Da hat man was Eigenes!

Blamier dich jetzt nicht, Aenni. Versuch irgendwie souverän zu wirken, führe ich ein gedankliches Selbstgespräch unter meinem Helmchen, als ich am Nachmittag auf dem Hof des Motorradhändlers neben meinem neuen Mopped stehe. Dass diese Kiste ziemlich hoch ist, war mir klar, dass ich mich ein bisschen strecken muss um mein rechtes Bein irgendwie über die Soziussitzbank zu bugsieren auch. Wäre halt schön, wenn ich mich nicht gleich beim ersten Losfahren kolossal auf die Schnauze lege. Mit einem leisen: „Urgs!“ erreiche ich kurz darauf mühevoll aber unverletzt meine Sitzposition, stelle die Spiegel ein und starte den Motor. Null Kilometer zeigt das Tachometer, und ich bin sehr gespannt auf die ersten 30, die mich jetzt mit einem Umweg über die Dörfer, die Autobahn meidend, nach Hause bringen sollen. Eher gesagt bin ich noch gespannter auf die ersten zwei bis zur Tankstelle, zu der ich mühsam versuche, mir den Weg zu merken.

Ich lasse also zum allerersten Mal die Kupplung kommen und das riesige schwarze Pony schleicht vorsichtig, meine Beine an den Fußrasten vorbei baumelnd, zur Hofausfahrt. Wenn ich ohne hier runter zu stürzen die Tankstelle erreiche kann mir nichts mehr passieren, denke ich. Kurz hatte ich überlegt, den Händler zu bitten, den Tank halbvoll zu übergeben. Dann war mir das irgendwie unangenehm gewesen. Jetzt also kämpfe ich nicht nur gegen das ungewohnte Motorrad sondern auch noch mit der tief in mir schlummernden Sorge des irgendwo Liegenbleibens. In meiner Aufregung biege ich, entgegen der in meinem Kopf mantramäßig rotierenden Tankstellenwegbeschreibung, falsch ab und muss nun, immer ein Auge auf der blink-warnenden Tankleuchte, eine kleine Gewerbegebietsrunde fahren um schließlich endlich neben Säule drei die ersten eigenen Liter in den ersten eigenen Mopedtank zu füllen. Aus der Aufgregung heraus, hier gleich, unkonzentriert wie ich gerade bin, wieder etwas falsch zu machen, tanke ich lieber nicht voll, zahle, und schwinge mich nun schon zum zweiten Mal aber nicht weniger ungelenk auf den Sitz, der irgendwie noch immer so hoch ist wie vorhin. Pony, du bist ganz schön riesig.

In Sachen Liegenbleiben beruhig und immerzu: „Hier rechts, bis zum Ende, dann links und dann kennst du dich wieder aus…“ vor mich hin denkend fahre ich, als säße ich auf einem rohen Ei, von der Tankstelle und preise den Verkehrsflussgott, dass ich hier nicht an der recht steilen Einfahrt gleich beim zweiten Mal am Berg anfahren muss. „Hier rechts, bis zum Ende, dann links…“ – noch immer brauen sich die Sorge, sich mit dem neuen Ding in der fremden Ecke zu verfahren und die Sorge, irgendwas falsch zu machen und eine größere Katastrophe auszulösen zu einem fiesen, nervigen Sorgenhäufchen zusammen. Warum bin ich so? Sind andere auch so? Oder gibt es Menschen die zum ersten Mal auf ein flammneues Motorrad steigen und denken: „Haha. Das ist ja einfach, und den Weg werd ich schon finden!“ – ich jedenfalls bin so nicht. Jedenfalls nicht hier und jetzt. 

Als ich am Ende links gefahren bin, mich auskenne und die Strecken zwischen den Ampeln länger werden entspannt sich meine Laune. Nach einigen Minuten im Stop & Go habe ich mich mit der neuen Kupplung angefreundet und bin relativ sicher, von den Fahrzeugen vor und hinter mir nicht für einen kompletten Idioten gehalten zu werden. Noch ein wenig später, als ich die Stadt verlasse und der Verkehr abnimmt, als ich das erste Mal ein paar Kilometer vor mich hin fahren und genau das auch genießen kann, wird mir sehr schnell sehr klar: Das hier war eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre. 

Ich beschließe, die Runde auf bekanntem Terrain um noch ein paar Kilometer zu erweitern, genieße, dass ich die Straßen hier fast für mich habe und statte meinen Eltern noch einen Überraschungsbesuch ab. In deren Einfahrt stelle ich fest, dass es sich auf grobem Schotter gleich noch viel schlechter rangiert wenn man zu kurze Beine hat und dass ich dem Seitenständer nur traue, wenn ein Klötzchen drunter liegt.

Und als ich mich dann zum ersten Mal auf den Heimweg mache, einparke und mittelmäßig souverän in der Einfahrt vom Motorrad steige denke ich, dass ich den Titel dieses Blogs: „Mein Leben mit Hund, Blaulicht, Camper und noch nicht gekauftem Motorrad“ nach vielen Monaten, nach kleinen Zweifeln und großen Wünschen, nach Wörtern auf „besch…“ und zwei bestandenen Prüfungen jetzt dann wohl endlich ändern darf. 

Wie schön, dass ihr mich begleitet habt!

Ich nehme euch jetzt mit auf die nächsten 100km, dann auf die ersten 1000, irgendwann zur ersten kleinen Macke, beichte euch Lustkäufe, verschweige euch peinliche Fahrmanöver (gestern wurde ich relativ berechtigt angehupt, aber das wollen wir hier mal nicht gleich so auswalzen…) und wenn ich’s dann irgendwann so gut kann, mit den Kurven und diesen ganzen aufregenden Motorradfahrsachen, dass ich mich traue, dann nehm ich euch mit auf die ersten größeren Ausflüge. 

Am liebsten vielleicht erstmal solche, an denen ich nicht an steilen Bergen nach rechts anfahren muss. Lieber solche mit Talsperren, Waffelständen und Eisbuden. Und wenn ich wieder neue Fuhrpark- Flausen im Kopf hab, nach Camper, E-Bike und Motorrad, dann seid ihr die ersten, die’s erfahren.

Fest versprochen. 

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