Autor: aenni.online

  • Schaalsee II – Mahnmal

    Schaalsee II – Mahnmal

    Die größte Herausforderung, damit werde ich wohl leider Recht behalten, könnte auf dieser Reise das Wetter werden. 

    Heute jedenfalls soll es trocken bleiben, auch wenn der Himmel grau und grimmig und finster über dem Brummi hängt und es ständig so aussieht, als müsste man irgendwo Unterschlupf finden, falls es schütten beginnt.

    Voller Vertrauen in die Wetter- App packe ich das Fahrrad und den Anhänger und mache den Hund und mich startklar. Schon vor dem Urlaub habe ich auf Komoot eine Runde um den Schaalsee zusammengebastelt. Die gut 45 Kilometer sollten sich entspannt an einem Nachmittag absolvieren lassen, auch wenn der Fifi zwischendurch immer wieder laufen darf und ich das Tempo auf Hundejogging- fähige 8-10km/h reduzieren muss.  

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  • Schaalsee I – Sven

    Schaalsee I – Sven

    Als ich um 12.30 Uhr im Nieselregen den Schaalsee erreiche, finde ich mein Timing relativ fantastisch, schließlich halten die meisten Plätze zwischen 13 und 15 Uhr Platzruhe. Ich stelle den Brummi prominent neben das Check- In Häuschen, schnappe das Handy mit dem Impfnachweis und latsche auf den Latzhosenmann in dem Schrankenwärterhäuschen zu, der neben mir gerade einem Urlauber aus Duisburg die Schranke öffnet. Duisburg winkt, die Schranke klappt wieder zu und ich… erblicke mit Schrecken das Schild an der Schrankenwärterhäuschentür: “12-14 Uhr: Mittagspause” – Mein Blick fällt auf den Latzhosenmann, der nun seinerseits aus dem Häuscheninnern so frostig auf das Pausenschild starrt, dass mir klar wird: Das werden wir wohl nicht diskutieren. 

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  • Nordostwärts

    Nordostwärts

    Es geht wieder los, wieder Richtung Norden, wie letztes Jahr. 

    Das Packen des Brummis habe ich diesmal ziemlich lange vor mir her geschoben. Einerseits, weil bei dem trüben Wetter keine rechte Urlaubsstimmung aufkommen wollte. Andererseits, weil ich inzwischen wirklich ein bisschen Routine habe und zumindest der Kofferraum noch vom letzten Urlaub ausgestattet ist. 

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  • Waschi

    Waschi

    Heute erinnert mich Facebook an einer Erinnerung an mein letztes Auto. Vor dem Brummi. Damit war ich öfter an einer dieser Selbst- Waschanlagen. Und davon erzähle ich euch heute. Erinnerungen und Anekdoten, die nicht aktuell sind, kennzeichne ich ab heute mit der Kategorie “Aufgewärmt”.

    Ich parke den Nissan vor der Waschbox.
    Zuerst gibt’s außenrum ’ne Katzenwäsche – wegen des mieses Wetters.

    Und innen muss ich wenigstens mal saugen.
    Nachdem ich letztes Mal zwei Euro in den Sauger gesteckt und festgestellt habe, dass ich dafür satte zehn Minuten Saugezeit besaß, entscheide ich mich heute auf dem Weg zum Geldwechselautomaten, der mir aus dem Fünfer saugerkompatibles Klimpergeld machen soll, für einen Euro fünf Minuten Saugezeit klar zu machen.

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  • Fokus

    Fokus

    Früher stand das Telefon im Flur. Nicht, weil es dort in der Docking-Station den leer gewhatsappten Akku tankte oder weil man sich daran gewöhnt hatte, es nach langer Suche immer an diesem Ort wiederzufinden, sondern, weil es dort an der Wand festgebunden war.

    Rief also zur Mittagsstunde Tante Trude an, eilte Mutti vom Herd zum Tischchen in der Diele, wo auf einem Deckchen der Fernsprecher schrill bimmelte, ohne zu verraten, wer am anderen Ende, ebenfalls in einem Flur vor einem Tischchen mit Deckchen stehend, Muttis Aufmerksamkeit von den Buletten lenkte. Nun hing alles von Muttis Timing ab, wenn es galt, Tante Trudes Redeschwall in eben jenem Moment zu unterbrechen, in dem die Frikkos im Fettbad zu wenden waren. Kein Telefondisplay verriet, wie lange die Tante schon palaverte. Allein innere Uhr und Geruchssinn legten fest, wann Mutti Tante Trude mit einem: „Ich hab wat aufm Herd, ich leg dich mal eben weg!“ abzuwimmeln hatte. Aussprüche wie: „Ich mach dich mal eben laut!“ oder: „Lass uns gleich auf n Kaffee in der Stadt treffen, ich schicke ne WhatsApp wenn ich losfahre.“ waren noch nicht erfunden.

    Kam also mittags die hungrige Familie am Tisch zusammen und wunderte sich einer über die besonders ausgereiften Röstaromen, galt: „Trude hat angerufen!“ Als völlig legitime Erklärung.

