Kategorie: Fahrschule

  • Da hat man was Eigenes!

    Da hat man was Eigenes!

    Blamier dich jetzt nicht, Aenni. Versuch irgendwie souverän zu wirken, führe ich ein gedankliches Selbstgespräch unter meinem Helmchen, als ich am Nachmittag auf dem Hof des Motorradhändlers neben meinem neuen Mopped stehe. Dass diese Kiste ziemlich hoch ist, war mir klar, dass ich mich ein bisschen strecken muss um mein rechtes Bein irgendwie über die Soziussitzbank zu bugsieren auch. Wäre halt schön, wenn ich mich nicht gleich beim ersten Losfahren kolossal auf die Schnauze lege. Mit einem leisen: „Urgs!“ erreiche ich kurz darauf mühevoll aber unverletzt meine Sitzposition, stelle die Spiegel ein und starte den Motor. Null Kilometer zeigt das Tachometer, und ich bin sehr gespannt auf die ersten 30, die mich jetzt mit einem Umweg über die Dörfer, die Autobahn meidend, nach Hause bringen sollen. Eher gesagt bin ich noch gespannter auf die ersten zwei bis zur Tankstelle, zu der ich mühsam versuche, mir den Weg zu merken.

    (mehr …)
  • Level Up!

    Level Up!

    „Du machst das gut, mach einfach weiter so!“ gibt der Fahrlehrer mir mit, als ich neben ihm anhalte. Er sammelt die Hütchen ein, zwischen denen ich gerade herumgekurvt bin. Ich atme kurz durch. Dann schickt er mich wieder los: „So. Komm: Ausweichen ohne. Kannste locker!“. Er hält mir seine Faust hin, damit ich meine dagegen dotze, und schickt mich an die Startlinie. „Hau rein!“ quäkt es kurz darauf über Funk in mein Ohr, dann beschleunige ich, der Fahrprüferin entgegen, auf 50 und mache, was ich geübt habe. Kupplung ziehen, links, rechts. Anhalten. Feddich.

    (mehr …)
  • Erste Fahrstunden: Wörter auf besch…

    Erste Fahrstunden: Wörter auf besch…

    “Aaaaalter – Was ist das denn hier für ein Hirnfick??” maule ich. Ich stehe auf dem Außenlager einer Spedition zwischen einer Menge Pylonen, schiebe das Visier meines Helms hoch und frage mich, wie ich jemals auf die beschissene Idee kommen konnte, mir so ein bescheuertes neues Hobby zu suchen. Wörter mit „besch…“ fallen mir relativ viele ein. Und: „Alter!“ sage ich auch öfter als mir lieb ist. In allen möglichen Betonungen. „Wollt’se da getz warten bis die Stunde um is? Oder krieg ich noch bisschen was geboten für dein Geld?“ knarzt es in meinem Ohr. Ich zucke mit den Schultern, hebe die Arme an und lasse die Hände auf meine Oberschenkel fallen. Dann starte ich das Motorrad neu und widme mich der nächsten Grundfahraufgabe. In meinem Ohr knarzt es schon wieder. „Nächste‘ma darfse auch wieder in den Spiegel gucken, wenne anfährst.“ 

    (mehr …)
  • Theorieprüfung. (Whoop whoop!)

    Theorieprüfung. (Whoop whoop!)

    Ein bisschen aufgeregt bin ich ja schon. Aufgeregter als ich zugeben möchte sogar. Aber ich rede mir ein, dass es die gute Aufregung ist, die mich wacher, aufmerksamer und fokussierter macht. Außerdem fühle ich mich gut vorbereitet. Auf die Fragen jedenfalls.

    (mehr …)
  • Mein Name ist Aenni. Ich kaufe hier ein.

    Mein Name ist Aenni. Ich kaufe hier ein.

