Urlaub 2026 – kein Gas am #RocheDeSolutré

Klar, so ein AirBnB hat Vorteile, wenn man sich ein paar Tage vor dem Regen verkriechen mag. Es gibt eine Küche, die man nicht draußen auf dem hohen Tisch neben dem kleinen Tisch neben den Klappstühlen aufbauen muss. Es gibt eine Dusche, die man in weniger als einem Tagesritt erreicht und es gibt ein Sofa, auf dem man die Füße hochlegen und im Fernsehen ein bisschen Quatsch gucken kann. Und zwischendurch gibt es Sandwiches.

Außer halt in unserem Fall. Zwar scheinen wir unter den ersten Gästen dieser hübschen und daher auch sehr gepflegten Bude mit wirklich niedlicher Aussicht auf einen Berg zu sein, der eine schiefe Mütze trägt und Roche de Solutré heißt, wie Google Maps für uns ermittelt, und zwar gibt es auch Couch und Tisch für die Füße. Aber mangels Wifi und passender TV- Fernbedienung gibt es keinen Quatsch zu gucken. Egal. Wir ziehen gedanklich weiter zum Abendessen und wollen danach noch eine Runde Hanabi anschließen, allerdings macht der Gasherd bis auf das Klicken des Zünders bedenklich wenige Geräusche. Und ein Blick in den Schrank zeigt: hier wird heute wohl nur auf der einzelnen Elektroplatte gekocht. Zum Glück sind wir Camper. Wir erklären die Bratkartoffeln mit Würstchen einfach zu einem Eintopf, schnibbeln Salat dazu und haben am Ende einmal mehr aus wenig viel gemacht.

So gestärkt gelingt es uns dann auch, den größten Struggle der Bude in den Griff zu kriegen. Denn genau der, der Griff der Tür ist unser ärgstes Problem. Wir haben bis zum mangels Gas und notwendig gewordener Chats mit AirBnB sehr späten Abendessen den Eindruck, die Bude an der Hauptstraße nicht abschließen zu können. Erst mit Kartoffeln und Texmex Würstchen im Bauch habe ich die Eingebung, den Griff der Tür einfach mal nach oben zu ziehen. In Frankreich vermutlich ein Move, den jedes Kind beherrscht. Wir allerdings sind deutsche Türgriffe gewöhnt und haben deshalb kurzfristig die AirBnB Sicherheitshotline nervös gemacht. Hier zu schlafen und nicht abzusperren, in einer Bude, die nett aussieht, aber noch ganz ohne online Rezensionen auskommen muss und an der Ausfallstraße aus Mâcon liegt… ich bin ja wenig empfänglich für Gruselgeschichten, aber um das gut zu finden habe auch ich zu viel True Crime Podcasts gehört. Und darauf, dass ein französischer Philippe Fleitér auf unseren Nacken Klicks à la „Der Hybridurlaubsraub“ macht und wir bei „Numéro de dossier XY“ landen, haben wir nun wirklich keine Lust. Als dann auch uns doofen Kartoffeln klar ist, wie man eine Tür abschließt, wuckern wir den sackschweren Marmortisch mit dem Gußeinsenfuß wieder vom Eingang weg. Wenn jetzt doch jemand reinkommt muss er am schwerhörigen Hausmeisterhund vorbei, das wird als Einbruchsschutz genügen müssen.

Wenn wir dann noch an Gas für den Herd und Wifi fürs Télé kommen, könnten wir uns sogar vorstellen, noch eine Nacht länger zu bleiben.

C‘est à voir…

Den Montag, den vierten Tag unserer Tour, verbringen wir mit einem Einkauf im Super U, Shopping bei Decathlon („Nimm die Cappie, die sieht aus wie mit einem französischen Autobahnschild“) und einer Runde zu dem bemützen Berg, den wir aus dem Wohnzimmerfenster unter den Wolken sehen.

Komoot sagt, hier sollen wir eine nette Runde machen. Die Wetterapp sagt, dass wir dabei sogar trocken bleiben und die Schilder sagen, dass Teile der Runde barrierefrei sind. Dass andere Teile aber so kernig bergauf gehen, dass der Hund uns anschaut, als müsste er einen Gang zurück und die Differenzialsperre einschalten, und als hätten wir ne Meise, steht nirgends. Aber so guckt er ja bekanntlich öfter. Wir kraxeln also zwischen Hagebutten und Moos übers Burgunder Ocker, treffen beinahe niemanden und genießen aus allen Richtungen die Aussicht über die Weinberge.

Abends enden wir mit Hack-Kartoffel-Bauerntopf im Bauch nahezu ohne Sofa-Umweg im Bett. Zwar haben wir inzwischen Gas und Wifi, die Fernbedienung und der Fernseher leben aber weiterhin getrennte Leben. Aber ganz ehrlich: uns wären eh sofort die Augen zugefallen.

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