV-Anlässen, aus dem auf den Tisch gestellten alten Senfglas. Als man noch aus Senfgläsern trank, die meine Eltern uns durch (wie ich im Nachhinein finde) beachtlichen Senfkonsum beschafft hatten. Eins hatte wir sogar mit Aufdruck. Biene Maja? Schlümpfe? Keine Ahnung. Der Aufdruck gab irgendwann der Spülmaschine nach. Wer sich erinnert, meldet sich gerne.

    Ich schwöff ab. Hitze, Mikado, Banane und ich verbringen den Tag bis zum Fußball auf dem okay temperierten Hotelzimmer. Ohne Senfglas. Mit Nickerchen, stattdessen. Ich räume noch ein wenig Dinge am Moped hin und her, mache ein Nickerchen und dusche zweimal kalt. Zufällig öffne ich noch mal die Booking-App und stelle fest, dass ich laut Buchung heute hätte in Polen ins Hotel einchecken sollen. Ich kann schon ohne Urlaub diese Sache mit dem Wochentage nicht. War ja klar, dass das irgendwann mal schiefgehen muss. Ich überlege kurz, seufze und rufe in Polen dran. Da allerdings geht niemand dran. Auf meine Nachricht erhalte ich eine freundliche Antwort, die ich nicht ganz entziffern kann, die aber bedeuten dürfte, dass wir morgen nicht im Wald schlafen müssen. Kühl wäre es da immerhin.

  • #Mopedtour2026 – Zoo

    #Mopedtour2026 – Zoo

    Claudia hat ein Sabberproblem. Außerdem hält sie uns minutenlang nur ihren Hintern hin. Flauschig ist der. So flauschig, dass ich größere Lust hätte, ihr mal ordentlich Unterwolle aus dem Pelz zu prokeln. Aber vielleicht wäre ihr das gar nicht so recht. Immerhin isst sie gerade Wassermelone. Und ich habe auch keine Ahnung, wie nett so eine alte Braunbärin ist, wenn man ihr was aus dem Mantel pult, sie aber gerade Hunger hat, auf Wassermelone.

    Gehen wir also lieber weiter. Denn wir haben auch Hunger. Im Gegensatz zu den Bärinnen wirft uns aber leider niemand eine Melone über den Zaun. Wir steuern den Imbiss an und entscheiden uns für Nudeln bzw ich für eine Currywurst mit Pommes. Da hatte Peter aus dem Besuch an der Seewarte gestern eine Pommes Vorsprung. Den musste ich aufholen. Wir sitzen ein bisschen, beobachten einen Pfau, der die Imbissmitarbeitenden erfolgreich um Körnerfutter anschnorrt und sich dann laut hupend auf ein nahes Dach zurückzieht, und lassen die bisherige Runde Paroli laufen.

    Die Giraffen waren niedlich, fürchteten sich aber vor meiner auf Giraffenhöhe ausgefahrenen Kamera (Sorry noch mal an dieser Stelle). Das Giraffenbaby Stands stumm und starr in der Ecke, dass man annehmen musste, es hätte die Puschelohen langezogen bekommen und schmollte jetzt. Ehrlicherweise dachten wir kurz, es sei gar nicht echt. Die Löwinnen rangen um einen ollen Fußball (Für Kenner: Nike T90 – den hätte man damals, anstatt in die Stadien der Premier League, besser gleich ins Löwengehege geworfen. Der Löwe lag etwas abseits auf dem Rücken, die riesigen Pranken in den Himmel gestreckt, wohlwissend, dass demnächst wieder irgendein Trollo irgendwas fleischiges in einen der Bäume hängen würde und die Präriehunde, die mitten im Zoo einfach frei auf, neben und in einer der Wiesen neben dem Streichelzoo wohnen, machten eh ganz entspannt ihr Ding und der Bustachler hatte sich in den Baum gute vier Meter über dem Fußweg neben seinem Gehege zurückgezogen. Die Nashörner hatten auch gerade Mittagsstunde und standen wartend im Häuschen, während die Tierpfleger Elektrokarren voller Nashornkacke raus und Handkarren voller frischer Äste rein schoben.

    Und weil hier ja eh kaum Menschen leben und wo die Sommertouristen noch auf sich warten lassen, war auch auf den Wegen genauso entspannte Stimmung wie in den Gehegen. Nur bei den Äffchen hatte ich einen kurzen Streit, weil der meine Kamera nicht nur durch den Zaun anschauen sondern in Sekundenschnelle dann auf einmal mit nach Hause nehmen wollte. Mit seinen mini Pommesarmen hatte er sich da allerdings doch etwas zu viel vorgenommen.

    Wir hatten uns noch einen kleinen Abstecher in die Stadt vorgenommen und beendeten Tag und Ausflug mit einem Eis. Morgen wollen Peter und Tina dann wirklich noch am letzten Urlaubstag mit dem Ruderboot in See stechen. Bis dahin sage ich Ahoi und gucke noch ein wenig den Engländern zu, wie sich von Herrn Tuchel rundmachen lassen, und klebe ein paar Paninisticker an ihren Platz.

