#Harz2024 – Mittelbau Dora

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Es ist heute zu warm für einen Gedenkstättenbesuch. Und die Umleitung dorthin über den Forstweg ist zu offroad für meinen Geschmack. Als uns auf dem Forstweg, den man halbseiden als Umleitung ausgwiesen hat, dann auch noch ein Mann in Grün begegnet, spreche ich ihn gleich an und frage von mir aus kleinlaut, ob wir hier richtig sind. Ich habe nämlich gar keine Lust auf Anschiss vom Förster. Der Mann guckt verdutzt.

Förster ist er zum Glück nicht. Und richtig zu sein scheinen wir auch. An der Gedenkstätte parken wir die Mopeds auf dem fast leeren Parkplatz. Regen droht, es ist Mittwochnachmittag und wir sind irgendwo im Nirgendwo. Natürlich ist hier niemand.

Wir lassen den Ort und die Ausstellung auf uns wirken, gehen angesichts der Motorradkleidung und des Wetters nur ein Stück übers Gelände und machen uns schon wieder auf den Weg. Heute sind wir nicht nur des Fahrens müde. Auch auf dem Rückweg behelligt uns kein Förster.

Die Gespräche im Helm bleiben nachdenklich. Ich bin froh, einen Co-Piloten zu haben, der in Geschichte aufgepasst hat und mir helfen kann, meine Gedanken zu sortieren.

Auf dem Rückweg halten wir auf ne Thüringer Wurst an einem Straßenimbiss in Holbach. Die Bude hat die besten Zeiten hinter sich. Wenn man sich hier so umsieht, hat vermutlich das ganze Dorf die besten Zeiten hinter sich. Die wenigen Straßen heißen „Neubauernsiedlung“ und „MTS- Siedlung“ und deuten auf die DDR- Vergangenheit hin. Ein klassisches Straßendorf. Braune Fassaden. Hier und da hat jemand Fachwerk erhalten. Dazwischen, die Bundesstraße. An der Bundesstraße die Wurstverkäuferin. „Hans Wurst“ heißt die Bude in der alten Garagenzeile. Jemand hat „Schwanzwurst“ an die Fassade geschmiert. Niemand hat es seitdem entfernt. Der Künstler war unsicher, ob man das mit s oder z schreibt. Gerade noch mal gut gegangen. Zumindest in Sachen Rechtschreibung.

Thom smalltalkt. Ich habe mich ein paar Meter abseits auf einen Sims gesetzt und kleckere mir einen amtlichen Flecken ostdeutschen Qualitätssenf auf die Motorradhose. Auch der einsetzende Regen wäscht ihn natürlich nicht aus. Betrachten wir’s einfach als Souvenir. 

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