#ZweiVonUns – Was bleibt?

Fünf Tage ist es nun her, dass uns die Nachrichten aus Kusel erreichten. Gegen die Beschuldigten wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Es scheint, als hätte mindestens einer der beiden Täter im größeren Stil gewildert und aus dem Ertrag aus der Jagdwilderei seinen Lebensunterhalt bestritten. Das Auto, das die Kollegin und der Kollege kurz vor Tagesanbruch am Montag kontrollierten, war also offenbar nicht mit zwei Gelegenheitstätern besetzt. Zu was diese Kriminellen fähig waren, haben sie dann leider in der Kontrolle noch mit aller Brutalität unter Beweis gestellt.

Besonders die Unvorhersehbarkeit und die Grausamkeit der Tat waren in den Gesprächen unter Kollegen in den letzten Tagen immer wieder Thema. „Weißt du, Aenni…“ sagte mir zum Beispiel ein Kollege: „…wie viele Autos wir pro Tag, pro Woche, pro Monat anhalten? Wie viele der Menschen darunter waren wohl bewaffnet? Wie viele waren kurz davor, mich anzugreifen? Und: Waren auch welche unter ihnen, die bereit gewesen wären, mich umzubringen?“ 

Ich weiß es nicht. Natürlich nicht. Bloß: was mache ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Ich kann kaum an jedes Fahrzeug so herantreten, als wolle mein Gegenüber mich im nächsten Augenblick eiskalt abknipsen. Und selbst wenn ich es täte: während ich vorne für maximale Sicherheit sorgte könnte mich der Nächste, wenn er nur wollte, hinterrücks überfahren.

Trotz moderner Ausstattung, größter Rechtssicherheit, guter Schießergebnisse und geübten Gefahrenradars werde ich nicht jeden Angriff abwehren können. Und es gibt ihn, den echten Hass auf die Polizei. Er bricht sich immer wieder Bahn. Auf Social Media rief heute ein 55 jähriger dazu auf, Polizisten in Hinterhalte zu locken und zu beschießen. Einige Behörden meldeten in den letzten Tagen, dass man Kollegen in Kontrollsituationen „sowas wie in Rheinland- Pfalz“ gewünscht habe. Ziemlich verstörend, wie ich finde.

Und trotzdem habe ich in den Gesprächen mit den Kollegen zwischen all der Wut auf die Täter aus Kusel und der Trauer um die Getöteten nie gehört, dass auch nur Einer oder Eine um mich herum wirklich eingeschüchtert gewesen wäre. Im Gegenteil.

Wir sind ruhig geworden und noch enger zusammengerückt. Wir haben in den folgenden Nächten noch besser Acht gegeben, aufeinander, haben noch genauer hingesehen, wie es unseren Streifenpartnern ging, haben an unseren Absprachen gefeilt und weiter dabei unseren Job gemacht. Weil wir wissen, dass es richtig ist. Und weil wir wissen, dass wir mit unseren Gedanken an den Fall aus Kusel nicht alleine sind. 

Vielleicht ist die große Anteilnahme, die man in diesen Tagen aus allen Behörden in ganz Deutschland sieht, gar nicht nur ein Zeichen der Trauer und des Zusammenhalts sondern auch ein wenig ein gegenseitiges Ermutigen, sich nicht unterkriegen zu lassen, weiter diesen schon auch ein bisschen verrückten Job zu machen, und sich im Angesicht der eigenen Verwundbarkeit zu vergewissern, dass wir so gut wir können aufeinander aufpassen werden.

Diese Tat hat uns alle erschüttert.  Sie macht uns sehr traurig. Aber sie lässt uns nicht zweifeln.

Zur Unterstützung der Angehörigen und der unmittelbar von dem Einsatz betroffenen Kollegen hat die Polizeistiftung Rheinland- Pfalz ein Spendenkonto eingerichtet. Ihr erreicht es über diesen Link.

Was jeder*r von euch tun kann

Falls ihr euch fragt, was ihr tun könnt, um eine Polizeikontrolle für alle Beteiligten möglichst sicher zu gestalten, habe ich euch hier ein paar Hinweise zusammengestellt.