    Als könnte man nicht fürs Campen schon genug Geld ausgeben habe ich mir jetzt also auch noch ein zweites Hobby gesucht, das mein Sparschwein arg zittern lässt Bevor ich rauf kann, aufs Motorrad, muss natürlich Kleidung her. Hatte ich erwähnt, wie ungern ich in Geschäften einkaufe? Schlimmer als Klamotten anprobieren zu müssen ist dabei nur, auch noch Beratung zu brauchen. Ich hasse alles daran. Besuche in Motorradzubehörfachgeschäften sind also eine gute Gelegenheit, mein Service- Lächeln und eine gespielte Lockerheit zu üben. Setzt also mit mir gemeinsam euer bestes Zahnputzlächeln auf und folgt mir dahin, wo alles sich auskennen, nur ich nicht, wo man mir alles (!) andrehen könnte und wo ich aufpassen muss, nicht alles zu kaufen, Nicht, weil ich wollte, sondern weil ich so schlecht nach längerer Beratung sagen kann, dass ich lieber noch mal überlege, während ich meine: „Hast du mal gesehen wie häßlich das ist, du komischer Verkäufer?!“

    „Du bist einfach nicht symmetrisch“ sagt der freundliche Verkäufer mit der „coolen“ Lederjacke schulterzuckend. Jetzt bloß nicht als Polizistin auffallen, dann wird alles ein bisschen teurer, denke ich, und sehe ob des Asymmetrievorwurfs wohl ein wenig bedröppelt aus, mit meinem zusammengequetschten Mondgesicht unter dem Helm. Jedenfalls schiebt er nach, dass bis auf Cleopatra wohl niemand symmetrisch sei, auf der Welt. „Einigermaßen gerettet!“ nuschele ich in den Helm und probiere anschließend einen anderen an.

    Der sitzt besser. Ist wohl genau so asymmetrisch wie ich, denke ich, aber: Hauptsache passt. Mit Helm und dem komischen Gefühl, als guckte mich jetzt hier jeder an, folge ich dem Lederjackenmann, der mir immer sympathischer wird, zu den Handschuhen. „Dein Kollege hat mir schon welche gezeigt, die mir gefielen, letzte Woche. Aber die hattet ihr nicht in der richtigen Größe.“ versuche ich mit Blick auf die fast fünf Meter Regal die Suche abzukürzen. „Top! Dann sach ma, welche!“ antwortet der Verkäufer und lässt den Blick durchs Regal schweifen. „Ich äh… die waren schwarz!“ 99% der Handschuhe hier sind schwarz, aber ich habe in den letzten Wochen so viele Hosen, Handschuhe, Jacken und Helme gesehen, dass ich mir nicht eine einzige Marke merken konnte. „Schwarz?! Samma: veräppelst du mich?“ lacht der Verkäufer los, erkennt dann aber trotz meines Helmknautschgesichts wie ernst ich das meine. „Ich verarsch dich nicht, die waren echt schwarz…“ lache ich mit: „… und die hatten n kurzen Schaft, waren für den Sommer und kosteten an die 90,- Euro!“ Nach ein paar Versuchen probiere ich an, was ich meinte. Meine Größe allerdings gibt es auch heute nicht. 

    „Handschuhe schicken wir dir nach Hause… wolltse den Helm gleich aufbehalten? Dann rufen se aber die Bullen wenn du mit Helm im Auto nach Hause fährs‘. Würd ich mir also überlegen…“ – „Nä, das wär mir nicht so recht. Mit denen will ich nix zu tun haben… dann setz ich den wohl ma besser ab!“ Jetzt gucken die Menschen im Laden nicht mehr wegen des leuchtenden Helms sondern der verknüddelten Haare. Also schnell zahlen und dann nix wie raus hier. 

    An der Kasse gebe ich den Helm zurück. Während ich gleich anderswo mit Helmfrisur weitershoppe baut mir der Verkäufer noch das Headset ein. Er nennt das allerdings konsequent „Intercom“ – als wollte ich damit zum Mars reisen und nicht auf die L699. 

    In den nächsten Tagen sollte ich mich dann endlich mal der Vorbereitung auf die Theorieprüfung widmen und dann, finally, sitze ich zum ersten Mal aufm Motorrad. Mit behelmtem Mondgesicht, schwarzen Handschuhen und dem ganzen anderen Kram, den ich in den letzten Tagen und Wochen zusammengetragen habe, wie ein Eichhörnchen vor dem Winter. 

