Waschi

Heute erinnert mich Facebook an einer Erinnerung an mein letztes Auto. Vor dem Brummi. Damit war ich öfter an einer dieser Selbst- Waschanlagen. Und davon erzähle ich euch heute. Erinnerungen und Anekdoten, die nicht aktuell sind, kennzeichne ich ab heute mit der Kategorie “Aufgewärmt”.

Ich parke den Nissan vor der Waschbox.
Zuerst gibt’s außenrum ’ne Katzenwäsche – wegen des mieses Wetters.

Und innen muss ich wenigstens mal saugen.
Nachdem ich letztes Mal zwei Euro in den Sauger gesteckt und festgestellt habe, dass ich dafür satte zehn Minuten Saugezeit besaß, entscheide ich mich heute auf dem Weg zum Geldwechselautomaten, der mir aus dem Fünfer saugerkompatibles Klimpergeld machen soll, für einen Euro fünf Minuten Saugezeit klar zu machen.

Fünfer rein. Warten. Fünfer unten wieder raus. „Außer Betrieb“ schreibt das Display und ich gucke in die Röhre. So pottendreckig kann die Karre nicht bleiben.

Die umliegenden Waschboxen sind fest in der Hand augenscheinlich türkischstämmiger BMW- Besitzer mit High-End-Deluxe-Waschequipment. Ach, wat soll’s, hau ich mal einen an. Vorsichtig, aus einer Ferne. Nicht, dass ich dem feinen Auto zu nah komme. „Hi! Sachma, äh… kannst du wohl ’n Fünfer klein machen?“ kumpele ich ihn kleinlaut an, wie es sich für einen Wasch-Laien zwischen den ganze blitzeblanken Pros gehört. Der kleine, knubbelig geformte Mann um die 30 nimmt die Schultern zurück und wächst mehrere Zentimeter: „Klar! Automat is aus, ne?“ Er kramt in der Hosentasche der megahippen Jeans. Bisschen kurz. Aber das muss wohl so. „Nee, sorry! Aber ich hab zwei Euro. Kannst du haben!“

Verdutzt nähere ich mich seiner ausgestreckten Hand. „Einfach so?“ frage ich vorsichtig: „Ich kann dir Leergut dafür geben…“ zwinkere ich und deute auf den Berg Pfandflaschen, die ich zwecks Innenreinigung schon aus dem Kofferraum geholt habe. „Nee danke…“ lacht der edle Spender: „…im Waschi hilft man sich!“

Ich biete ihm ein Stück meiner Zewa-Rolle an. Küchenrolle und Cockpitspray, mehr gibt meine karge Autowaschausstattung leider nicht her. „Ja. Küchenrolle is voll gut!“ findet Mann und ich rolle ihm gönnerhaft etwa eineinhalb Meter ab. Dass es sogar echtes Marken-Zewa ist macht mich ein bisschen stolz – hebt sicher die Waschi-Credibility.

Dann stehe ich da, mit dem Gegenwert von zehn Minuten Saugezeit in der Hand, und traue mich nicht zu offenbaren dass ich mit derart viel Saugeguthaben gar nicht so recht was anzufangen weiß.
Zwei Euro – das ist dem Pflegezustand des blitzeblanken BMWs nach zu urteilen in etwa der tägliche Saugeaufwand des Kofferraums.

‚Sauge ich eben langsam‘ denke ich und werfe die Münze in den Automaten. Ganz in Ruhe reinige ich Sitze und Fußräume und bemühe mich dabei beflissen zu wirken, falls mein neuer Waschi-Bro rüber guckt. Tut er nicht. Er erklärt seinem kleinen Cousin gerade, wie man ein Cockpit putzt. Das dauert und fordert die komplette Aufmerksamkeit.

Als ich mit meinem Ergebnis zufrieden bin zeigt die Saugeuhr noch epische vier Minuten und 28 Sekunden, die ich irgendwie mit dem Abwischen des Cockpits vertrödele, während ich den Saugerüssel so in den Fußraum halte, dass es aus Richtung BMW aussehen müsste als saugte ich noch immer inbrünstig.

Bei 1:17 Minuten Restguthaben höre ich jemanden meinen Sponsoren fragen, ob der Automat aus sei und ob er vielleicht Geld wechseln könnte. „Junge! Sehe ich aus wie dein Sparschwein?“ bölkt der aufgeplustert: „Hab auch kein Kleingeld mehr.“

Ist wohl mein Glückstag.

Bei irgendwas unter einer Minute Saugereserve verliere ich die Nerven, hänge den Saugeschlauch weg und verlasse fluchtartig die Waschanlage, nicht ohne meinem neuen Waschi-Bro nochmal zuzunicken.

Der erklärt dem Nachwuchs gerade wie man die Scheiben reinigt. Mit meinem Zewa.

Im Waschi hilft man sich.

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