Erste Fahrstunden: Wörter auf besch…

“Aaaaalter – Was ist das denn hier für ein Hirnfick??” maule ich. Ich stehe auf dem Außenlager einer Spedition zwischen einer Menge Pylonen, schiebe das Visier meines Helms hoch und frage mich, wie ich jemals auf die beschissene Idee kommen konnte, mir so ein bescheuertes neues Hobby zu suchen. Wörter mit „besch…“ fallen mir relativ viele ein. Und: „Alter!“ sage ich auch öfter als mir lieb ist. In allen möglichen Betonungen. „Wollt’se da getz warten bis die Stunde um is? Oder krieg ich noch bisschen was geboten für dein Geld?“ knarzt es in meinem Ohr. Ich zucke mit den Schultern, hebe die Arme an und lasse die Hände auf meine Oberschenkel fallen. Dann starte ich das Motorrad neu und widme mich der nächsten Grundfahraufgabe. In meinem Ohr knarzt es schon wieder. „Nächste‘ma darfse auch wieder in den Spiegel gucken, wenne anfährst.“ 

Der Typ hat im Moment pausenlos heiße Tipps, die ich eigentlich nicht brauchen sollte. Ich antworte laut seufzend: „Jaaajaa!“ und bin froh, dass mein Fahrlehrer (nennen wir ihn Andy) meine Launen inklusive der wenig kreativen Schimpftiraden nicht hören kann. Ich habe ihn im Ohr, er mich aber nicht. Gut so.

Bis zur Prüfung werde ich noch reichlich üben müssen. Den Schrittgeschwindigkeitsslalom kriege ich schon ganz gut hin. Den Slalom mit 30 fahre ich bisher mit 25 und Kreise fahren. Naja. Das übe ich noch ein paar Mal öfter. Aber was erwarte ich auch, in meiner zweiten Fahrstunde. Los ging es gestern in der Nebenstraße direkt bei der Fahrschule mit reichlich Anfahren und Halten, ersten schüchternen Lenk- und Wendeversuchen und todesmutigem Hochschalten bis in den dritten Gang. Am Ende der Stunde war ich vor lauter neuen Eindrücken komplett fertig mit Schönschreiben, als Andy beiläufig anmerkte, die Übungen fänden dann ab morgen hier, auf dem ehemaligen Außenlager statt. Cool, dachte ich, jetzt müsste ich nur noch jemanden finden, der das Mopped unfallfrei die fünf Kilometer über die Bundesstraße hier rüber fährt. Dass ich das höchstselbst sein sollte, schien mir noch einigermaßen unrealistisch. 

Geklappt hat es trotzdem. Im Gegensatz zu der Sache mit den Grundfahraufgaben, an denen ich hier gerade ein bisschen verzweifelte. Andy allerdings, der vermutlich schon ganz andere Körperkläuse auf Zweiräder gesetzt hat, scheint einigermaßen zufrieden zu sein. Jedenfalls schweigt er gerade. Ich deute das mal als gutes Zeichen.

Dann lasse ich den Motor wieder an und versuche mich an die richtige Reihenfolge zu erinnern, in der ich beim Stop-and-Go die Füße abzusetzen habe. Dass das hier alles so durchchoreografiert und strikt einzuhalten ist überfordert mein Gehirn bisher gewaltig, solange es nebenbei noch über jedes Kuppeln und Schalten bewusst nachdenken muss.

Noch ein paar Runden, noch ein paar: „Gib ma bisschen Gas!“, „Geht doch!“ und: „Beweg dich!“ später treten wir die Rückreise zur Fahrschule an. Mein insgeheimes Ziel, auf dieser Strecke ganz ohne Anweisungen von hinten durchzukommen, erreiche ich zu meiner eigenen Überraschung und habe sogar Kapazitäten, den Bus wahrzunehmen, der mit Warnblinklicht im Gegenverkehr hält. Was ich auf dem Hinweg alles übersehen habe werde ich nie erfahren.

Als das Motorrad in der Garage steht und ich, bis auf die Unterhose durchgeschwitzt, den Helm abnehme, bin ich doch einigermaßen zufrieden mit mir. Auch Andy lächelt: „Ja läuft doch!“ und zwinkert: „Schon zwei Tage aufm Motorrad und noch nicht auffe Fresse gelegt! So darf das doch weitergehen…“

Ob das für die Prüfung reicht weiß ich nicht so recht, aber für den Anfang ist das vorerst ein okayer Anspruch…

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