Schaalsee, Schwerin, Kübo – Was bleibt

Ich habe die Stufe am Brummi eingefahren und noch mal am Fahrrad gewackelt. Der Strom ist abgezogen, diesmal sind die Schubladen wirklich (!) zu. Ich bin klar zur Abreise. 

Drei Wochen Urlaub liegen hinter mir. 

Als ich Kühlungsborn verlasse und auf die Landstraße fahre, starte ich die Musik-App und drehe das Radio ungewohnt laut. Jan Delay singt „Saxophon“ und ich gröle mit. Schief, aber dafür laut. 

Relativ lange fahre ich über Land. Zumindest aus meiner Ruhrgebiets- Sicht auf Entfernungen. Irgendwann erreiche ich die A20 und spule gefühlt den Urlaub noch einmal rückwärts ab. Eins dieser großen braunen Autobahnschilder weist mich darauf hin, dass ich mich jetzt in der Schaalsee- Region befinde. Schön war es hier. Grün und weit und, weil ich Trampel mich da ja vor dem Urlaub nicht mit beschäftigt hatte, unerwartet geschichtsträchtig. Ich erinnere mich an den Schrankenmann und seine kartoffelige Mittagspause, an Sven (was für ein Vollidiot), an Internet im Bett und Abende auf der Gemeinschaftsbank an der Badestelle. 

Dann passiere ich das Autobahnhinweisschild des „Grenzhus Schlagsdorf“ und erwische mich dabei, das kurz ziemlich übertrieben zu finden, so einem doch eher überschaubaren Museum, das auch noch ein paar Kilometer von der A20 entfernt liegt, ein Autobahnsehenswürdigkeitshinweisschild zu drucken. Aber vielleicht geht es gar nicht um die Ausmaße des Museums sondern um die der Geschichte, die es erzählt. Und die waren unbestreitbar riesig.

Die Musik habe ich inzwischen ausgemacht und fahre einfach so vor mich hin. Genauso selten wie ich die Musik richtig laut mache, schalte ich sie ganz aus. Gerade fühlt es sich aber richtig an.

Vor ein paar Tagen hatte meine Mutter mich gefragt, ob ich denn noch einmal auf den Campingplatz Kühlungsborn fahren würde. Ich hatte etwas zu entschieden verneint. Damals noch unter dem Eindruck des krassen Unterschieds zu dem überschaubaren Platz am Schweriner See. Kühlungsborn war dagegen ein komplett durchgeplanter Super-Chichi-Touri-Platz. Im Nachhinein muss ich zugeben: auch das hat mal seinen Reiz. So am Ende des Urlaubs mal ein wenig mehr Komfort zu genießen, mit Wasser am Platz, mit Supermarkt, zwei Restaurants, mehr oder weniger direktem Strandzugang und wirklich fantastischen Sanitärgebäuden, das hat schon auch Spaß gemacht. Kühlungsborn allerdings, das ist nichts für mich. Falls ihr keine Vorstellung habt, was Kühlungsborn ist: ich würde sagen es ist Rentner- Disneyland. Mit Bimmelbahn, mit der „Molly“, mit Riesenrad und 4km Promenade zum Sehen und gesehen Werden. Und für den Rentner-Thrill fährt man über den Rentner-Radl-Highway nach Bad Doberan.

Vielleicht, und das sage ich selten, bin ich zu jung für den Sch… – aber vielleicht bin ich auch einfach zu sehr Dorfkind. Mal einen Tag Disneyland – das hätte ich mir gefallen lassen. Eine Woche allerdings muss ich das nicht nochmal haben. Und habe mich deshalb auch wirklich nur mit dem Fahrrad dorthin gewagt, um schnell wieder weg zu sein. Am Strand. Mit dem Hund.

Bleibt noch was? Ja: die Erkenntnis, dass mein Vater verdammt gut Kubb spielt und ich mich schon echt am Riemen reißen muss, um mitzuhalten. Ab Tag drei war es dann ausgeglichener, aber Klötzchen werfen, das kann der alte Herr erschreckend präzise, während meine Mutter mit mehr Glück als Verstand (sorry, aber ich fürchte so war es) locker aus dem Handgelenk eine Partie Beach Boccia nach der andern für sich entschied. Da waren Vaddern und ich aber auch schon des Kubb- Kampfes müde (so reden wir uns jedenfalls raus, falls jemand fragt).

Noch was, was bliebe?

Die Sache mit dem Fahrrad. Ich komme mit knapp 450km mehr auf dem Tacho und einem zum Glück supereasy ausgetauschten Akku nach Hause zurück. Nicht nur die Reichweite um den geparkten Brummi herum sondern auch das Fahrradfahren an sich habe ich mehr und mehr liebgewonnen. Erst recht natürlich so tolle Tagestouren wie „die blaue Null“ um den Schweriner See zusammen mit dem Sandmann, möchte ich nicht mehr missen.

Das EBike allerdings hat mir die vielen Regenschauer und die Zeit an der Ostsee nicht so recht verziehen. An der Kette habe ich heute Flugrost entfernt und dabei festgestellt, dass Teile der Kassette ganz schön Spiel haben. Die Schaltung müsste ich, nachdem sich schon in Schwerin ein Zweig übel im Schaltwerk verknüddelt hatte, wohl auch mal richtig einstellen. 

Vielleicht bringe ich es einfach mal in die Wartung. Soll ja auch weiter so viel Spaß machen wie bisher. Und irgendwo, ganz hinten in meinem Hirn, überlegt schon eine einsame Synapse, wie sie sich und den anderen Hirnwindungen die Anschaffung eines on Road tauglicheren Zweitfahrrades mit Licht und Packtasche schön reden könnte. Zum Frühjahr vielleicht. Wir alle hier werden es ja erleben.

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