Sollte einer meiner Kolleginnen und Kollegen (oder vielleicht ja auch ich…) also demnächst aus welchem Grund auch immer genau dein Auto kontrollieren, könntest du vielleicht Folgendes im Hinterkopf haben:

  • Hinter deinem Auto blinkt „STOPP POLIZEI“ auf dem Streifenwagendach?! Kein Grund zur Hektik! Am besten gibst du mir ein kurzes Zeichen, dass du das Blinken gesehen hast und suchst uns dann einen Kontrollort, an dem ich gefahrlos aussteigen kann. Bushaltestellen, Seitenstreifen oder Einfahrten sind zum Beispiel gute Ideen. Nachts werde ich darauf achten, nicht an einer vollkommen finsteren Ecke mit dir zu landen. Falls es sich allerdings nicht anders machen lässt bringen unsere Streifenwagen ganz gute Arbeitsscheinwerfer mit. Kein Grund also, sich vor Dunkelheit zu fürchten.
  • Du ahnst sicher schon, dass ich gleich deine Papiere sehen möchte. Vermutlich hast du Recht. Allerdings ist es nicht nötig, sie schon parat zu haben, bis ich bei dir am Auto bin. Falls du sie also nicht eh gerade in der Hand hast (wer hat das schon?) musst du nicht hektisch danach kramen. Lieber wäre mir, du machst erstmal das Warnblinklicht und im Dunkeln deine Innenbeleuchtung an. Dann kannst du den Motor ausschalten und einfach sitzen bleiben.
  • Angehalten zu werden ist zuweilen aufregend. Ich mache das zwar seit 20 Jahren, bin aber selbst trotzdem nervös, wenn ich in eine Kontrolle komme. Du hast also mein vollstes Verständnis. Das Gute ist: du musst erstmal nix machen und nix wissen. Ich führe uns beide sicher durch diese Kontrolle. Ich hab das geübt. Wir kriegen das hin.
  • Wir kennen uns nicht. Selbst wenn ich deine Daten mit unseren Systemen abgleiche kann ich nicht wissen, ob dur mir wohlgesinnt bist. In den letzten Jahren bin ich Menschen begegnet, die sich nicht kontrollieren lassen wollten oder noch viel finsterere Absichten hatten. Das konnte ich leider immer erst erkennen, als wir uns schon gegenüber standen und es schon hoch her ging. Ich möchte nicht böse überrascht werden und bitte deshalb um Verstädnis dafür, dass ich erstmal argwöhnisch und sehr vorsichtig bin. Es hat nichts mit dir persönlich zu tun, ich möchte nur sicher und am Stück wieder nach Hause kommen.
  • Ich behandele dich sicher nicht „wie einen Schwerverbrecher“ – diesen seltsamen Vorwurf höre ich oft. Aller Voraussicht nach unterhalten wir uns freundlich und ich verlange nach deinen Papieren, frage zum Beispiel nach einem Alkoholtest oder möchte Dinge wie die Warnweste sehen. Schwerverbrecher hingegen nehme ich für gewöhnlich fest und lege ihnen Handfesseln an. Das wird in dieser Kontrolle hoffentlich nicht nötig sein.
  • Vielleicht hast du einen schlechten Tag, dir ist irgendein mehr oder weniger teures Missgeschick passiert, was zu der Kontrolle geführt hat oder du hast nicht alles dabei, was du dabei haben solltest. Ich verstehe, dass du dich ärgerst oder es ungerecht findest, dass es jetzt ausgerechnet dich trifft, während vielleicht der Nächste neben uns falsch abbiegt oder ohne Gurt fährt. Mein Job ist es, unter anderem durch die Überwachung des Straßenverkehrs für Sicherheit zu sorgen. Jetzt und hier hat es dich “erwischt“. Das kannst du richtig oder falsch finden, kannst mich freundlich oder doof finden und mir das auch alles gern sagen Es gehört zu meinem Job, “Spaßbremse“, “Rennleitung“ oder “pingelig“ zu sein. Damit kann ich umgehen. Lass uns bloß bitte wie erwachsene Menschen mit den Dingen umgehen. Besonnen, respektvoll, am liebsten vernünftig. Auch, wenn wir uns mal in der Sache nicht einig sind. Wenn wir das schaffen, wäre schon viel erreicht. Nicht nur bei Verkehrskontrollen.

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