Schwerin I – Crivitz, aber warum?

Danke, Schaalsee, hallo Raben Steinfeld und Schwerin 

Der morgendliche Blick aus dem Heckfenster, der bisher immer der auf die aktuelle Regenmenge war, macht das Aufstehen heute leichter. Hinter dem Fahrradträger ist der Himmel blau und wie zur Dekoration schieben sich ein paar Wölkchen ins Bild. Dass das morgen schon wieder vorüber sein soll versuche ich auszublenden, schließe die Wetter- App und widme mich dem, was zu tun ist, um weiter zu ziehen.

Ich ziehe den Strom zurück, kurble die Markise ein und latsche einmal um den Brummi. Dann schweift mein Blick an den Schränken und Schubladen entlang. Alles zu. Alles gesichert. Kann losgehen. Ich checke aus und gebe den nächsten Platz ins Navi ein. Mit Zwischenstopp beim Bäcker dürfte ich in einer guten Stunde da sein. Mit dem zweiten Zwischenstopp auf dem ersten Autobahnparkplatz, um die herausgefallene Schubladen neu einzuräumen, dauert es dann zehn Minuten länger. Die ungesicherten Schränke und ich – das wird wohl in diesem Leben nichts mehr.

Ich sammle also die Kartoffeln ein und wische die Eier (na klar war es diese Schublade) auf, esse zur Belohnung ein Wassereis und fahre weiter. Die Zeiten, in denen mich sowas geärgert hätte, sind ungefähr zehn herausgeflogene Schubladen her.

Raben Steinfeld begrüßt mich freundlich, am Check In bin ich alleine. Die Mitarbeiterin schenkt mir Hundekekse und verzählt sich bei den Duschmarken. Ich hoffe, ihr könnt schweigen. Aber ganz ehrlich: Duschmarken?! 2021?! Really? Naaaja…

Ich stelle den Brummi an seinen Platz und bin dermaßen stolz auf meine vorwärts-gegenüber-eine-Lücke-suchen-und-dann-rückwärts-an-der-Laterne vorbei-auf-die-Parzelle-stoßen- Skills, dass ich mich ein bisschen ärgere, dass die hagener Wohnwagenbesitzer neben mir gerade nicht da sind. Als ich stolz wie Oskar aussteigen will bemerke ich, dass die Schiebetür auf der falschen Seite ist. Also: die Tür ist nach wie vor auf der richtigen Seite, aber ich muss dann wohl in 67 Zügen noch einmal raus aus der Lücke und denkbar unkompliziert vorwärts wieder rein. Gut, dass die hagener Wohnwagenbesitzer neben mir gerade nicht da sind…

Pünktlich als die Markise ausgerollt ist bringt mir ein freundlicher Schweriner meine zuhause vergessene und eilig per Amazon nachgeorderte Handy- Fahrradhalterung. Navigation mit Handy in der Hosentasche hat die letzten Tage so hart genervt, dass ich extrem froh bin über den herausragend kundenorientierten Bestell- und Lieferservice. Danke noch einmal ausdrücklich an dieser Stelle bzw.: “Guter Service. Gerne wieder”.

Als der eingeborene Besucher wieder an die Arbeit muss klemme ich also das Handy ans Fahrrad und mache, um bei dem schönen Wetter nicht nur hier am Auto rumzuhängen, eine gut 35km lange Fahrradtour Richtung Crivitz. Auch hier noch einmal danke an den “Local” für den Routen- Tipp.

Die ersten knapp sieben Kilometer den Störkanal entlang lasse ich den Hund laufen. Er joggt und kühlt sich zur Verzückung badender Kinder alle paar hundert Meter im Kanal ab, während ich die Zeit nutze um die Biberschäden an den Bäumen zu fotografieren. Die Viecher haben scheinbar Großes vor und wollen den Kanal bebiberburgen. Ob das an einem Kanal überhaupt Sinn macht, müsste man jetzt vielleicht am besten gleich die Biber fragen. Die allerdings scheinen Wochenende zu haben. Jedenfalls treffe ich keine.

Das langsame Bade- und Foto- Geplänkel versaut mir zwar den Schnitt, sorgt aber dafür, dass ich die restliche Runde einen schlafenden Fifi im Anhänger liegen habe, den selbst der rustikalste Waldweg nicht mehr aus der Ruhe bringen kann. Als ich ihn zwischendurch im Naturschutzgebiet noch einmal freundlich frage, ob er sich nicht vielleicht noch ein paar Meter die kurzen Beine vertreten möchte, guckt er bloß belämmert aus seiner Kiste und rollt sich wieder zusammen. Offenbar hat er genug für heute. Soll mir Recht sein. 

Die Route führt mich also über Nebenstraßen und durch ein Stück Naturschutzgebiet nach Crivitz – seien wir ehrlich, ich möchte eigentlich nicht nach Crivitz. Ich wüsste auch nicht, was ich da sollte (Sorry, Crivitz!). Crivitz ist Mittel zum Radausflugzweck. Aber irgendwo auf der Karte muss man ja bei komoot “als Ziel festlegen” drrücken. Auf meinem zweckmäßig kurzen Crivitz- Sightseeing entdecke ich fahle Häuser, schmale Straßen, verlassene Datschen und fahrradfeindliche Verkehrsführungen – Da hätte ich auch in der Heimat bleiben können… also fix wieder raus aus dem Dorf und über einsame Straßen auf relativ direktem Weg zurück zum Brummi.

Die Hügeligkeit der Schaalseeregion ist übrigens einer weitläufigeren Geradeaussigkeit gewichen, was sowohl einen Mangel an Kurven als auch das Ausbleiben kleinteilig ausgeworfener Hubbel im Gelände betrifft. Mitlesende Geografen mögen die Beschreibung verzeihen. Alle anderen verstehen mich hoffentlich. 

Auf den letzten Kilometern gebe ich mal ein bisschen Gas. Erstens langweilt mich heute das Geradeausfahren, zweitens möchte ich heute geduscht und satt beim Sonnenuntergang am See sitzen, denn ich habe das Gefühl, dass das in den nächsten Tagen nicht so schnell wieder möglich sein dürfte. Aber die Wetter-App sollte ja heute ausnahmsweise mal geschlossen bleiben…

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