Kühlungsborn I – Aufbau Kübo West

”Fahren Sie einfach auf die Anreisespur, der Kollege zeigt Ihnen dann den Weg zu Ihrer Parzelle” sagt die freundliche Dame am Check-In des Campingparks Kühlungsborn West, und man hört sofort, dass sie diesen Satz sehr, sehr oft sagt. Also fahre ich wie mir beschieden einfach ran an die Schranke, die Nummernschilderkennung öffnet mir die Pforte und gleich danach nimmt mich ein hausmeisteriger Mann mit einer Art Golf- Cart in Empfang, um mich über den Platz zu Parzelle E047 zu geleiten. “Rückwärts drauf fahren!” ruft er, und verschwindet.

Als ich den Wagen auf der wie ich finde tiptop geraden Parzelle parke rangieren meine Nachbarn mit dem Mover ihren 6m- Wohnwagen hin und her. Während sie an der Ecke steht und Anweisungen gibt, drückt er Fernbedienungsknöpfchen. “Bisschen noch nach da, nee, nicht so weit. Jetzt ist gut. Nee, warte, bisschen wieder nach da.” Ich weiß nicht, was die Beiden in den nächsten Tagen vor haben, so genau wie es halten muss gehe ich davon aus, sie haben wohl einen Billardtisch mit.

Bisher habe ich solche großen Touristenhochburgenplätze bewusst vermieden. Ich wollte allerdings mitreden können. Deshalb stehe ich jetzt zwischen etlichen Wohnwagen, gestaubsaugten Vorzelten und selbstausfahrenden Satellitenanlagen auf “Komfortplatz E047” und richte mich ein, auf 120qm, mit Wasser-, Strom und sogar TV Anschluss. Dabei hat der Brummi noch nicht mal einen Fernseher…

Vom 60m entfernten Ostseestrand trennen mich ein Wäldchen, das uns den Wind vom Buckel hält, ein Wanderweg und ein ca drei Meter hoher Zaun. Der komplette Platz ist Fort Knox mäßig eingefriedet. Hier wohnt man bestens geschützt vor fremden Menschen und die Camper bleiben unter sich. Eine Chip-Karte öffnet mit einem kurzen Pieps die überall verteilten Tore, sodass ich bequem den 100m entfernten Hundestrand erreiche. Bequem ist ein Wort, dass hier wohl an vielen Stellen der Maßstab war. 

Ich rolle also die Markise aus, befestige den Teppich, ziehe die Verdunkelungen zu und gehe zum Strand. Als ich aus dem Wäldchen um die Ecke biege und den Hund ableine, merke ich, wie ich unkontrolliert breit zu grinsen beginne. Vielleicht habe ich die See doch mehr vermisst, als ich bisher dachte. Der Hund, der sonst kein großer Spieler sondern mit seinen neun Jahren schon eher gemütlich ist, eskaliert komplett. Minutenlang läuft er wirr hin und her und kreuz und quer. Ein bisschen wie der Mann mit dem Mover.

Irgendwann, als die Zunge quer durch die Zahnlücken baumelt und der Flausch rundum gesandstrahlt ist, machen wir uns auf den Rückweg. Die Frau, inzwischen hat sie sich als Anja vorgestellt, guckt ein bisschen neidisch, als ich mich mit einem Becher Kaffee Latte aus dem Kühlschrank auf die Stufe der Schiebetür setze und die Beiden mehr oder weniger heimlich beobachte, wie sie ihr monströses Vorzelt aus dem Wagen wuckern.

Und auch als ich das hier, eine ganze Weile später, ins Internet tippe, inzwischen ein Brötchen mit einer heißgemachten Bockwurst in der Hand, wird nebenan noch immer aufgebaut und ausgerichtet, optimiert und nachgemessen, und vielleicht bilde ich mir das ein, aber ich glaube eben hat auch der Mann etwas neidisch zu Brummi, Bockwurstbrötchen und mir rüber geguckt.

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