  • #Mopedtour2026 – noch Dümmer

    #Mopedtour2026 – noch Dümmer

    Gar nicht so einfach, keine Wortwitze zu machen, wenn man in Dümmer unterkommt. Dümmer, das ist eine kleine Sammlung Ferenhäuser, die neben einer kleinen Sammlung Einfamilienhäuser an einem kleinen See liegt. Dümmer ist bei Wittenburg. Wittenburg ist an der A24. Die führt nach Hamburg. Und versorgt, wenn das Konzept aufgeht, die Wittenburger Skihalle mit Norddeutschen Alpinisten. Oder: die sich dafür halten. Angeblich war die Sache mit der Abfahrt auch wirtschaftlich eher eine… Abfahrt… bis ein niederländischer Investor den Bumms übernahm – und in „Alpincenter Hamburg Wittenburg“ umbenannte. Das ist ungefähr so, als würde man einen Flughafen „Düsseldorf Weeze“ nennen – aber wer würde das tun?

    Im Gegensatz zu Weeze bin ich auf den Trick in Wittenburg nicht reingefallen, aber ich weiß ja auch jetzt, wo das ist. Drumrum gurke ich eine Runde mit dem Motorrad, als das Wetter endlich nicht mehr nass und stürmisch sondern nur noch stürmisch ist, schaue mir die Alleen mit den umgeklappten Blättern, biege auf schmale Straßen ab und erkenne plötzlich ein Schild wieder, an dem ich schon mal zu einem Gedenkort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze abgebogen bin. Damals hatte ich ein E-Mountainbike und einen Hund im Anhänger. Diesmal bleibe ich onroad und gurke weiter, bis ich auch die umliegenden Straßen nahe des Schalsees an der ihnen ganz eigenen Hügeligkeit erkenne. Zwischen zwei kleinen Ortschaften werfe ich Postkarten in einen mutmaßlich weitgehend verwaisten Briefkasten und hoffe, dem Postboten ein bisschen Lebensfreude zu schenken. Immerhin hat er nun mal wieder zu tun.

    Außerdem geocache ich die Gegend leer und kehre einigermaßen zufrieden in die Ferienhaussiedlung zurück, in der pünktlich zum Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Curacao eine sportliche Portion urlaubig improvisierter Bolognese verspeist wird.

    Deutschland schickt Curacao mit einem 7:1 vom Feld, ich ziehe mich mit letzter Kraft in mein Schlafzimmer zurück.

    Morgen soll es noch trockener werden als heute. Und weniger stürmisch vielleicht auch. So einen besonderen Tag möchte ich ausgeschlafen erleben…

  • #Konzert – Monsters of Liedermaching

    #Konzert – Monsters of Liedermaching

    Es wird noch Merch gekauft, fällt Lisa und mir angesichts der vielen Menschen in Sitz-Pogo-T-Shirts um uns herum auf, als wir uns auf der Treppe in der Zeche einen Platz suchen. Der ist, trotz minimalistischer Kissen, doch recht hart und kühl untenrum. Das allerdings geben wir natürlich nicht so richtig gerne zu. So alt, uns über unbequeme Sitze zu beklagen, können wir doch nicht sein? Also… können wir doch nicht? Oder?

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  • #MV2025 – Schwerin

    #MV2025 – Schwerin

    „Beepeep!“ – mein Handy schließt die Haustür zur Ferienwohnung auf. Ich bin mit dem Auto hier und campe nicht. Diesmal habe ich also die Chance, auch mal das weitere Umland zu erkunden. „Beepeep!“ – das war die Ferienwohnungstür. Ich stelle meine Tasche in die moderne, aber recht seelenlose Bude. Es begrüßen mich eine mannshohe Plastikblume und der Lüfter im Bad bollert dazu. Beides wäre beim Camping wohl nicht passiert. Ich bin verwöhnt.

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  • Torsten

    Der Regen peitscht über die Häuser im Dorf. Schräg von der Seite schlagen dicke Tropfen auf meine eiskalten Wangen. Ich wende den Kopf ab und kneife die Augen zusammen. Fies ist es heute hier draußen. Richtig fies. Die blau- weiße Regenjacke klebt an meinem Pullover, die Hände werden langsam kalt. Ich werfe meine Torwarthandschuhe neben die Eckfahne, dann laufen wir los. Von der Fahne schräg rüber an die andere Seite der Mittellinie, rechts herum, am Tor entlang und unserem Start vorbei wieder quer über den Platz, dann andersrum. Ich weiß nicht, wie oft wir das jetzt machen werden, ich weiß nur, dass ich Anschluss halten will, wenn der, der vorweg läuft, auf den Querbahnen das Tempo ordentlich anzieht. „Los! Kommt!“ ruft Torsten dann, und das Geräusch, das die Ärmel seiner Regenjacke beim Laufen machen, wird hörbar schneller. 

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