#Mopedtour2026 – Mueß

“Das ist doch kein Hafen hier!“ meckert der Typ Mitte 20, als er an der Badestelle neben mir von seinem 3.000 Euro Fahrrad steigt. Seine Freundin versteht das Problem nicht. Und auch ich hatte bisher gar nicht drüber nachgedacht dass hier Segler nicht erwünscht sein könnten. Mir doch hier jemand zu Fuß, mit dem Klapprad oder mit dem Segelboot ankommt. Der Radfahrer schimpft noch ein bisschen, wird dann aber von der Freundin zwinkernd ins Wasser geschickt, sich mal abkühlen.

Ich habe mich heute nur bis zum Hosensaum abgekühlt. Der ist wegen des Wetters natürlich oberhalb der Knie. Um sich immer mal von der Hitze abzulenken reicht die Wattiefe allerdings. Im Gegensatz zum deutlich kleineren Dümmersee ist der Schweriner See auch ein paar entscheidende Grad kühler.

Nach der äußeren Kühlung sammle ich auf dem Rückweg noch ein letztes Mecklenburger Softeis ein und sorge für innere Kühlung. Schoko-Vanille. Bewährter Hitzeschutz. Da macht ma nix falsch.

Auch nix falsch macht man im Moment beim Besuch eines Supermarktes. Ich habe kurz überlegt, mich in einem der ausgestellten Campingstühle mit einer Packung Kaktuseis einfach niederzulassen. Was hätten sie tun sollen? Mich wegtragen? Eher nicht. Am Ende schleppe ich eine wilde Mischung aus Brötchen, Humus, Banane, Pringles und Mikado Stäben ins Hotelzimmer, dass sich zum Glück auf der Schattenseite der Unterkunft befindet, sodass sich auch zwei Stunden nach dem Einkauf die Schokolade nicht vom Mikado getrennt hat. Lecker. Hatte ich sicher 20 Jahre nicht. Gab’s früher schon mal. Zu besonderen TV-Anlässen, aus dem auf den Tisch gestellten alten Senfglas. Als man noch aus Senfgläsern trank, die meine Eltern uns durch (wie ich im Nachhinein finde) beachtlichen Senfkonsum beschafft hatten. Eins hatte wir sogar mit Aufdruck. Biene Maja? Schlümpfe? Keine Ahnung. Der Aufdruck gab irgendwann der Spülmaschine nach. Wer sich erinnert, meldet sich gerne.

Ich schwöff ab. Hitze, Mikado, Banane und ich verbringen den Tag bis zum Fußball auf dem okay temperierten Hotelzimmer. Ohne Senfglas. Mit Nickerchen, stattdessen. Ich räume noch ein wenig Dinge am Moped hin und her, mache ein Nickerchen und dusche zweimal kalt. Zufällig öffne ich noch mal die Booking-App und stelle fest, dass ich laut Buchung heute hätte in Polen ins Hotel einchecken sollen. Ich kann schon ohne Urlaub diese Sache mit dem Wochentage nicht. War ja klar, dass das irgendwann mal schiefgehen muss. Ich überlege kurz, seufze und rufe in Polen dran. Da allerdings geht niemand dran. Auf meine Nachricht erhalte ich eine freundliche Antwort, die ich nicht ganz entziffern kann, die aber bedeuten dürfte, dass wir morgen nicht im Wald schlafen müssen. Kühl wäre es da immerhin.

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