    Ach so: dem einzigen absoluten Tipp, den ich bekommen habe, bin ich übrigens natürlich nicht gefolgt und habe jetzt Schuhe, an denen die Schnürung mit Klett gesichert wird. Ich werde also zukünftig entweder denken: „Ich weiß gar nicht, was der hatte.“ oder: „Warum klettet der Scheiß schon nach so kurzer Zeit nicht mehr richtig? Und warum habe ich nicht auf so n simplen Tipp gehört?“ Aber so ist das, wenn man n neues Hobby anfängt. Man macht seine Erfahrungen…

  • Schwerin VI – zu Besuch (feat. Theorie fertig)

    Schwerin VI – zu Besuch (feat. Theorie fertig)

    Klar könne ich noch drei Nächte bleiben, allerdings müsse ich dann den Stellplatz wechseln, sagt die Frau an der Rezeption, als ich beschließe, erst Sonntag weiterzuziehen. Das Wetter, und ich nerve euch damit die nächsten Tage dann auch nicht länger, wird wohl Mittelmaß bleiben, und ich sehe irgendwie nicht ein, für mittelmäßiges Wetter noch woanders hin zu fahren. 

    (mehr …)
  • Erste- Hilfe- Kurs

    Erste- Hilfe- Kurs

    Erste Hilfe muss jeder können. Die absoluten Grundlagen, die mir hier heute vermittelt werden sollen, beherrsche ich. Trotzdem sitze ich, wohlweißlich mit diversen Schokoriegeln und einer Flasche Wasser bewaffnet, in einem Souterrain- Seminarraum. Die Rechtslage will es so. Ich möchte meine Fahrerlaubnis erweitern: ich muss einen Erste- Hilfe- Kurs besuchen. Die Auffrischungen aus dem Job habe ich zwar besucht, die Belege darüber haben es aber nicht in die Personalakte geschafft. Nun ja. Da muss ich jetzt durch.

    Um mich herum tuscheln schüchtern ein paar Teenager. Niemand ist freiwillig hier, das merkt man der Gruppe an, und alles, was diesen Tag noch retten kann, ist ein fähiger Kursleiter. Und meine Schokoriegel.

    (mehr …)
  • Prüfungsreife

    Prüfungsreife

    Es ist Mitte Juli. Die Führerscheinlernapp bescheinigt mir nach wenigen Tagen des Durchklickens Prüfunsgsreife. Hätte ich vor 20 Jahren eine solche App gehabt, wäre ich vielleicht nicht im ersten Rutsch durch die Theorie der Klasse B gefallen. Vielleicht aber auch doch.

    Diesen Schuss vor den Bug hatte Klein- Aenni in der Rückschau nämlich damals bitter nötig und so blieb diese Peinlichkeit die erste und letzte so richtig in den Sand gesetzte Prüfung meines Lebens. Also: Einzelne Fünfen in Mathe und Physik großzügig ausgeklammert… 

    (mehr …)
  • Theorie II

    Theorie II

    Schon wieder Zoom. Heute fühle ich mich allerdings wie ein kleiner Profi. Einloggen. Muten. Schlau gucken. Ich bin im Zoom- Game angekommen.

    Der Fahrlehrer stellt die Inhalte des Abends vor, und, ich will ehrlich zu euch sein: Ich bin mittelmäßig gelangweilt. 

    (mehr …)
  • Theorie I

    Theorie I

    ,Der Dicke soll sich muten‘ denke ich und hasse mich dafür. Der Dicke ist ein freundlich aussehender Mann um die 50. Er hat ein Headset auf dem Kopf und spricht mit einer Frau. Alle anderen 34 Teilnehmer des Zoom- Calls kennen die Spielregeln. Reinkommen, halblaut „Hallo!“ sagen, dann mute drücken. Ich starre den ungemuteten Mann an. Der Zufall will, dass ausgerechnet sein Bild direkt neben meinem angezeigt wird. Ich bin die virtuelle Sitznachbarin des Störenfriedes. Alle, die auf ihn starren, werden zwangläufig auch auf mich starren. Die nächsten drei Stunden. Der Zoom- Algorithus meint es nicht gut mit mir.

    (mehr …)