Ich habe ein Auto gekauft

Ich habe ein Auto gekauft. Es ist weiß und gebraucht. Ein spießiges Pärchen hat es bisher in seiner Garage geparkt, in der Nähe von Regensburg. Es war eins dieser Pärchen mit Neubau und Sichtputz und fancy Hängesessel im Wohnzimmer, mit Blick auf die offene Küche, die man heutzutage hat, als fancy Neubaupärchen.

Auch wenn am Ende alles gut funktioniert hat, das Auto inzwischen auf mich zugelassen und schon das erste Zubehör bestellt ist – nochmal brauche ich so ein Gebrauchtwagenkaufabenteuer so schnell nicht wieder. Sicherheitsdenkerin, die ich bin, und Polizistin mit wenig Vertrauen in meine Mitmenschen noch dazu, war das dann doch am Ende ein harter nervlicher Ritt.

Von: „Wir müssen irgendwann mal über den Preis sprechen!“ über: „Sind wir uns jetzt eigentlich einig?“, „Kommst du denn auch wirklich?“ zu: „Wir machen das auf jeden Fall in bar!“ und (Minuten später): „Wir machen das auf jeden Fall per Überweisung!“ war alles dabei, was meine Unsicherheiten hätte triggern können. Dass sich die örtliche Sparkasse nicht nur als wenig digital sondern auch als unglaublich schlecht informiert herausstellte, kam für uns zwei Privatverkaufs- Vollhonks dann noch erschwerend hinzu.

Ich weiß nicht, wer von euch schon mal, sich pausenlos nervös umschauend, einen mittleren fünfstelligen Betrag um zwei Minuten nach Geschäftsschluss in unendlich vielen kleinen Stäpelchen an einem Kleinstadtbankautomaten eingezahlt hat. Falls ihr aber mal einen ganz speziellen Nervenkitzel braucht oder euch fragt, wie man eine rentennahe Kleinstadtsparkassenkassiererin an den Rand der Verzweiflung treibt, kann ich das nur empfehlen.

Getoppt wird dieser Thrill dann allerdings spätestens, sobald man versucht, das jüngst mit schwitzigen Händen eingezahlte Vermögen per Echtzeitüberweisung an den Mann zu bringen. Denn diese Form moderner Geldgeschäfte, am Telefon von der Servicemitarbeiterin noch als: „Das ist technisch heutzutage gar kein Problem und in wenigen Minuten gebucht!“ angepriesen, scheint nur random oder je nach Gusto des Bankinggottes (vermutlich der heilige Iban) zu funktionieren. Ein Anruf bei der freundlichen Bankberaterin sollte Abhilfe schaffen können, führte allerdings zu kollektivem Stirnrunzeln, denn: „Frau Winter macht hier die Blitzüberweisungen… die hat heute aber schon früher Feierabend!“.

Nur dank eines über die Zeit der Kaufabwicklung gewachsenen Vertrauens und eines wirklich sehr, sehr netten Kontaktes zum Veräufer- Neubaupärchen haben wir trotz aller Widrigkeiten am Ende getauscht. Ein Haufen Geld gegen einen sehr kleinen Brummi. Ein leeres Konto gegen eine leere Einfahrt. Auch Frau Winters früher Abgang konnte uns nicht stoppen.

Und irgendwann, Mitten in der Nacht, nach acht Stunden Rückfahrt durch Schneestürme und nicht enden wollende Autobahnbaustellen, als die längste Playlist der Welt gehört und alle 80ies Hits miteschmettert waren, nahm der neue kleine Brummi vor dem Haus den Platz seines Vorgängers ein. Da steht er jetzt, als hätte er noch nie woanders gestanden. Und vermisst seine Neubaugarage, vermutlich. Ein paar kleine Extras werde ich ihm noch gönnen, um ihn endgültig zu meinem zu machen. Aufkleber ab, Folie dran, Sitzbezüge drüber. Solche Dinge. Und dann, irgendwann, wenn die Standheizung in den Sommerschlaf geht, kann der erste Urlaub kommen.

Hâute-de-France wird es wohl werden. Denn an ner Steilküste sollte sich doch eine gute Chance finden, sich im Aufstelldachbett morgens den Wind um die Nase wehen zu lassen. Oder sich den Kopf zu stoßen, beim Einsteigen, die Stehöhe des verkauften Pössl vermissend.

Eins davon wird passieren. Mindestens.

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