    Als ich heute beschloss, zu Abend Putenfilet zu braten, war ich gegenüber früher grundsätzlich in einer deutlich komfortableren Position. Während das Filet in der Pfanne vor sich hin prötschelte saugte das Smartphone neuen Saft aus der Steckdose auf der Arbeitsfläche. Einen vernünftigen Grund, sich vom Herd zu entfernen, gab es nicht. Untenrum hatte das Tier schon eine ansehnliche Bräune, die ich einem Kumpel auf die Frage, was ich denn gerade täte, per WhatsApp- Foto präsentierte. Hätte Trude früher angerufen, einfach, um zu fragen, was Mutti denn gerade mache, wäre sie wahlweise beschimpft oder schallend ausgelacht worden. Niemand hätte für diese Frage angerufen, und schon gar nicht hätte man zur Antwort ein Foto gezeigt bekommen. Wie auch? Polaroid und Faxgerät vielleicht – aber wir reden ja von Mutti, nicht von McGuyver.

    Ich schickte also ein Foto vom Putenzwischenstand und wir gerieten ins Chatten. Ab und an rüttelte ich an der Pfanne. Sollte ja schließlich nicht festpappen, der Krempel, und scrollte nebenher noch fix über die Facebooktimeline. Schnell noch ein paar Postings kommentieren, bei Twitter ein Hashtag mufflen und WhatsApp hat auch schon wieder geplingt.

    Irgendwann sagte mir meine Nase, ich sollte vielleicht mal wieder über den Displayrand schauen. Zu spät. Die Pute hatte eine Farbe angenommen, die auch der beste Insta- Filter nicht mehr schmackhaft hätte erscheinen lassen können und mein Abendessen wanderte, ganz analog, in den Müll.

    Schon praktisch, dieses Handyzeitalter – Um das Wichtigste zu verpassen muss man noch nicht mal mehr in den Flur gehen.

    Zu Essen gab es dann trotzdem Geflügel. Weniger stilvoll. Aber auch weniger verkohlt.

  • Erste- Hilfe- Kurs

    Erste- Hilfe- Kurs

    Erste Hilfe muss jeder können. Die absoluten Grundlagen, die mir hier heute vermittelt werden sollen, beherrsche ich. Trotzdem sitze ich, wohlweißlich mit diversen Schokoriegeln und einer Flasche Wasser bewaffnet, in einem Souterrain- Seminarraum. Die Rechtslage will es so. Ich möchte meine Fahrerlaubnis erweitern: ich muss einen Erste- Hilfe- Kurs besuchen. Die Auffrischungen aus dem Job habe ich zwar besucht, die Belege darüber haben es aber nicht in die Personalakte geschafft. Nun ja. Da muss ich jetzt durch.

    Um mich herum tuscheln schüchtern ein paar Teenager. Niemand ist freiwillig hier, das merkt man der Gruppe an, und alles, was diesen Tag noch retten kann, ist ein fähiger Kursleiter. Und meine Schokoriegel.

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  • Lögreglan

    Lögreglan

    Ich möchte hier nach und nach einige meiner Urlaubserinnerungen teilen. Heute reisen wir nach Reykjavik.

    Soll ich? Oder soll ich nicht? 

    Etwas unsicher schleiche ich mit einem Paket Donuts in der Hand an Reykjaviks Polizeigebäude vorbei. Angeblich soll Island ja die zufriedensten Polizisten der Welt haben. Die müssten doch eigentlich dann nett sein.

    Die Kollegen, die gerade mit ihren Fahrrädern auf den Hof gefahren sind, sahen sehr beschäftigt aus. Die wollten ich nicht stören. Vielleicht mache ich einfach erstmal ein Foto vom Streifenwagen.

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  • Prüfungsreife

    Prüfungsreife

    Es ist Mitte Juli. Die Führerscheinlernapp bescheinigt mir nach wenigen Tagen des Durchklickens Prüfunsgsreife. Hätte ich vor 20 Jahren eine solche App gehabt, wäre ich vielleicht nicht im ersten Rutsch durch die Theorie der Klasse B gefallen. Vielleicht aber auch doch.

    Diesen Schuss vor den Bug hatte Klein- Aenni in der Rückschau nämlich damals bitter nötig und so blieb diese Peinlichkeit die erste und letzte so richtig in den Sand gesetzte Prüfung meines Lebens. Also: Einzelne Fünfen in Mathe und Physik großzügig ausgeklammert… 

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  • Theorie II

    Theorie II

    Schon wieder Zoom. Heute fühle ich mich allerdings wie ein kleiner Profi. Einloggen. Muten. Schlau gucken. Ich bin im Zoom- Game angekommen.

    Der Fahrlehrer stellt die Inhalte des Abends vor, und, ich will ehrlich zu euch sein: Ich bin mittelmäßig gelangweilt. 

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  • Theorie I

    Theorie I

    ,Der Dicke soll sich muten‘ denke ich und hasse mich dafür. Der Dicke ist ein freundlich aussehender Mann um die 50. Er hat ein Headset auf dem Kopf und spricht mit einer Frau. Alle anderen 34 Teilnehmer des Zoom- Calls kennen die Spielregeln. Reinkommen, halblaut „Hallo!“ sagen, dann mute drücken. Ich starre den ungemuteten Mann an. Der Zufall will, dass ausgerechnet sein Bild direkt neben meinem angezeigt wird. Ich bin die virtuelle Sitznachbarin des Störenfriedes. Alle, die auf ihn starren, werden zwangläufig auch auf mich starren. Die nächsten drei Stunden. Der Zoom- Algorithus meint es nicht gut mit mir.

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