Urlaub 2026 – Tschüß, Yousef!

·

, ,

Es sei sein letzter Anruf, sagt Yousef, und, dass er uns alles Gute wünscht. Glo bedankt sich freundlich. Schade, dass unsere kurze Telefonfreundschaft mit dem sehr bemühten AirBnB-Kundenbetreuer schon wieder endet.

Er hätte uns gern noch in Sachen Fernseher zum Erfolg verholfen. Aber auch er konnte den AirBnB Vermieter nicht mehr erreichen. Zum Glück sind wir genügsam, tagsüber nicht hier und abends müde. Während wir uns abseits der Bildschirme die Zeit vertrieben hat Yousef versucht, für uns beim Vermieter Dinge zu klären. Und ich muss sagen, dass er für mich den Ruf des AirBnB Service auf ein ganz neues Level gehoben hat. Selten hatte ich den Eindruck, eine Plattform interessiert sich wirklich für die Sicherheit seiner Userinnen. Und dass ein einzelner Mitarbeiter so penetrant für uns dranbleibt und uns mehrmals am Tag Updates per Chat und persönlichem Anruf gibt, hätte ich nicht erwartet. Hut ab, AirBnB!

Zu der Bude hier eine Bewertung zu schreiben, wird demnach auch gar nicht mal so einfach. Einerseits ist sie bis in die letzte Ecke wirklich blitzsauber, andererseits hatten wir anfangs weder Gas noch Wifi und bis zuletzt keinen Fernseher. Einerseits ist die Einrichtung recht stilvoll und modern, andererseits gibt es exakt ein „scharfes Messer“ (bzw etwas, das so aussieht, als wäre es eins) und Besteck, dass, wenn das Material noch 1/10mm dünner wäre, unsichtbar wäre. Wieso man etwas wie Fernsehempfang und Besteck bei so einer Bude dann an den letzten Euros spart und dadurch schlechte Bewertungen provoziert wird mir für immer rätselhaft bleiben. Wir hatten es leicht, haben uns Besteck, Gewürze, ein iPad und was uns darüber hinaus fehlte, einfach aus dem Bulli geholt. Aber vier Personen, die hier mehrere Tage bleiben, würden sicherlich schlimm fluchen.

Wir ziehen morgen weiter, lassen die Bude, unseren neuen Freund Yousef und hoffentlich auch das Wetter zurück und suchen uns eine neue Bleibe. Eine, wo wie das Dachbett hoch und die Markise ausfahren können. Da ist dann das Besteck schwerer und das Gas im Herd brennt sauber, und wir können abschließen. Und vor der Tür ist keine Ausfallstraße sondern Rasen. Und vielleicht fahren Bauern in der Ferne Muster in die Hügel. Lassen wir uns überraschen…

Zum Abschied haben wir heute noch einmal versucht, in der Stadt einen Magneten als Souvernir zu besorgen. Leider war die Auswahl auf genau einen beschränkt, den Glo so vehement scheiße fand, dass ich mich am Ende auch nicht getraut habe, einen zu kaufen. Ich wäre ausreichend genügsam gewesen und hätte mich beim Anblick des heimischen Kühlschranks dann immer an die Hügel und den Roche und Yousef und das Wifi erinnert. Aber der Platz am Kühlschrank wird leer bleiben. Andererseits hätte ein stilvoller Magnet dem Stadtbild Mâcons auch nicht ganz entsprochen – was die Zurückhaltung der Souvernirmagnetindustrie erklären könnte.

Mâcon macht es einem nicht leicht. Schmale Fassaden in niedlichen Farben, Fußgängerzonen, beschattet von bunten Fäden und jemand hat Rathaus und Kirche direkt neben das Tourismusbüro gebaut. Praktisch. Das allerdings hat geschlossen. Und auch sonst wirkt das hier alles wie ein Besuch im Europapark Rust. An einem regnerischen Tag. Im November. Ein paar Darsteller stellen Bewohner dar. Ab und zu schickt die Regie ein Auto los, dass zur Belustigung der Besucher hier und da jemanden anzufahren droht. Bei Starbucks gibt ein einsamer Schauspieler den beschäftigten MacBook-User. Im gesamten Stadtkern dudeln extra installierte Lautsprecher Nullerjahre-Popmusik gegen die Einsamkeit der Passanten, die versuchen, herauszufinden, wann die vielen kleinen Geschäfte mal wieder öffnen. Oder besser: ob. Wir wissen nicht, warum Mâcon keine Magnete baut, mit Häusern und Fluss und Brücke und Roche, aber wir werden uns hoffentlich trotzdem an den Stopp hier erinnern. Und Glo, die sitzt, während ich hier tippe, schon bei Souvenirmagnete-Erstellen.de und wittert ihre Marktlücke…

Wäre doch auch am Kühlschrank niedlich. Findet ihr nicht?

Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von aenni.online

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen